Freitag, 28. Juni 2013

(2) KAPITEL 7

SAPHIR

Ich wachte unter dem tosendem Rauschen des Wasserfalls auf. Müde rieb ich mir die Augen und schaute mich um. Moment mal. Ich bin immer noch ein Mensch? Was ist passiert? Ich lag in einer Höhle hinter einem Wasserfall. Wie bin ich hierher gekommen? Ich versuchte mich zu erinnern, doch komischerweise war alles weg. Plötzlich hörte ich eine Stimme in meinem Kopf, sie sagte: „Bleib hier und warte bis ich komme.“ Sie kam mir so vertraut vor, also wartete ich. Sofort schossen mir die Erinnerungen in den Kopf – von Lian und Aya. Und dem Blitz sowie von dem umstürzendem Baum. Hatte ich das getan? Nein, unmöglich! Es war nicht meine Schuld! Und trotz dieser Gedanken kamen mir wieder Tränen in die Augen. Wie lange hatte ich überhaupt geschlafen? Plötzlich sprang ein Junge durch den Wasserfall und kam zu mir. Er setzte sich mir gegenüber und musterte mich. Ich krabbelte langsam zur Höhlenwand und presste mich aus Angst dagegen. Wer ist er? Wieso sind Menschen im Dschungel? „Du siehst besser aus“, sagte er. Ich musterte ihn. Er hatte schwarzes Haar, eine Strubelfrisur und war von Körper her gut gebaut. Er trug eine Jeans und ein schwarzes T-Shirt. „Wer bist du?“, fragte ich. Er überlegte eine Weile, antwortete dann: „Kannst du dich an etwas erinnern?“, „Nein“, gab ich zurück und er fing an zufrieden zu lächeln. „Wer bist du?“, fragte ich erneut. „Shino“, sagte er und suchte meinen Blick. Shino! Was macht er den hier? Wie komme ich hier her? Verdammt, was ist hier los? „Wie bin ich hierher gekommen?“, „Ich hab dich hierher geführt“, „Und wieso kann ich mich an nichts mehr erinnern?“, auf diese Frage hin überlegte er sehr lange. „Das weiß ich nicht, du warst in einem schlechten Zustand. Du hast geweint und warst völlig aufgelöst. Kannst du mir sagen was los war?“. Er schaute mich mitfühlend an. Kann ich es ihm sagen? Es ist ziemlich privat und ich möchte niemandem vertrauen. Ich hab das Gefühl, dass jeder mein Vertrauen missbraucht... „Es ist nichts. Zum mindestens nichts was ich dir sagen möchte...“, ich wand meinen Blick ab. Ich spürte Shinos Blick auf mir. Langsam streckte er die Hand aus, nahm mein Gesicht in seine Hände und drehte ihn zu sich damit ich ihn ansah. Ich wollte weggucken, doch seine fast schwarzen Augen hielten meinen Blick gefangen. „Du kannst mir vertrauen. Sag, was ist passiert?“. Plötzlich stiegen mir Tränen in die Augen und ich flüsterte: „Lian hat mich mit Aya betrogen“, während ich anfing zu weinen.


SCARLETT

„Wo ist sie? Nico, sag mir wo sie ist!“, schrie ich Nico an. Er sah mich mitfühlend an und schmiegte sich an mich. „Saphir ist ein kluges Mädchen, es wird ihr gut gehen. Sie braucht ein bisschen Freiraum, wir wissen doch wie das so ist. Sie kommt zurück, mein Schatz. Vertrau mir“, flüsterte er. Saphir war nun seit zwei Tagen verschwunden. Ich sah Nico an und nickte unter Tränen. Sie war noch nie allein so lange weg! Was ist, wenn ihr etwas passiert ist? Mila kam angelaufen und fragte vorsichtig: „Wenn ihr wollt, kann ich Neros Stamm fragen ob sie sie gesehen haben. Keine Sorge Scarlett, sie kommt bestimmt wieder.“ „Ja, bitte frag Neros Stamm“, sagte Nico ohne den Blick von mir abzuwenden. Sofort lief Mila wieder los. Ich blickte mich um und entdeckte Lian. Er saß zusammen mit Aya unter einem Baum. Aya hatte ihr linkes Hinterbein noch immer unter Blättern gelegt, wie Mila ihr befohlen hatte. Schließlich hatte sie sich ihr Hinterbein verstaucht. Sie sagte, es sei passiert als sie rumgetobt hätten. Aber nach den traurigen Blicken die sie und Lian sich zu warfen, traute ich ihnen nicht. Es konnte ja auch daran liegen, dass sie traurig wegen Saphirs Verschwinden waren, jedoch lag da noch etwas anderes in ihrem Blick. Haben sie etwas mit Saphirs Verschwinden zu tun? Sie verhielten sich seit diesen zwei Tagen sehr unauffällig, schauten aber immer traurig und wie ich das sah – schuldig. Aber ich konnte ihnen nichts vorwerfen, schließlich hab ich keine Beweise und ich konnte das Felicitas und Mila nicht antun. Aber ich schwöre bei Gott, wenn Saphir wegen ihnen etwas zugestoßen ist, werden sie dafür büßen! Traurig kuschelte ich mich an Nico und betete dafür, dass es meiner Kleinen gut ging.

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