NICO
Es war ein stink normaler
Tag, also so wie immer. Wie immer war die Werkstatt leer, nur Silas
war hier mit mir, für den Fall, dass uns doch noch jemand brauchen
würde. Wir saßen draußen im Schatten und rauchten. „Und, wie
läuft es mit Mila?“, fragte Silas nebenbei. „Wie sollte es schon
laufen“, ich musste kurz überlegen. „Genau genommen läuft da
nichts.“ Silas war mein bester Kumpel, mit ihm konnte ich über
all' das reden, was die anderen nicht verstehen würden. „Wie, da
läuft nichts?“, er schaute mich an. In seinem Blick lag eine
Mischung aus Neugier und Erstaunen. „Ich liebe sie einfach nicht“,
ich lehnte mich zurück und schaute in die ferne. „Ich weiß, ich
kann nichts tun, aber ich glaube das Mädchen dass ich suche, ist
nicht hier. Noch nicht.“ Er musterte mich genau und nuschelte
etwas, was ich nicht verstand. „Glaubst du das wirklich? Aber pass
auf, Lucien darf das nicht raus finden. Das gäbe nur unnötigen
Stress. Du weißt ja wie er drauf ist.“ Wo Silas Recht hat, hat er
Recht. Bei Lucien musste immer alles nach Plan laufen. Er schob gerne
Stress, das konnte er am besten. Nein, das war das Einzige was er
konnte. Aber es half nichts, Lucien ist stärker als alle anderen,
sogar stärker als ich.
Es war Mittag und wir
schwiegen vor uns hin, Silas hatte sich seine Kappe über sein
Gesicht gelegt und döste.
Nach scheinbar unendlich
langen zehn Minuten, kam dann endlich ein Mann vorbei, der uns
zuwinkte. Ich stieß Silas in die Seite und er schreckte auf. Mehr
als ein verschlafenes „Hm“ brachte er nicht raus. Ich stand auf
und ging auf den Mann zu. „Kann ich ihnen behilflich sein?“,
fragte ich ihn. Der Mann schaute erst zu mir, dann zu meinem Kumpel,
der erst jetzt realisierte, dass wir einen Kunden hatten. „Gott sei
Dank habe ich eine Werkstatt gefunden. Mein Auto ist liegen geblieben
und ich habe einen Platten. Es steht sechs Kilometer weiter, ich
brauche wirklich unbedingt ihre Hilfe!“, der Mann sah völlig
fertig aus und bekam kaum noch Luft. „Alles Klar. Wir schauen uns
ihr Auto mal an“, sagte ich zum Fremden und richtete dann mein Wort
an Silas: „Hol den Wagen, wir haben zu tun!“.
Wir brachten das Auto,
wenn man diesen Schrotthaufen so nennen könnte, in die Werkstatt und
schauten erst mal unter die Motorhaube. Qualm stieg uns entgegen und
ich fing an zu husten.
„Silas, übernimm du
das, ich schaue dann schon mal nach einem passendem Ersatzreifen.“ Aber erst ging ich zum Kühlschrank und holte drei Bier raus. Ich
bot dem Mann ein Bier an und gab das andere Silas. „Mein Name ist
übrigens Frank. Danke.“ Er nahm die Dose Bier freudig entgegen.
„Nico, und mein Kumpel da heißt Silas.“ Ich schaute nach einem
passendem Ersatzreifen und wechselte diesen. Ich tankte den Wagen
noch voll auf und Silas war auch gerade fertig geworden. Wir machten
noch die Fenster und Spiegel sauber und setzten uns dann auf noch ein
Bier. Frank bedankte sich und bezahlte, dann fuhr er weiter. Nach
Kasachstan wollte er, wenn ich ihn richtig verstanden hatte.
Der Abend trat an und wir
räumten die Werkstatt auf.
Wie auch jeden Abend
tauchte Lucien auf und kontrollierte, ob wir mit allem fertig waren.
„Gut gemacht Jungs“,
er nickte uns zu und gab uns unseren Lohn. „Ach und Nico, du
kümmerst dich heute um das Abend essen!“ So wie er gekommen war,
verschwand er auch wieder.
Silas klopfte mir auf die
Schulter und verschwand ebenfalls.
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