Montag, 8. Juli 2013

(2) KAPITEL 11

SAPHIR

Ich tapste erschöpft in die Höhle und ließ mich nieder. Die ganze Zeit über musste ich an Shino dachten, wie er sich vor Gekk gestellt hatte um mich zu schützen. Aber er hatte noch etwas gesehen. Wieso wollte er es mir nicht sagen? Verdiene ich die Wahrheit denn so wenig? Aber er hat mich beschützt. Nach einer kurzen Weile stolperte auch Shino in die Höhle und ließ sich neben mir nieder. Was war mit Lura? Er schien müde und erschöpft, genauso wie ich. Aber ich musste trotzdem fragen: „Was ist passiert?“ Shino schaute mich an und es schien als durchbohrte sein Blick den meinen. Da war wieder dieses Gefühl welches immer wieder sagt: „Pass auf, gleich hypnotisiert er dich wieder!“ Also wand ich meinen Blick ab und schaute einfach zu Boden. „Sie ist weggegangen.“ „Wieso?“, fragte ich neugierig. Er schwieg. Dann holte er tief Luft und antwortete etwas gekränkt: „Weil ich ihr gesagt hab, dass es wichtigere Dinge gibt als sie.“ Ich musste lächeln und fühlte mich plötzlich ziemlich wohl. Aber es fühlt sich auch falsch an. Ich gehöre nicht zu ihm, ich gehöre zu Lian. Zwar liebt er mich nicht aber es ist Gesetz. Und Shino? Er gehört zu Lura. Damit muss ich mich wohl abfinden. Sollte ich nach Hause gehen? - Ja. Wollte ich das? - Nein. Es war gerade schön, jemandem zum Reden zu haben. Auch wenn da etwas komisches zwischen uns war, fühlte es sich teils richtig aber auch teils falsch an. Womit kann ich das ändern? Diese Gesetze haben einem das Leben vorherbestimmt! Das ist nicht fair!
„Danke übrigens“, flüsterte ich. „Wofür?“, „Dafür das du mich vor diesem Gekk beschützt hast“, „Ich hab nur das Richtige getan“, „Wirklich?“ Meine Frage lag in der Luft und wieder war da dieses Schweigen. „Du versteckst mich hier, entfernst dich von deinem Rudel und streitest mit Lura. Ist das das Richtige?“ Shino schwieg weiterhin. Ich schaute ihn an und fing seinen Blick. Er war verletzt und doch strahlten sie. „Streit kann passieren. So ist das Leben und das ich mich etwas entferne ist nicht neu.“ Mir fiel auf, dass er die erste Frage nicht beantwortete. Aber wenn er nicht bereit dazu war, darüber zu sprechen, musste ich das akzeptieren. „Liebst du Lura?“, brachte ich heraus. Die Worte blieben mir fast im Hals stecken und ich musste sie einfach stellen. Shino fing meinen Blick erneut und antwortete fest: „Ich weiß es nicht. Es ist kompliziert. Und du? Liebst du Lian?“ Diese Frage war leicht zu beantworten. Trotzdem wählte ich meine Worte sorgfältig. „Ich habe es nie getan.“ „Aber du schienst ziemlich verliebt in ihn zu sein, zumindest als ich das erste mal in eurem Rudel war“, flüsterte Shino. Etwas lag in seiner Stimme was ich nicht zuordnen konnte. „Ich hab mir eingeredet, dass ich ihn lieben würde. Immerhin muss ich mein Leben mit ihm verbringen. Also hab ich versucht mich ein bisschen zu öffnen, in der Hoffnung das ich mich in ihn verlieben würde. Aber was daraus geworden ist, wissen wir ja beide. Es ist schwer sich für jemandem zu öffnen. Vertrauen findet man einfach zu selten“, gestand ich. Shino überlegte kurz und fragte vorsichtig: „Vertraust du mir?“ Ich hatte diese Frage zwar schon erwartet, trotzdem war sie schwer zu beantworten. „Am Anfang nicht. Dann baute sich etwas auf, aber du hast es wieder zerstört“, sagte ich bitter. Shino wand seinen Blick ab und ich konnte seine Trauer quasi in der Luft knistern hören. „Aber...“, begann ich und er schaute mir wieder in die Augen. „... jetzt vertraue ich dir. Ich weiß ehrlich gesagt nicht warum, und ich weiß ich sollte vorsichtig sein. Jedoch strahlst du etwas aus, etwas was mich berührt. Und trotz dieser einmaligen Hypnose-Geschichte, hast du dir mein Vertrauen verdient. Also ja. Ich vertraue dir.“ Shino lächelte mich an und fesselte meine Augen, wobei er wieder dieses vertraute, beruhigende Gefühl ausstrahlte. Ich wollte ihn fragen ob er mir vertraute, aber ehrlich gesagt wollte ich es nicht hören. Es reichte mir, wenn er einfach hier bei mir war, mir zuhörte und mich nicht allein ließ. Ich bereite ihm viele Umstände. Das will ich nicht, dachte ich traurig. Shino stand auf und tapste zum Ausgang. „Es tut mir leid, dass ich dir Probleme bereite. Das war nie meine Absicht“, sagte ich fest. Er drehte sich um und sagte ruhig: „Du machst keine Probleme. Es ist schön dich hier zu haben. Schlaf nun, ich werde morgen früh wieder kommen.“ Ich nickte und legte meinen Kopf auf meine Pfoten. Ruhig beobachtete ich ihn. Und als er aus der Höhle verschwand, verfiel ich in einen festen Schlaf. Wie nicht anders zu erwarten, träumte ich von Lian, Aya... und Shino.

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