SHINO
Was war das
denn eben? Entschuldige, aber deine Gedanken kann ich leider nicht
lesen. Saphir. Wieso distanzierst du dich so sehr? Alles was ich will
ist mit dir zu reden, dich kennen zu lernen. Ich
sah sie zurück zur Party gehen. Lura, welche sich immernoch an mich
kuschelte, schaute ihr ebenfalls hinterher. Was Lura wohl
denkt? Sie ist eifersüchtig, das ist nicht zu übersehen, nur
verstehe ich nicht warum? Wir haben nur geredet, noch nicht einmal,
wir standen lediglich nebeneinander. Was ist also ihr Problem? „Gehen
wir auch zurück?“, fragte sie leise, schaute mich aber nicht an.
„Geh schonmal, ich komme gleich nach“, erwiderte ich ihr und sie
nickte. Langsam tapste sie davon, drehte sich noch einmal zu mir um
und ging dann weiter. Nun war ich allein. Oder zumindest fast allein.
Es war zwar niemand hier, bei mir, aber ich konnte dennoch ihre
Stimmen hören. Das war zu viel, ich musste unbedingt hier weg. Ich
sprang über den Fluss und rannte so lange quer durch den Dschungel,
bis ich nichts mehr hörte. Stille drang in meine Ohren. Verwirrung
stieg in meinen Kopf. Müdigkeit fiel über mich. Was mache
ich hier eigentlich? Die ganze Zeit habe ich versucht zu verstehen, wo
das Problem der anderen liegt, aber das eigentliche Problem liegt
doch bei mir. Das Problem bin ich! Wieso renne ich weg? Vor wem?
Vorallem an meinem eigenem Verlobungstag. Lura ist ab heute meine
Verlobte. Aber kann ich sie wirklich meine Geliebte nennen?
Schließlich kenne ich sie erst seit Gestern, Lura ist mir eine
Fremde. Kann ich eine Fremde lieben? Nein, das kann ich nicht, aber
ich muss. Es ist meine Pflicht. Mir wird oft gesagt: „Zeit ist
alles.“ Bis heute weiß ich ehrlich gesagt nicht, was das bedeuten
soll, aber wenn ich das auf meine Situation beziehe, ergibt es einen
Sinn. Ich werde Lura lieben lernen, mit der Zeit, und heute ist der
Anfang! Mit diesem Gedanken
stand ich endlich auf und versuchte den Weg zurück zu finden, was
einfacher war, als anfangs gedacht. Den Rest des Abends hatte ich nur
noch Augen für Lura. Alles andere blendete ich automatisch aus, sie
war für heute die einzige für mich und das sollte sie sehen. Ich
fand heraus, dass rot ihre Lieblingsfarbe war. Lura war eine echte
Zicke und auch etwas dickköpfig. Na also, es fängt doch
schon super an! Lura ist ein tolles Mädchen, die ist mein Mädchen.,
dachte ich glücklich.
Zurück
zuhause legte ich mich auf meinen Lieblingsplatz. Es war mittlerweile
Nacht geworden und die Sterne funkelten. Einsamkeit schlich sich in
mich. Für diesen Moment hatte ich den ganzen Tag vergessen und
fühlte die Leere in mir, die ich immer fühlte. Ganz gleich was ich
versuchte, ich konnte diese Leere nie füllen. Es war als würdest du
auf einer langen Suche ohne Ziel herumirren und keiner konnte dir
helfen. Das Ziel sollte das Ende der Suche sein, aber wenn ich nicht
wusste wonach ich suchen musste, wie konnte ich das dann finden?
Schnell versuchte ich an Lura zu denken, an ihr schönes Fell, ihre
Augen. Einen Moment spürte ich innere Ruhe, welche aber nicht lange
anhielt. Ich suchte nach dem Grund und dachte an Saphir und an das,
was sie gesagt hatte. „Nein,
gar nicht. Ich wollte nur etwas trinken und bin Shino über den Weg
gelaufen“, hatte
sie gesagt. Es war nicht das was sie sagte, eher wie sie es sagte.
Die Art und Weise wie sie es betont hatte, verletzte mich. Saphir
hatte das so beiläufig und verachtend gesagt, dass es mich innerlich
aufwühlte. Es verpasste mir Wunden, welche brannten. Die Frage war
nur, wieso? Verdammt
wieso denk ich darüber nach? Alles was ich von Saphir will ist ihr
Vertrauen und ihre Freundschaft, denn im Moment kommt es mir vor als
wären wir Feinde.. Sollte ich vielleicht mal versuchen.. Nein! Daran
darf ich nicht denken! Das wäre unfair Saphir gegenüber, aber ich
würde endlich Antworten bekommen..
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