Freitag, 28. Juni 2013

(2) KAPITEL 7

SAPHIR

Ich wachte unter dem tosendem Rauschen des Wasserfalls auf. Müde rieb ich mir die Augen und schaute mich um. Moment mal. Ich bin immer noch ein Mensch? Was ist passiert? Ich lag in einer Höhle hinter einem Wasserfall. Wie bin ich hierher gekommen? Ich versuchte mich zu erinnern, doch komischerweise war alles weg. Plötzlich hörte ich eine Stimme in meinem Kopf, sie sagte: „Bleib hier und warte bis ich komme.“ Sie kam mir so vertraut vor, also wartete ich. Sofort schossen mir die Erinnerungen in den Kopf – von Lian und Aya. Und dem Blitz sowie von dem umstürzendem Baum. Hatte ich das getan? Nein, unmöglich! Es war nicht meine Schuld! Und trotz dieser Gedanken kamen mir wieder Tränen in die Augen. Wie lange hatte ich überhaupt geschlafen? Plötzlich sprang ein Junge durch den Wasserfall und kam zu mir. Er setzte sich mir gegenüber und musterte mich. Ich krabbelte langsam zur Höhlenwand und presste mich aus Angst dagegen. Wer ist er? Wieso sind Menschen im Dschungel? „Du siehst besser aus“, sagte er. Ich musterte ihn. Er hatte schwarzes Haar, eine Strubelfrisur und war von Körper her gut gebaut. Er trug eine Jeans und ein schwarzes T-Shirt. „Wer bist du?“, fragte ich. Er überlegte eine Weile, antwortete dann: „Kannst du dich an etwas erinnern?“, „Nein“, gab ich zurück und er fing an zufrieden zu lächeln. „Wer bist du?“, fragte ich erneut. „Shino“, sagte er und suchte meinen Blick. Shino! Was macht er den hier? Wie komme ich hier her? Verdammt, was ist hier los? „Wie bin ich hierher gekommen?“, „Ich hab dich hierher geführt“, „Und wieso kann ich mich an nichts mehr erinnern?“, auf diese Frage hin überlegte er sehr lange. „Das weiß ich nicht, du warst in einem schlechten Zustand. Du hast geweint und warst völlig aufgelöst. Kannst du mir sagen was los war?“. Er schaute mich mitfühlend an. Kann ich es ihm sagen? Es ist ziemlich privat und ich möchte niemandem vertrauen. Ich hab das Gefühl, dass jeder mein Vertrauen missbraucht... „Es ist nichts. Zum mindestens nichts was ich dir sagen möchte...“, ich wand meinen Blick ab. Ich spürte Shinos Blick auf mir. Langsam streckte er die Hand aus, nahm mein Gesicht in seine Hände und drehte ihn zu sich damit ich ihn ansah. Ich wollte weggucken, doch seine fast schwarzen Augen hielten meinen Blick gefangen. „Du kannst mir vertrauen. Sag, was ist passiert?“. Plötzlich stiegen mir Tränen in die Augen und ich flüsterte: „Lian hat mich mit Aya betrogen“, während ich anfing zu weinen.


SCARLETT

„Wo ist sie? Nico, sag mir wo sie ist!“, schrie ich Nico an. Er sah mich mitfühlend an und schmiegte sich an mich. „Saphir ist ein kluges Mädchen, es wird ihr gut gehen. Sie braucht ein bisschen Freiraum, wir wissen doch wie das so ist. Sie kommt zurück, mein Schatz. Vertrau mir“, flüsterte er. Saphir war nun seit zwei Tagen verschwunden. Ich sah Nico an und nickte unter Tränen. Sie war noch nie allein so lange weg! Was ist, wenn ihr etwas passiert ist? Mila kam angelaufen und fragte vorsichtig: „Wenn ihr wollt, kann ich Neros Stamm fragen ob sie sie gesehen haben. Keine Sorge Scarlett, sie kommt bestimmt wieder.“ „Ja, bitte frag Neros Stamm“, sagte Nico ohne den Blick von mir abzuwenden. Sofort lief Mila wieder los. Ich blickte mich um und entdeckte Lian. Er saß zusammen mit Aya unter einem Baum. Aya hatte ihr linkes Hinterbein noch immer unter Blättern gelegt, wie Mila ihr befohlen hatte. Schließlich hatte sie sich ihr Hinterbein verstaucht. Sie sagte, es sei passiert als sie rumgetobt hätten. Aber nach den traurigen Blicken die sie und Lian sich zu warfen, traute ich ihnen nicht. Es konnte ja auch daran liegen, dass sie traurig wegen Saphirs Verschwinden waren, jedoch lag da noch etwas anderes in ihrem Blick. Haben sie etwas mit Saphirs Verschwinden zu tun? Sie verhielten sich seit diesen zwei Tagen sehr unauffällig, schauten aber immer traurig und wie ich das sah – schuldig. Aber ich konnte ihnen nichts vorwerfen, schließlich hab ich keine Beweise und ich konnte das Felicitas und Mila nicht antun. Aber ich schwöre bei Gott, wenn Saphir wegen ihnen etwas zugestoßen ist, werden sie dafür büßen! Traurig kuschelte ich mich an Nico und betete dafür, dass es meiner Kleinen gut ging.

