Freitag, 26. April 2013

KAPITEL 10

NICO

Ich glaub das einfach nicht! Na warte Mädchen, wenn ich dich gleich sehe wird hier die Hölle los sein! Wut stieg in mir auf. So schnell ich nur konnte sprintete ich zum Rudel, wo ich Mila fand. Feindselig knurrte ich sie an und sie schrack zurück. Mit großen Augen schaute sie mich an. Ich sah Furcht. Was sah sie in mir, dass sie so große Angst hatte? Ich deutete ihr mit mir zu kommen und wir verließen den Dschungel. Am Flussufer blieben wir dann stehen und ich umkreiste sie. Mila nahm ihre Menschliche Gestalt an und fiel vor mir zu Boden. Sanft versuchte sie mir über mein borstiges Fell zu streicheln, doch ich gab ein so bedrohliches Knurren von mir, dass sie zusammenzuckte. Auch ich wurde nun Mensch und wollte schon auf sie los gehen, doch stattdessen kickte ich nur ein paar Steine weg und fuhr mir durch meine Haare.
„Mila, was verdammt hast du dir nur dabei gedacht?!“, schrie ich sie an und sie machte einen Schritt zurück. „Was sollte ich denn sonst noch machen?“, sagte sie unter Tränen. „Ich liebe dich Nico! Du bist mein Verlobter! Denkst du es ist leicht für mich zu sehen, wie ein anderes Mädchen sich an dich ran schmeißt?“, sagte sie weinend und ich konnte sehen, wie schwer es ihr fiel das zu sagen. „Aber deshalb musst du sie ja nicht gleich umbringen!“, schrie ich sie erneut an und stand immer noch unter Schock. „Das hätte ich dir niemals zugetraut Mila“, sagte ich nun etwas ruhiger und mit ernster Miene. Sie versuchte ihre Tränen zu unterdrücken, was ihr aber nicht gelang.
„Es ist aus, Mila. Hörst du? Es ist aus mit uns“, fuhr ich fort und sie starrte mich an. Ich sah, wie ein stechender Schmerz durch sie hindurch drang und sie starrte mich erschrocken an. „Was?“, fragte sie mit piepsender Stimme, in der Hoffnung, ich würde meine Meinung ändern. „Aber..“, erneut liefen ihr Tränen die Wangen runter. „Nein Mila, und schau mich nicht so an. Das was du getan hast kann ich dir einfach nicht verzeihen. Ich liebe Scarlett, nicht dich“, sagte ich kalt und sah, wie Mila weinend zusammenbrach. Eine Weile blieb ich so stehen und schwieg, während Mila Stück für Stück zerbrach. „Wieso? Nico, sag mir wieso?“, brach sie das Schweigen und schaute mich mit ihren verheulten Augen an. Darauf hatte ich keine Antwort. „Wieso?“, fragte sie etwas lauter. Wie gelähmt starrte ich sie an. „Wieso?“, wiederholte sie mit kräftiger Stimme. In diesem Moment kam ein weiterer Tiger, welcher mich bedrohlich an knurrte. Es war Silas, mein Kumpel. Aber er war nicht auf meiner Seite, sondern auf Milas. Ich hatte keine Angst vor Silas, auch nicht, wenn er mir als Tiger überlegener war. Böse funkelte ich ihn an und er legte sich schützend vor Mila, welche immer noch in Tränen versank. Mila fasste Silas vorsichtig ans Fell, wahrscheinlich aus Angst, dass er sie doch noch jeden Moment umdrehen und beißen würde. Doch das tat er nicht. Ruhig blieb er liegen und schaute sie an. Ihr Blick war leer. Als sie mich wieder anschaute und ich sie, fing Silas an zu knurren. Ich verstand, ich war hier nicht erwünscht, also drehte ich mich um und ging.
Doch kaum hatte ich ein paar Schritte gemacht, stand auch Mila auf.
„Nico!“, rief sie. Mittlerweile hatte sie sich etwas beruhigt, ihre Stimme klang laut und ausdruckslos. „Lass gut sein Mila“, sagte ich mit einem kurzen Blick zurück und ging weiter. „Du kannst mich nicht verlassen! Wir sind verlobt, weißt du noch?“, sagte sie siegesicher, doch ich ließ mich nicht davon beeindrucken. „Na und? Wie willst du mich davon abhalten mich von dir zu trennen?“, konterte ich und drehte mich um. Kurz standen wir uns so gegenüber. Zwischen uns befand sich eine große Lücke. Es war aber nicht nur Distanz, sondern auch Sicherheit.
„Ich gehe zu Lucien“, sagte sie nun und ihre Stimme zitterte erneut. Silas schreckte auf und starrte sie durchdringend an. Ich sah wie eine Schockwelle durch ihren Körper floss. Anscheinend konnte sie es selbst nicht glauben was sie da eben gesagt hatte. „Das wagst du nicht“, sagte ich nun etwas erschrocken. Kurz zuckten ihre Mundwinkel nach oben. Nein, ich darf ihr nicht zeigen, dass ich Angst hatte, denn Lucien konnte grausam sein.. Ich schüttelte nur den Kopf und ging.

