NICO
„Da ist jemand für dich“, sagte Scarlett und zeigte auf Silas,
welcher mir einen bösen Blick zuwarf. Sofort verzog ich mein Gesicht
und wurde mir meiner Schuld bewusst. Ich war diese Nacht nicht im
Dorf gewesen, keiner wusste wo ich war. Stattdessen war ich bei
Scarlett. Ob Lucien das mitbekommen hatte? „Ich denke ich
muss gehen“, sagte ich und umarmte Scarlett. „Wenn etwas ist, du
kannst dich immer bei mir melden!“, murmelte ich in ihr Ohr und
drückte sie kurz näher an mich. Es tat so gut sie in meinen Armen
zu haben, sie bei mir zu spüren – auch für nur eine Sekunde. Am
liebsten würde ich jetzt bei ihr bleiben, aber das geht ja nicht.
Silas war sauer- und das zu Recht. Bevor er mich aus dem Bungalow
zerrte, schaute ich Scarlett noch einmal ganz genau an und lächelte.
Ich zog die Tür hinter mir zu und Silas zerrte mich noch ein paar
Meter weiter, bevor er sich an mich wandte. „Du kannst dir garnicht
vorstellen wie viel Glück du hast, dass ich dich noch vor Lucien
gefunden habe!“, er blieb stehen und schubste mich auf Seite. „Was hast du dir
eigentlich dabei Gedacht?“, fuhr er mich an. „Scar brauchte
mich!“, antwortete ich und er blieb stehen und starrte mich
durchdringend an. Ich sah ein funkeln in seinen Augen, das selbe
funkeln, welches Leon zu sehen bekam. Und auch wenn ich wusste dass
ich stärker war als Silas, hatte ich dennoch großen Respekt vor
ihm.
„Hast du eigentlich eine Ahnung wie es Mila grad geht? Oder
vorallem wie es ihr gehen wird wenn sie erfährt, dass du bei einem
fremden Mädchen geschlafen hast?!“ Ich versuchte seinem Blick
stand zu halten. „Oder Ariane? Du bist alles was sie noch hat! Sie
dachte du wärst tot!“
Das war zu viel. Ich wendete meinen Blick ab und starrte auf den
Boden. Wut stieg in mir auf. Was wisst ihr denn schon? Wieso
sollte ich an die anderen denken, wenn keiner an mich denkt. Wieso
fragt keiner was ICH will? Ich hielt es einfach nicht mehr aus.
„Du verstehst das einfach nicht. Ihr alle versteht es nicht!“,
schrie ich ihn an, kickte einen Stein weg und fiel zu Boden.
So schnell ich konnte rannte ich - und ich rannte wirklich schnell.
Aber das war mir immernoch zu langsam.
Als ich dachte ich sei weit genug gerannt, ließ mein Tempo ab und
ich schmiss mich ins trockene Savannengras. Die Sonne schien mitten
in mein Gesicht und ich brüllte so laut ich konnte, was ein Fehler
war. Ich sah Gazellen an mir vorbei hüpfen, und verschreckte Vögel
auffliegen.
Ein Schuss war zu hören. Und es knallte noch einmal und nocheinmal.
Anscheinend waren Wilderer auf der Suche nach Beute. Scheiße.
Wenn die mich jetzt sehen, bin ich tot. Panik stieg in mir auf.
Neben mir raschelte etwas, ich hielt meinen Atem an und lauschte.
„Hey Joe, da vorne hat sich etwas bewegt!“, sagte der eine zum
anderem und ich hörte Schriite auf mich zu kommen. Ein Gewehr wurde
entsichert und die Schritte wurden langsamer, vorsichtiger.
Ich traute mich gar nicht mehr zu Atmen. Plötzlich rannte ein
kleines Erdmännchen aus dem Gras und wurde angeschossen. Trotz der
Schusswunde am rechten Hinterbein rannte es um sein Leben.
Aufeinmal sprang ein Tiger auf das Erdmännchen zu und ein weiterer
Schuss war zu hören.
Ich wollte mich vergewissern wer dieser Tiger sei und lugte
vorsichtig aus dem Gras hervor.
Zwei große und starke Männer hatten es geschafft, diesen in einen
kleinen Käfig zu sperren.
Oh nein. Das
ist doch nicht etwa.. Mila! Scheiße, ich muss ihr helfen!
Mila
brüllte bedrohlich und versuchte mit ihren messerscharfen Krallen
die beiden Wilderer zu kratzen, doch diese lachten sie nur aus. Sie
fauchte und drehte sich ein Paar mal.
Dann
wanderte Ihr Blick zu mir und ich sah ihre Augen, voller Angst.. Eine
Sekunde lang blieb ich wie Erstarrt stehen und starrte sie einfach
nur an. Mila, dachte
ich und Sie verstand. Sie war so gut wie tot. Es war so gut wie
unmöglich zu fliehen, doch ich stürzte mich auf einen von den
Männern und dieser blieb bewusstlos am Boden liegen. Der Käfig fiel
zu Boden und Milas Vorderbein verfing sich im Gitter. Der zweite Mann
zuckte sein Gewehr und ich rannte davon – sein Schuss ging nur
knapp an mir vorbei. Ein weiterer Schuss folgte, der mich am rechten
Hinterbein traf, doch ich schaffte es grad noch so zurück ins hohe
Savannengras, wo ich mich niederließ. Mein Bein blutete und
schmerzte. Ich hörte die Männer fluchen und Mila fauchen. Plötzlich
ertönten Zwei weitere Schüsse und erneut war zu hören, dass der
Käfig zu Boden fiel. Ich konnte zwar nichts sehen, aber dennoch
hören. Erneut ein feindseeliges Fauchen von Mila, hastige Schritte
und Automotoren. Dann war es wieder ganz still und ich hörte nur
noch meinen Atem. Wo waren alle hin? Vorsichtig
schaute ich erneut in die Richtung von Mila. Sie lag regungslos auf
dem Boden und ich sprintete sofort zu ihr.
Gott sei Dank,
du atmes noch! Langsam ließ ich
mich neben ihr nieder und wartete bis sie aufwachte. Es war so still
um uns herum. Irgendetwas war hier nicht in Ordnung.
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