Freitag, 14. Juni 2013

(2) KAPITEL 1 [Anfang des zweiten Buches]

SAPHIR

„Saphir!“, rief mich Lura. Sie war eine der Zwillingstöchter von Mila und Silas. Lura und ihre Schwester Aya hatten hell-dunkeles Fell und schöne braune Augen. Aya war im großen und ganzen ganz lieb, jedoch war sie auch oft zickig. Lura war nicht anders. Sie waren halt typische Zwillinge – leicht zu verwechseln. Man konnte sie eine Weile lang ertragen, aber mit der Zeit werden sie schon ziemlich nervig. Ich sprang zu ihr und wir liefen zum Rudel zurück. Während sie sich zu ihrer Schwester und ihren Eltern gesellte, ging ich zu unserer Höhle und ließ mich davor nieder. Ich ließ meinen Blick über das Rudel schweifen. Lucien lag wie gewöhnlich auf dem höchsten Platz und neben ihm lag seine Gefährtin, Felicitas. Unter einem großen schattigen Baum entdeckte ich ein paar Tigerinnen und am Rand des Platzes sah ich Lian, der Sohn von Lucien und Felicitas. Lian war eigentlich ganz nett, jedoch erschien er mir ein bisschen arrogant. Die Zwillinge, Ich und Lian waren die einzigen Jugendlichen im Rudel. Aya, Lura und Ich waren 14 und Lian war 15. Wenn eine Tigerin 14 Jahre alt wird, erfährt sie wem sie versprochen werden sollte. Ich wurde – zu meinem Leid – Lian versprochen. Er sah gut aus und war auch der totale Mädchenschwarm, jedoch fand ich ihn einfach zu eingebildet. Lura und Aya finden ihm im Gegensatz zu mir total toll. Aber ich musste mich damit zurechtfinden, dass Lian mir nunmal versprochen war. Tiger können ihre zukünftige 'Ehe' nur dann lösen, wenn der Partner stirbt. Nur mein Vater konnte sich von seiner eigentlichen Gefährtin – Mila – trennen. Mila liebte jemand anderes und Nico auch. Jedenfalls waren Aya und Lura noch niemandem versprochen, da es hier im Rudel keinen für sie gab. Mila und Silas überlegten sie zwei Tigern aus einem unserer befreundeten Stämme zu versprechen. Es gab insgesamt an die fünf Stämme. Zwei von diesen liegen in unserer Nähe, die anderen zwei liegen jedoch weit weg. Wir (Luciens Rudel) waren mit Neros Rudel befreundet. Aber mit Masons Rudel waren wir total verfeindet. Wieso wusste ich nicht. Jedes Rudel hat auch seine eigenen Fähigkeiten, zumindest Manche aus einem Rudel. In unserem Rudel hatten Nico, Lucien und Silas die Fähigkeit des Feuers. Wir jungen Tiger müssen selbst herausfinden, ob wir eine Fähigkeit besitzen. Dies erfährt man meistens durch Zufall. Wenn ja kann man diese ausprägen und anfangen zu beherrschen. Ich wusste nur, dass Masons Rudel die Fähigkeit hat, jemanden zu betäuben. Was die anderen können wusste ich nicht. Ich selber wünschte mir auch, dass ich die Fähigkeit des Feuers von meinem Vater geerbt hätte.
„Na meine Süße. Ist alles in Ordnung?“, fragte mich Scarlett, meine Mutter. Sie ließ sich neben mir nieder und sah mich fragend an. Wir Tiger durften im Rudel nur in unserer tierischen Gestalt herumlaufen. Menschen waren verboten. Die Tiger in unserem Rudel waren alle größtenteils dunkel, außer Mila. Sie war etwas heller, was ihre Töchter teils auch geerbt hatten. Auch meine Mutter war besonders. Sie hatte mir ihre Geschichte erzählt, in der sie sich von einem gewöhnlichen Menschen in einen Tiger verwandeln wollte, nur um mit Nico – meinem Vater – zusammen sein zu können. Dabei ist ein Teil in ihr gestorben, welcher sich nun durch einen Tiger ersetzt hatte. Deshalb war sie eine wunderschöne, seltene weiße Tigerin. Ich hatte einen Teil davon geerbt, da mein Vater jedoch ein dunkler Tiger war, war ich eine hell silberne, nahezu weiße Tigerin mit saphirblauen Augen. Daher kam auch mein Name.
„Ja alles ist in Ordnung, Mutter“, antwortete ich ihr endlich. Sie sah mich skeptisch an, sagte jedoch nichts. Ich stand auf und lief zu Lian. Wenn ich schon mein ganzes Leben mit ihm verbringen muss, sollte ich mich doch wenigstens mit ihm vertragen. Immerhin bin ich ja quasi mit ihm zusammen, dachte ich und stupste ihn zur Begrüßung mit der Nase an. „Na meine Schönheit. Wie geht es dir?“, fragte er mich liebevoll. So schlimm ist er doch gar nicht, dachte ich aufmunternd und antwortete: „Mir geht es gut. Eigentlich wie immer.“
Nun kamen auch Aya und Lura angetapst und fragten Lian mit klimpernden Augen: „Na Lian? Wie geht es dir?“ „Ganz gut, und euch?“, fragte Lian und lächelte die Beiden an. „Hey, wisst ihr schon davon, dass ich auch das Feuer beherrsche?“, fragte Aya aufgeregt. Zum Beweis lies sie eine kleine Flamme mit viel Mühe im Gras brennen. Sie ging schnell wieder aus und Aya lächelte uns triumphierend an. Und das wars? Wenn ich das Feuer beherrschen könnte, wäre ich bestimmt viel mächtiger als sie!, dachte ich verächtlich. Ich erschrak über mich selbst das ich so von ihr dachte. Was ist nur los mit mir? Wahrscheinlich lag es einfach daran, dass die Beiden immer dann auftauchten, wenn ich Zeit mit Lian verbringen wollte. Oder vielleicht lag es auch daran, dass Lian Aya mit großen Augen anschaute. In ihnen lag ein bewunderndes Glänzen und noch etwas, was ich nicht einschätzen konnte. „Wow! Aya, das ist ja fantastisch!“, sagte Lian und lächelte sie wieder an. Aya kicherte und sie und Lura verschwanden wieder. Als sie so selbstgefällig davon trabten, hatte ich nur einen Gedanken. Irgendetwas ist doch falsch an denen!

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