Am späten Nachmittag hatte sich Milas Drohung erfüllt. Als ich zurück in Richtung Dschungel trottete, erwartete mich Lucien bereits – als Mensch. Er wirkte zornig und sein Blick tötend. Weiter hinten sah ich Felicitas, die vorsichtig aus dem Gebüsch hervor lugte.
Wo warst du?“, fragte er und verschränkte seine Arme vor der Brust. Ich blieb stehen. Sie hatte es also doch getan, dachte ich und konnte es nicht glauben. „Wo warst du?!“, seine Stimme überschlug sich und ich zuckte zusammen. „Weißt du worauf du dich da grade einlässt?“, fragte er mich und machte einen Schritt auf mich zu. „Ich frage dich nur ein einziges mal. Stimmt das was Mila mir eben berichtet hatte?“, fragte er eindringlich. „Ja“, sagte ich und nickte zur Bekräftigung meiner Aussage. Wenn ich mich nicht Irrte, sah ich kurz etwas in seinen Augen aufblitzen, es sah aus wie Feuer. „Noch nie hat jemand sich gewagt, dem Gesetz zu wiedersetzten!“, sagte er aufgebracht. „Dann wurde es langsam mal Zeit!“ Ich musste schlucken. Hatte ich das eben wirklich zu Lucien gesagt? Er war sprachlos. „Deine Gesetzte kannst du dir sonst wohin stecken!“, schrie ich ihn an und es fühlte sich gut an. Auch wenn ich grade angst um mein Leben hatte, tat es gut. Luciens Gesicht lief rot vor Wut an und er war kurz vorm losschreien. Als sich sein schreien in ein lautes, furchterregendes Brüllen verwandelte, fing auch ich an zu brüllen. Er fletschte seine scharfen Zähne und wir umkreisten uns gegenseitig, ohne den Blick voneinander abzuwenden. Ich begann ein knurren von mir zu geben und er erwiderte es. Scheiße, was mache ich hier?, dachte ich und versuchte meine Angst zu unterdrücken.
Lucien musste meine Angst spüren, denn sein grollen wurde lauter und sein Blick giftiger. Plötzlich sprang er mich an und ich dachte er will mich umbringen. Rasch sprang ich auf Seite und konnte so verhindern, dass er mir ins Genick biss. Erneut versuchte er sich auf mich zu stürzen, aber mir gelang es ihn abzurollen und bekam nur ein paar Kratzer ab. Ich ahnte schon, er würde nicht eher aufhören zu kämpfen, bis einer von uns – also ich – am Boden lag. Eigentlich war Lucien ja ein netter Kerl, aber auch sehr aggressiv. Wenn ich schon sterbe, dann wenigsten erst wenn ich alles versucht habe, versuchte ich mir einzureden und baute mich bedrohlich vor Lucien auf. Dann überrannte ich ihn und meine scharfen Krallen verfingen sich in seinem Vorderbein. Nach ein paar Sekunden stand ich wieder gerade und Lucien versuchte sich ebenfalls aufzurappeln. Offensichtlich hatte ich ihm eine tiefe Wunde verpasst, denn diese fing an zu bluten und Lucien konnte nicht mehr richtig auftreten. Ehe er mich wieder angreifen konnte, sprang Felicitas zwischen uns und genau das war meine Möglichkeit zu fliehen.
Ich hörte noch wie Sie brüllte und ich blieb stehen. „Kommst du wieder?“, fragte sie. „Ich weiß es nicht“, sagte ich und lief weiter.

2 Kommentare:

  1. Wann schreibt ihr weiter? Meeega spannend :D echt toll geschrieben

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  2. Wir schreiben Heute um 21 Uhr weiter. (: Steht auf in Info. & Vielen Dank von uns beiden :D

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