Montag, 1. Juli 2013

(2) KAPITEL 8

SHINO

Tränen kullerten über ihre Wangen und ich hatte keine Ahnung was ich tun sollte. Ich meine, es sitzt natürlich auch jeden Tag ein attraktives Mädchen vor mir und heult sich die Augen aus. Wie denn auch, wenn ich, außer meiner Schwester, was aber nicht zählt, noch nie in meinem ganzen Leben ein richtiges Mädchen gesehen habe? Bitte, hör auf, ich glaube ich bin sogar verzweifelter als Saphir.. „Bitte Saphir, weine nicht“, flüsterte ich und setzte mich neben sie. Für einen kurzen Augenblick hielt sie inne und hörte auf zu schluchzen. Dann drehte sie sich zu mir und schaute mich fassungslos an. „Weine nicht ist das alles was dir einfällt? Weißt du, jetzt geht es mir auch direkt besser. Vielen Dank. Ich meine ich hab grade eben erfahren, dass mich mein Freund mit diesem kleinen Miststück betrügt und du kommst mir hier mit weine nicht? Oh klar, ich tue einfach so als wäre nichts gewesen und hüpfe glücklich durch den Dschungel!“, schrie sie mich an. Doch sofort milderte sich ihre Wut wieder und ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen. „Du hast einfach keine Ahnung wie weh das tut“, schluchzte sie nur noch und drehte sich weg. Ich fühlte mich schlecht. Toll gemacht, Shino. Jetzt bist du bei ihr ganz unten durch!, ärgerte ich mich über mich selbst. „Es tut mir Leid, ich wollte nicht gemein sein“, flüsterte ich und legte meinen Arm um sie. Ein Schauer überfuhr meinen Körper und meine Haut fing an zu kribbeln. Es war angenehm, ein wirklich gutes Gefühl. Wars das? Habe ich ihr vertrauen nun? Immerhin wirkt sie nicht abweisend, im Gegenteil, sie hielt mich sogar fest. Saphir lehnte sich an mich und ich umarmte sie. Eine Weile verging, doch wir saßen immernoch so wie vorhin. Schweigend. Nur Saphir hatte sich zum Glück ein wenig beruhigt. „Ich habe hunger“, flüsterte sie, drehte sich aber nicht um. Ihr Blick war weiterhin nach vorne gerichtet. „Warte hier auf mich, ich komme gleich wieder“, erwiderte ich und richtete mich vorsichtig auf. Ich verwandelte mich in meine gewohnte tiegerische Gestalt, aber kurz bevor ich das Versteck verließ schaute ich nochmal zu Saphir. Ein kurzes Nicken von mir, ein lächelndes Kopfschütteln von Saphir. Was sie wohl grade denkt? Mit einem Satz sprang ich hinaus und landete im Wasser. So schnell ich konnte schwamm ich an Land und schüttelte erst die Wassertropfen ab, bevor ich weiter rannte. Kurz bevor ich am Stamm ankam, begegnete ich Mila. Sie nickte mir nur zu und rannte an mir vorbei. Das kam mir ein wenig komisch vor, deshalb legte ich einen Zahn zu, um mit Mila Schritt zu halten, aber trotzdem war sie schneller als ich. Als ich nun auch endlich angekommen war, sah ich zu aller erst die tote Gazelle. Geruch von frischem rohen Fleisch stieg mir in meine Nase und mein Magen begann zu knurren. Sofort riss ich mir erst ein Stück, dann noch ein zweites, größeres für Saphir, welches ich allerdings versteckte. Nachdem ich mein Stück gefressen hatte, nahm ich Saphirs und wollte grade los, als meine Mutter mit Mila durch den Stamm liefen bis hin zu Nero, der auf einem umgekippten Baumstamm und der Sonne lag. Sofort sprang er auf und nickte. „Alle mal her gehört“, rief Nero mit seiner tiefen und grolligen Stimme in die Runde und sofort hatte er die ganze Aufmerksamkeit seines Stammes. Sogar meine. „Scarlett und Nico vermissen ihre Tochter, Saphir! Hat sie jemand von euch gesehen oder etwas von ihr gehört?“, fragte er ernst und lies seinen Blick durch die ganze Runde schweifen. Getuschel neben und hinter mir war zu hören. Unauffällig ging ich einen Schritt zurück und schaute die anderen an. „Wenn keiner weiß wo sie ist, dann begeben wir uns jetzt auf die Suche! Es ist wirklich wichtig sie zu finden, bevor sie in die falschen Hände gerät, ihr wisst wen ich meine. Wer ist dabei?“ Ich sah wie Kairo und Onyx sich direkt zu Nero stellten und in die Runde schauten. Chaisen, Blaise und Elisa schlossen sich noch an und Nero nickte. Er fing an Gruppen zu bilden und schickte alle los. Er selbst ging mit Chayenne, meiner Mutter, während Mila zurück zu ihrem Stamm ging. Meine Geschwister hüpften aufgeregt hin und her. „Wir suchen sie hier im Dschungel!“, sagte Malou und lief los, Kaito folgte ihr. „Ich suche sie auch“, sagte ich zu Laria und Maya, welche Zuhause blieben. Sofort nahm ich das Fleisch und schlich mich zu Saphir, was garnicht so einfach war, wenn vor und hinter dir Tiger rumliefen, die sie suchten. So schnell ich konnte sprang ich durch den Wasserstrahl und ließ das Fleisch fallen. Mit einer eleganten Bewegung wurde ich Mensch und deutete ihr, dass das Essen fertig sei. Oder zumindest das, was man als Fertig ansehen konnte. „Was ist los mit dir?“, fragte sie mich und runzelte die Stirn. „Saphir, alle suchen dich da draußen! Du kannst hier nicht mehr lange bleiben..“, sagte ich und atmete aus. Ihr Blick erstarrte. „Ich will nicht zurück. Nicht jetzt. Nicht morgen und auch nicht in naher Zukunft!“, rief sie und schüttelte den Kopf. „Beruhig dich, wir finden ein anderes Versteck. Aber ess erstmal. Dannach gehen wir“, sagte ich und sie nickte. Jetzt nur noch die Frage wo wir hin sollten.. Im Dschungel konnten wir nicht bleiben und dort draußen war ich noch nie. Das sind schonmal gute Aussichten.., dachte ich ironisch und wusste selbst nicht mehr weiter, was ich mir aber nicht anmerken lassen durfte. Nicht vor Saphir denn ich musste sie nun beschützen.  

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