Mittwoch, 26. Juni 2013

(2) KAPITEL 6

SHINO

Ein Vorteil ein Tiger zu sein? Du musst nicht auf die Wochentage achten. Du hast keinerlei Verpflichtungen und kannst eigentlich tun und lassen was du willst. Ha, denkste! Du bist dein ganzes Leben lang in diesem Dschungel eingesperrt und triffst immer nur auf die selben Gesichter. Ich fühle mich gefangen, wie ein Vogel der nicht fliegen kann.. Einige würden mein Leben als Perfekt beschreiben, andere würden den Dschungel als Paradies sehen, doch ich sage euch es ist ganz anders: Es ist die Hölle. Mein Leben soll perfekt sein? Was ist schon perfekt? Auf ein Leben in dem bereits alle Entscheidungen für mich getroffen worden und meine Wege genauenstens geplant sind kann ich auch gerne verzichten. Vielleicht ist es ja Schicksal, ich weiß es nicht, aber wenn, dann hätte ich gerne ein anderes. Das Schicksal sollte mit mir spielen, mir einen richtigen Kampf bieten, doch stattdessen kenne ich dieses in und auswendig. Mein Leben ist langweilig, wie ein Lied, welches man Millionen mal gehört hat. Das Besondere fehlt. Aber okay, gut, ich muss mich damit abfinden. Vielleicht brauche ich einfach nur wieder eine Abwechslung. Seit ich Lura kenne, also 2 Tage vielleicht mal, bekommt mein Leben wieder einen neuen Takt. Sie ist neu, besonders. Ein Gesicht, welches ich noch nie zuvor gesehen hatte, und genau das macht sie ja so interessant. Ich möchte zu ihr. Jetzt. Ohne zu zögern lief ich durch mein Rudel. Kaum einer, außer meiner Tante und ein paar anderen, war hier. Natürlich, alle dürfen sich draußen austoben, während ich hier festsitze. „Laria? Wo sind die anderen alle hin? Und wo ist meine Mutter?“, fragte ich sie. „Chayenne ist mit den anderen jagen gegangen. Ich soll auf dich aufpassen, was fehlt dir denn mein kleiner?“, fragte sie mich mit so einem lieben Unterton, dass mir fast schlecht wurde. Trotzdem versuchte ich mich zusammen zu reißen und konzentrierte mich auf das Wesentliche, wieso ich sie eigentlich aufgesucht hatte. „Sag mal, darf ich vielleicht zu Lura?“ „Aber du warst doch erst gestern bei ihr“, sagte sie etwas misstrauisch und musterte mich genau. „Bitte, hier ist absolut nichts los!“, bettelte ich meine Tante an, doch es half alles nichts. „Shino nein, es ist weit bis zu Luciens Stamm, wer weiß was auf dem Weg alles passieren kann? Vielleicht wirst du ja angegriffen oder verletzt dich oder..“, fing sie an, doch ich unterbrach sie direkt wieder: „Dir passiert hier was, dir passiert da was, du darfst das nicht, du darfst dies nicht.. Ich möchte vielleicht auch ein wenig die Gegend erforschen, ich sterbe hier vor Langeweile, das ist das selbe wie wenn mich da draußen jemand umbringt!