SAPHIR
Ich wachte unter dem tosendem Rauschen
des Wasserfalls auf. Müde rieb ich mir die Augen und schaute mich
um. Moment mal. Ich bin immer noch ein Mensch? Was ist passiert?
Ich lag in einer Höhle hinter
einem Wasserfall. Wie bin ich hierher gekommen? Ich
versuchte mich zu erinnern, doch komischerweise war alles weg.
Plötzlich hörte ich eine Stimme in meinem Kopf, sie sagte: „Bleib
hier und warte bis ich komme.“ Sie kam mir so vertraut vor, also
wartete ich. Sofort schossen mir die Erinnerungen in den Kopf – von
Lian und Aya. Und dem Blitz sowie von dem umstürzendem Baum. Hatte
ich das getan? Nein, unmöglich! Es war nicht meine Schuld!
Und trotz dieser Gedanken kamen mir wieder Tränen in die Augen. Wie
lange hatte ich überhaupt geschlafen?
Plötzlich sprang ein Junge durch den Wasserfall und kam zu mir. Er
setzte sich mir gegenüber und musterte mich. Ich krabbelte langsam
zur Höhlenwand und presste mich aus Angst dagegen. Wer ist
er? Wieso sind Menschen im Dschungel? „Du
siehst besser aus“, sagte er. Ich musterte ihn. Er hatte schwarzes
Haar, eine Strubelfrisur und war von Körper her gut gebaut. Er trug
eine Jeans und ein schwarzes T-Shirt. „Wer bist du?“, fragte ich.
Er überlegte eine Weile, antwortete dann: „Kannst du dich an etwas
erinnern?“, „Nein“, gab ich zurück und er fing an zufrieden zu
lächeln. „Wer bist du?“, fragte ich erneut. „Shino“, sagte
er und suchte meinen Blick. Shino! Was macht er den hier?
Wie komme ich hier her? Verdammt, was ist hier los? „Wie
bin ich hierher gekommen?“, „Ich hab dich hierher geführt“,
„Und wieso kann ich mich an nichts mehr erinnern?“, auf diese
Frage hin überlegte er sehr lange. „Das weiß ich nicht, du warst
in einem schlechten Zustand. Du hast geweint und warst völlig
aufgelöst. Kannst du mir sagen was los war?“. Er schaute mich
mitfühlend an. Kann ich es ihm sagen? Es ist ziemlich
privat und ich möchte niemandem vertrauen. Ich hab das Gefühl, dass
jeder mein Vertrauen missbraucht... „Es
ist nichts. Zum mindestens nichts was ich dir sagen möchte...“,
ich wand meinen Blick ab. Ich spürte Shinos Blick auf mir. Langsam
streckte er die Hand aus, nahm mein Gesicht in seine Hände und
drehte ihn zu sich damit ich ihn ansah. Ich wollte weggucken, doch
seine fast schwarzen Augen hielten meinen Blick gefangen. „Du
kannst mir vertrauen. Sag, was ist passiert?“. Plötzlich stiegen
mir Tränen in die Augen und ich flüsterte: „Lian hat mich mit Aya
betrogen“, während ich anfing zu weinen.
SCARLETT
„Wo
ist sie? Nico, sag mir wo sie ist!“, schrie ich Nico an. Er sah
mich mitfühlend an und schmiegte sich an mich. „Saphir ist ein
kluges Mädchen, es wird ihr gut gehen. Sie braucht ein bisschen
Freiraum, wir wissen doch wie das so ist. Sie kommt zurück, mein
Schatz. Vertrau mir“, flüsterte er. Saphir war nun seit zwei Tagen
verschwunden. Ich sah Nico an und nickte unter Tränen. Sie
war noch nie allein so lange weg! Was ist, wenn ihr etwas passiert
ist? Mila kam angelaufen und
fragte vorsichtig: „Wenn ihr wollt, kann ich Neros Stamm fragen ob
sie sie gesehen haben. Keine Sorge Scarlett, sie kommt bestimmt
wieder.“ „Ja, bitte frag Neros Stamm“, sagte Nico ohne den
Blick von mir abzuwenden. Sofort lief Mila wieder los. Ich blickte
mich um und entdeckte Lian. Er saß zusammen mit Aya unter einem
Baum. Aya hatte ihr linkes Hinterbein noch immer unter Blättern
gelegt, wie Mila ihr befohlen hatte. Schließlich hatte sie sich ihr
Hinterbein verstaucht. Sie sagte, es sei passiert als sie rumgetobt
hätten. Aber nach den traurigen Blicken die sie und Lian sich
zu warfen, traute ich ihnen nicht. Es konnte ja auch daran liegen,
dass sie traurig wegen Saphirs Verschwinden waren, jedoch lag da noch
etwas anderes in ihrem Blick. Haben sie etwas mit Saphirs
Verschwinden zu tun? Sie
verhielten sich seit diesen zwei Tagen sehr unauffällig, schauten
aber immer traurig und wie ich das sah – schuldig. Aber ich konnte
ihnen nichts vorwerfen, schließlich hab ich keine Beweise und ich
konnte das Felicitas und Mila nicht antun. Aber ich schwöre
bei Gott, wenn Saphir wegen ihnen etwas zugestoßen ist, werden sie
dafür büßen! Traurig
kuschelte ich mich an Nico und betete dafür, dass es meiner Kleinen
gut ging.
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