Freitag, 21. Juni 2013

(2) KAPITEL 4

SHINO

Was war das denn eben? Entschuldige, aber deine Gedanken kann ich leider nicht lesen. Saphir. Wieso distanzierst du dich so sehr? Alles was ich will ist mit dir zu reden, dich kennen zu lernen. Ich sah sie zurück zur Party gehen. Lura, welche sich immernoch an mich kuschelte, schaute ihr ebenfalls hinterher. Was Lura wohl denkt? Sie ist eifersüchtig, das ist nicht zu übersehen, nur verstehe ich nicht warum? Wir haben nur geredet, noch nicht einmal, wir standen lediglich nebeneinander. Was ist also ihr Problem? „Gehen wir auch zurück?“, fragte sie leise, schaute mich aber nicht an. „Geh schonmal, ich komme gleich nach“, erwiderte ich ihr und sie nickte. Langsam tapste sie davon, drehte sich noch einmal zu mir um und ging dann weiter. Nun war ich allein. Oder zumindest fast allein. Es war zwar niemand hier, bei mir, aber ich konnte dennoch ihre Stimmen hören. Das war zu viel, ich musste unbedingt hier weg. Ich sprang über den Fluss und rannte so lange quer durch den Dschungel, bis ich nichts mehr hörte. Stille drang in meine Ohren. Verwirrung stieg in meinen Kopf. Müdigkeit fiel über mich. Was mache ich hier eigentlich? Die ganze Zeit habe ich versucht zu verstehen, wo das Problem der anderen liegt, aber das eigentliche Problem liegt doch bei mir. Das Problem bin ich! Wieso renne ich weg? Vor wem? Vorallem an meinem eigenem Verlobungstag. Lura ist ab heute meine Verlobte. Aber kann ich sie wirklich meine Geliebte nennen? Schließlich kenne ich sie erst seit Gestern, Lura ist mir eine Fremde. Kann ich eine Fremde lieben? Nein, das kann ich nicht, aber ich muss. Es ist meine Pflicht. Mir wird oft gesagt: „Zeit ist alles.“ Bis heute weiß ich ehrlich gesagt nicht, was das bedeuten soll, aber wenn ich das auf meine Situation beziehe, ergibt es einen Sinn. Ich werde Lura lieben lernen, mit der Zeit, und heute ist der Anfang! Mit diesem Gedanken stand ich endlich auf und versuchte den Weg zurück zu finden, was einfacher war, als anfangs gedacht. Den Rest des Abends hatte ich nur noch Augen für Lura. Alles andere blendete ich automatisch aus, sie war für heute die einzige für mich und das sollte sie sehen. Ich fand heraus, dass rot ihre Lieblingsfarbe war. Lura war eine echte Zicke und auch etwas dickköpfig. Na also, es fängt doch schon super an! Lura ist ein tolles Mädchen, die ist mein Mädchen., dachte ich glücklich.


Zurück zuhause legte ich mich auf meinen Lieblingsplatz. Es war mittlerweile Nacht geworden und die Sterne funkelten. Einsamkeit schlich sich in mich. Für diesen Moment hatte ich den ganzen Tag vergessen und fühlte die Leere in mir, die ich immer fühlte. Ganz gleich was ich versuchte, ich konnte diese Leere nie füllen. Es war als würdest du auf einer langen Suche ohne Ziel herumirren und keiner konnte dir helfen. Das Ziel sollte das Ende der Suche sein, aber wenn ich nicht wusste wonach ich suchen musste, wie konnte ich das dann finden? Schnell versuchte ich an Lura zu denken, an ihr schönes Fell, ihre Augen. Einen Moment spürte ich innere Ruhe, welche aber nicht lange anhielt. Ich suchte nach dem Grund und dachte an Saphir und an das, was sie gesagt hatte. Nein, gar nicht. Ich wollte nur etwas trinken und bin Shino über den Weg gelaufen“, hatte sie gesagt. Es war nicht das was sie sagte, eher wie sie es sagte. Die Art und Weise wie sie es betont hatte, verletzte mich. Saphir hatte das so beiläufig und verachtend gesagt, dass es mich innerlich aufwühlte. Es verpasste mir Wunden, welche brannten. Die Frage war nur, wieso? Verdammt wieso denk ich darüber nach? Alles was ich von Saphir will ist ihr Vertrauen und ihre Freundschaft, denn im Moment kommt es mir vor als wären wir Feinde.. Sollte ich vielleicht mal versuchen.. Nein! Daran darf ich nicht denken! Das wäre unfair Saphir gegenüber, aber ich würde endlich Antworten bekommen..
 

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