“ „Shino, das reicht! Du kannst gerne etwas durch den Dschungel laufen, aber diesen nicht verlassen. Ich habe deiner Mutter gesagt ich passe auf dich auf und damit ist jetzt Schluss!“, ermahnte sie mich und ich lief wütend davon. Was wisst ihr denn schon? Ihr habt meine Probleme ja nicht, ihr lebt euer Leben wie ihr es wollt! Erst organisiert ihr mir eine Verlobung mit einer wild Fremden und dann verbietet ihr mir auch noch sie zu besuchen! Wo bleibt da der Sinn? Wütend lief ich durch den Dschungel, wie es Laria mir vorgeschlagen hatte.Ich wollte an den Rand des Dschungels, wo ich wenigstens aus der Ferne die Freiheit sehen und fühlen konnte. Wie so oft trabte ich zwischen Bäumen entlang bis ich an einem riesen Felsen ankam. Diesen kletterte ich hinauf und blickte in die Ferne. Ein kühler Wind wehte mir durch mein Fell und ich schloss für einen kurzen Moment die Augen. Freiheit. So fühlte sich das also an. Es war ein schönes Gefühl, einfach unbeschreiblich. Die Stille drang in meine Ohren. Man könnte behaupten, dass es so leise war, dass man sogar das Gras wachsen hören konnte. Faszinierend. Doch irgendetwas störte mich. Es war nicht so wie immer, nicht wie die anderen Male, als ich hier oben saß. Vorwärts konnte ich nicht, denn es war ein sehr hoher Felsen der steil in die Tiefe fiel. Also kletterte ich vorsichtig wieder hinten herunter und blieb solange stehen, bis ich diese Stille wieder hörte. Der Felsen war nicht nur sehr hoch, sondern auch breit. Vielleicht waren es auch mehrere Felsen aneinander gereiht, der eine größer als der andere, ich wusste es nicht. So leise ich konnte schlich ich an diesen entlang, ohne diese Stille zu verlieren. Doch je weiter ich ging, desto lauter wurde sie. Nein, das war keine Stille, etwas dazwischen hatte sich dazugeschlichen. Es war ein leises Schluchzen. Aber woher kam das? Mein Schritt verschnellerte sich und es wurde immer deutlicher, lauter. Dieses Geräusch konnte unmöglich von einem Tiger kommen. Ich entdeckte einen kleinen Spalt, an welchem ich ersteinmal nur lauschte. Das Schluchtzen kam von dort, eindeutig! Vorsichtig schlich ich durch den Spalt hindurch und sah ein Mädchen. Sie war noch sehr jung, vielleicht in meinem Alter. Sie saß auf ihren Knien und weinte. Um sie herum befand sich nichts, nur hohes Savannengras. Wie war sie hierher gekommen? Wer ist sie? Mein Verstand sagte mir, ich sollte wieder umkehren, vielleicht ist sie ja eine Jägerin oder erschreckt sich vor mir, meine Neugier war aber stärker und ich entschied mich sie von nahmen zu betrachten. Ich verwandelte mich in einen Menschen, damit sie nicht so sehr erschrak. Oder fühlte ich mich sicherer wenn ich Mensch war? Das war ich aber so selten, dass ich mir selbst völlig fremd schien.

