SCARLETT
Nachdem Nico weggegangen war, ging ich zu Lucien. „Ich hab gehört, dass du denkst bereit zu sein“, begrüßte mich Lucien in seiner menschlichen Gestalt. „Du hast richtig gehört. Ich will es hinter mich bringen und endlich ein Teil von euch sein“, antwortete ich ihm. „Glaube mir... Du bist schon ein Teil von uns“, sagte er kaum hörbar. Er musterte mich und ich starrte zu Boden. Wo bleibt Nico nur? Plötzlich hörte ich irgendwo ein Schreien. Ich wusste nicht woher es kam oder vom wem es kam, jedoch jagte es mir einen Schauer über den Rücken. Wieder hörten wir Tigergebrüll und ich drehte mich schlagartig um. Ich sah fünf große Tiger, welche ins Dorf traten. Alle Mütter brachten ihr Kinder in Sicherheit und Lucien stellte sich beschützend vor mich. Auch alle Krieger kamen und stellten sich in Position. Der Größte von ihnen brüllte lauthals und stürzte auf mich. Lucien verwandelte sich rasch und sprang gegen ihn. Sie rollten zur Seite und kämpften um Leben und Tod. Nun bemerkte ich auch, dass alle anderen angefangen hatten zu kämpfen. Ein großer brauner Tiger kam auf mich zu und knurrte kampflustig. Bin ich wirklich bereit? Verdammt – ja!, dachte ich und begab mich in eine Angriffsposition. Aus dem Blickwinkel endeckte ich Nico am Rand welcher auf mich zu stürzte. Ich war abgelenkt, so konnte der große Tiger auf mich springen und mir seine Krallen in die Schultern graben. Ich schrie auf, trat ihm hart in den Magen und rollte weg. Hastig stellte ich mich wieder auf und blickte ihn an. Er war wütender als zuvor. Er sprang – ich duckte mich. Als er über mir war, schlug ich ihn erneut in den Magen und er landete unsanft auf den Boden. Sofort machte ich mir das zum Nutzen und sprang auf ihn. Nico war nun bei uns angelangt und wollte mir helfen, jedoch schrie ich schnell: „Das ist Meiner!“
Blitzschnell
schoss meine Hand zu der Kehle des Tigers und drückte. Man hörte
nur noch ein Knacken und der Tiger begann Blut zu spucken. Nach ein
paar Minuten erstickte er an seinem eigenen Blut und blieb regungslos
liegen. Als die anderen Tiger sahen, was ich mit ihm gemacht hatte,
machten sie sich aus dem Staub. Lucien nahm seinen Platz ein und
schaute in die Runde. Ich zog den schlaffen Körper zu ihm und legte
ihn ab. Lucien sah mich erstaunt an und nickte. „Darf ich bitte in
deinem Rudel als vollwertiger Tiger eintreten?“, fragte ich ohne zu
Zögern. Ich hatte die Worte oft geübt, sodass ich sie nun auswendig
konnte. Lucien schaute mir tief in die Augen und sagte mit fester
Stimme: „Ja, das darfst du, Scarlett.“
Ich
hatte erwartet, dass sich plötzlich irgendwas in mir regen würde
oder so, jedoch geschah nichts. Alle sahen mich erstaunt an und
schwiegen. Erwarten
die jetzt das ich Feuer spucke oder was?,
dachte ich gereizt. Wieso
funktionierte das nicht? War es doch nur eine Legende?,
dachte ich traurig. Dann fiel mein Blick auf den regungslosen Körper
vor mir. Er ist
doch tot!
Ich
beugte mich vor und schaute mir seine Kehle an. Es sah ekelhaft aus.
Ein Gemisch aus Fleisch, Blut und Knochen. Plötzlich zuckte der
Tiger zusammen und mit letzter Kraft schoss seine Pfote nach vorn und
schlitzte meine Kehle auf. Sofort zuckte meine Hand zu meiner nun
blutenden Kehle und alles begann Schwarz zu werden. Ich taumelte
rückwärts, fiel hin und hörte nur noch Lucien und Nico
gleichzeitig: „Scarlett! Nein!“,
schreien, ehe ich an meinem eigenen Blut erstickte...
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