Samstag, 20. April 2013

KAPITEL 8 - Teil A


NICO

„Da ist jemand für dich“, sagte Scarlett und zeigte auf Silas, welcher mir einen bösen Blick zuwarf. Sofort verzog ich mein Gesicht und wurde mir meiner Schuld bewusst. Ich war diese Nacht nicht im Dorf gewesen, keiner wusste wo ich war. Stattdessen war ich bei Scarlett. Ob Lucien das mitbekommen hatte? „Ich denke ich muss gehen“, sagte ich und umarmte Scarlett. „Wenn etwas ist, du kannst dich immer bei mir melden!“, murmelte ich in ihr Ohr und drückte sie kurz näher an mich. Es tat so gut sie in meinen Armen zu haben, sie bei mir zu spüren – auch für nur eine Sekunde. Am liebsten würde ich jetzt bei ihr bleiben, aber das geht ja nicht.
Silas war sauer- und das zu Recht. Bevor er mich aus dem Bungalow zerrte, schaute ich Scarlett noch einmal ganz genau an und lächelte. 
Ich zog die Tür hinter mir zu und Silas zerrte mich noch ein paar Meter weiter, bevor er sich an mich wandte. „Du kannst dir garnicht vorstellen wie viel Glück du hast, dass ich dich noch vor Lucien gefunden habe!“, er blieb stehen und schubste mich auf Seite. „Was hast du dir eigentlich dabei Gedacht?“, fuhr er mich an. „Scar brauchte mich!“, antwortete ich und er blieb stehen und starrte mich durchdringend an. Ich sah ein funkeln in seinen Augen, das selbe funkeln, welches Leon zu sehen bekam. Und auch wenn ich wusste dass ich stärker war als Silas, hatte ich dennoch großen Respekt vor ihm.  
„Hast du eigentlich eine Ahnung wie es Mila grad geht? Oder vorallem wie es ihr gehen wird wenn sie erfährt, dass du bei einem fremden Mädchen geschlafen hast?!“ Ich versuchte seinem Blick stand zu halten. „Oder Ariane? Du bist alles was sie noch hat! Sie dachte du wärst tot!“
Das war zu viel. Ich wendete meinen Blick ab und starrte auf den Boden. Wut stieg in mir auf. Was wisst ihr denn schon? Wieso sollte ich an die anderen denken, wenn keiner an mich denkt. Wieso fragt keiner was ICH will? Ich hielt es einfach nicht mehr aus. „Du verstehst das einfach nicht. Ihr alle versteht es nicht!“, schrie ich ihn an, kickte einen Stein weg und fiel zu Boden.
So schnell ich konnte rannte ich - und ich rannte wirklich schnell. Aber das war mir immernoch zu langsam.
Als ich dachte ich sei weit genug gerannt, ließ mein Tempo ab und ich schmiss mich ins trockene Savannengras. Die Sonne schien mitten in mein Gesicht und ich brüllte so laut ich konnte, was ein Fehler war. Ich sah Gazellen an mir vorbei hüpfen, und verschreckte Vögel auffliegen.
Ein Schuss war zu hören. Und es knallte noch einmal und nocheinmal. Anscheinend waren Wilderer auf der Suche nach Beute. Scheiße. Wenn die mich jetzt sehen, bin ich tot. Panik stieg in mir auf. Neben mir raschelte etwas, ich hielt meinen Atem an und lauschte.
„Hey Joe, da vorne hat sich etwas bewegt!“, sagte der eine zum anderem und ich hörte Schriite auf mich zu kommen. Ein Gewehr wurde entsichert und die Schritte wurden langsamer, vorsichtiger.
Ich traute mich gar nicht mehr zu Atmen. Plötzlich rannte ein kleines Erdmännchen aus dem Gras und wurde angeschossen. Trotz der Schusswunde am rechten Hinterbein rannte es um sein Leben.
Aufeinmal sprang ein Tiger auf das Erdmännchen zu und ein weiterer Schuss war zu hören.
Ich wollte mich vergewissern wer dieser Tiger sei und lugte vorsichtig aus dem Gras hervor.
Zwei große und starke Männer hatten es geschafft, diesen in einen kleinen Käfig zu sperren.
Oh nein. Das ist doch nicht etwa.. Mila! Scheiße, ich muss ihr helfen!
Mila brüllte bedrohlich und versuchte mit ihren messerscharfen Krallen die beiden Wilderer zu kratzen, doch diese lachten sie nur aus. Sie fauchte und drehte sich ein Paar mal.
Dann wanderte Ihr Blick zu mir und ich sah ihre Augen, voller Angst.. Eine Sekunde lang blieb ich wie Erstarrt stehen und starrte sie einfach nur an. Mila, dachte ich und Sie verstand. Sie war so gut wie tot. Es war so gut wie unmöglich zu fliehen, doch ich stürzte mich auf einen von den Männern und dieser blieb bewusstlos am Boden liegen. Der Käfig fiel zu Boden und Milas Vorderbein verfing sich im Gitter. Der zweite Mann zuckte sein Gewehr und ich rannte davon – sein Schuss ging nur knapp an mir vorbei. Ein weiterer Schuss folgte, der mich am rechten Hinterbein traf, doch ich schaffte es grad noch so zurück ins hohe Savannengras, wo ich mich niederließ. Mein Bein blutete und schmerzte. Ich hörte die Männer fluchen und Mila fauchen. Plötzlich ertönten Zwei weitere Schüsse und erneut war zu hören, dass der Käfig zu Boden fiel. Ich konnte zwar nichts sehen, aber dennoch hören. Erneut ein feindseeliges Fauchen von Mila, hastige Schritte und Automotoren. Dann war es wieder ganz still und ich hörte nur noch meinen Atem. Wo waren alle hin? Vorsichtig schaute ich erneut in die Richtung von Mila. Sie lag regungslos auf dem Boden und ich sprintete sofort zu ihr.
Gott sei Dank, du atmes noch! Langsam ließ ich mich neben ihr nieder und wartete bis sie aufwachte. Es war so still um uns herum. Irgendetwas war hier nicht in Ordnung.

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