„Warum weinst du?“, fragte ich und trat aus der Höhle hervor. Sofort schnellte ihr Kopf hoch und sie blickte mir in die Augen. Auch wenn ihre Augen voller Tränen waren, so konnte ich doch ihre strahlend blauen Augen erkennen. „Wer bist du? Hast du mich beobachtet?“, entfuhr es ihr plötzlich. Sie klang misstrauisch und erschrocken. „Nein, ich habe dich nicht beobachtet, ich war nur in der Nähe und habe dich gehört. Verrätst du mir deinen Namen?“, antwortete ich hier ruhig und versuchte ihr Vertrauen zu gewinnen. „Nein. Was willst du überhaupt?“, fuhr sie mich an und wischte sich ihre letzten Tränen weg. „Ich wollte nur.. Ich dachte mir vielleicht kann ich dir ja irgendwie helfen?“ „Bezweifle ich. Weißt du, du würdest es nie verstehen. Keiner würde das. Ich brauche keine Hilfe. Weder von dir, noch von irgendwem anderem! Ich komme auch sehr gut alleine zurecht!“, sagte sie kalt und ich erstarrte. Was sollte ich jetzt noch sagen? Sollte ich überhaupt etwas sagen? Langsam wurde ich wütend. Wie konnte sie nur denken sie sei die einzige mit Problemen? „Wieso bist du dir da so sicher? Weißt du, du bist nicht die einzige mit Problemen! Auch mein Leben verläuft nicht grade traumhaft, aber das ist noch lange kein Grund einen so dumm anzumachen! Ich habe dir nichts getan okay?“, versuchte ich ihr klar zu machen und spürte, dass ich immer wütender wurde. Am liebsten hätte ich ihr alle meine Probleme vor den Kopf geworfen, ihr gesagt, dass sie sich unmöglich verhält und wie einsam ich mich fühlte, doch ich verkniff mir das. „Geh! Hau einfach wieder ab!“, schrie sie mich an und war kurz davor erneut in Tränen auszubrechen. Sie drehte ihren Kopf weg und ich sah wie eine Träne auf den Boden fiel. Ich versuche es einfach. Mal schauen wie gut ich das noch kann.. „Schau mich an“, befahl ich ihr und wartete. Keine Reaktion. „Schau mir in die Augen“, wiederholte ich erneut und wartete wieder. Zögerlich drehte sie ihren Kopf zu mir und schaute mir direkt in die Augen. Ich versuchte mich zu konzentrieren und schaute sie direkt an. Ihr trauriger, hilfloser Blick neutralisierte sich langsam und wurde starr und ausdruckslos. So weit so gut. „Woher kommst du?“, fragte ich und schaute ihr immer weiter ihre blauen Augen. „Aus dem Dschungel“, antwortete sie mir ohne zu zögern. Ich hatte es tatsächlich geschafft sie in Trance zu versetzen! „Wie aus dem Dschungel? Wer bist du?“, fragte ich sie ein wenig verwirrt. „Ich bin eine Tigerin“, erwiderte sie. „Wie ist dein Name?“, fragte ich sie und hielt den Atem an. Eine Tigerin! Aus welchem Stamm kam sie? Aber vorallem; wieso war sie hier? Was war passiert? Will ich es überhaupt wissen? „Saphir“, antwortete sie mir und ich wäre beinahe umgekippt. Was mache ich nun mit ihr? Es war Saphir, ich weiß nun wer sie ist, aber sie nicht, wer ich bin. Schließlich haben wir uns noch nie zuvor in menschlicher Gestalt getroffen. „Saphir“, flüstere ich und wusste nicht was ich nun machen sollte. „Folge mir!“, sagte ich zu ihr und wir gingen wieder durch den Spalt. Hier konnten wir auf keinen Fall bleiben, niemand durfte sie finden. Da ich jede Ecke dieses Dschungels kannte führte ich sie erst unbemerkt zum Bach. Die ganze Zeit über überlegte ich wo ich sie verstecken könnte und plötzlich kam mir ein genialer Einfall! Ich wusste nicht ob es ein optimales Versteck war, doch spontan fiel mir einfach nichts besseres ein. Der Wasserfall an dem mich meine Mutter vorbeigeführt hatte war das Ziel. Möglicherweise befand sich dort eine kleine Höhle, wo sich Saphir für eine Weile aufhalten konnte. Also liefen wir zusammen den Bach entlang und sprangen über Steine. Doch statt wie meine Mutter weiter zu gehen, blieben wir auf den Steinen und gingen dann ins Wasser. Es war grademal Kniehoch. Zwar gingen wir gegen die Strömung, doch diese war nicht so stark, dass sie uns mitzog. Je weiter wir gingen, desto tiefer wurde das Wasser. Als es uns bis an die Taille reichte, bewegten wir uns an den Rand des Berges, wo wir uns dann entlang schlichen. Wir standen vor dem Wasserfall. Einige Tropfen spritzen auf uns und ich nahm Saphirs Hand. Ich zählte bis drei und lief dann mit ihr durch den Wasserfall hindurch auf die andere Seite. Klitschnass fanden wir uns in einer relativ dunklen Höhle wieder. Licht drang nur durch das Wasser in die Höhle, was aber reichte, um die eigene Hand vor dem Gesicht zu sehen. „Leg dich für eine Weile hin, es ist schon spät. Wenn du aufwachst, bleib bitte hier und warte solange bis ich komme“, sagte ich so deutlich ich konnte und sie folgte meinen Worten und legte sich auf den Boden. Bis sie einschlief blieb ich noch neben ihr sitzen und lauschte ihrem Atem. „Schlaf gut, wir sehen uns morgen“, flüsterte ich ihr zu und stand auf. Mit einer kurzen und leichten Handbewegung nahm ich den Bann von ihr. Saphir wusste nicht wo sie war, wusste nicht wie sie hergekommen war und erinnerte sich auch nicht mehr an mich, denn das alles nahm ich von ihr mit. Alles was ich ihr an Erinnerung noch da ließ waren meine Worte „Bleib bitte hier und warte bis ich komme“, den Rest hatte sie vergessen. Draußen wurde es immer dunkler und ich sollte langsam wirklich mal wieder zurück. Meine Mutter müsste bereits längst wieder da sein.

Montag, 24. Juni 2013

(2) KAPITEL 5

SAPHIR

Die Feier war schnell vorbei und nachdem die Gäste wieder gegangen waren ging ich zu Lian. „Was hälst du von Shino?“, fragte er mich. Ich war erst überrascht wieso er mich das fragte, antwortete ihm dann aber höflich: „Ist ganz nett und er scheint Lura glücklich zu machen, wieso?“ „Ach nur so“, meinte er und wand sich ab. Was ist nur los mit ihm? Wieso ist das so wichtig?, dachte ich und schaute ihm hinterher. Komischerweise ging er einfach in den Wald, nicht in die Höhle oder zu seinem Vater wo er sonst immer hingehen würde. Traurig tapste ich zu meinem Urgroßvater Salio. Er lag ruhig unter einem Baum und hatte die Augen geschlossen. „Salio? Bist du noch wach?“, fragte ich leise. Er öffnet ruhig die Augen und schaute mich an. Dann setzte er sich ruhig hin und deutete mir, mich auch hinzusetzen. „Für dich doch immer, Saphir“, sagte er freundlich. Ich setzte mich und musterte ihn. Er war einer der Ältesten im Rudel und er sprühte förmlich vor Weisheit. Man konnte sich ihm immer anvertrauen, er war einfach ein guter Zuhörer, Ratgeber und ein guter Freund. Es kommt mir manchmal so vor, als wäre er hier der Einzige der mich versteht. „Was bedrückt dich?“, fragte er und schaute mich mitfühlend an. „Ich weiß es nicht. Ich finde alles so verwirrend. Wieso müssen wir unbedingt mit anderen versprochen werden? Können wir nicht einfach irgendwann selbst entscheiden mit wem wir unser Leben verbringen wollen? Das ist doch alles nicht fair! Und das auch noch mit anderen Stämmen! Wozu ist das gut, wenn wir nicht mal aus dem Rudel raus dürfen um unsere 'Verlobten' zu besuchen? Manche werden einfach völlig Fremden versprochen. Zum Beispiel jetzt Lura mit Shino. Versteh mich nicht falsch - ich finde es toll Andere kennen zulernen, aber direkt jemandem versprochen zu werden?“, sprudelte es aus mir heraus. „Saphir, du bist noch jung. Eines Tages, wenn du selber Kinder haben wirst, wirst du es verstehen“, „Aber ich will es jetzt verstehen! Erkläre es mir! Wo liegt da der Sinn?“, „Der Sinn liegt darin, dass die Eltern eine Zukunft für ihre Sprösslinge sichern wollen. Sie möchten sich so selbst versichern, dass ihr immer in guten Händen seid. Es gibt den Eltern Halt und Sicherheit um euch euren Weg gehen zu lassen“, „Aber es ist doch nicht unser Weg, wenn jemand ihn schon voraus bestimmt hat! Wieso kann man sich nicht selbst verlieben und seinen eigenen Weg gehen?“, „Weil man sich manchmal nicht in den Richtigen verliebt. Die Eltern wollen euch doch nur vor Fehlern schützen. Meine Kleine, wenn du älter bist wirst du verstehen. Ruh dich nun aus, es war ein langer Tag.“


Ich war zwar nicht mit der Antwort zufrieden, jedoch beruhigte es mich, dass Salio über alles gut Bescheid wusste. Auch wenn wir oft nicht einer Meinung waren. In der Höhle angekommen schaute ich mich um. Wo ist Lian?, fragte ich mich und trat wieder aus der Höhle heraus. Er ist doch vorhin im Wald verschwunden, vielleicht sollte ich ihn dort mal suchen?, dachte ich und trabte in die Richtung in der er verschwunden war. Nach ein paar Minuten hörte ich Gekichere und Geflüstere. Ich verlangsamte meinen Schritt und legte mich flach auf den Boden als die Geräusche ziemlich nah waren. Langsam hob ich den Kopf um zu sehen, was vor mir war. Es war schwer zu erkennen da es so dunkel war, jedoch erkannte ich zwei Tigergestalten. Wer sie waren konnte ich nicht erkennen. Ich kroch ein bisschen näher und erkannte sie. Es durchfuhr mich wie ein Blitz! Ich sah Lian wie er Aya küsste. Sie lagen aneinander gekuschelt in einer Kuhle und bemerkten mich nicht. Meine Gefühle spielten verrückt. Ich war traurig, immerhin war er mein Verlobter. Doch wieso sollte ich traurig sein? Ich liebe ihn doch nicht? Also was würde es bringen, wegen ihm Tränen zu vergießen? Und schlagartig wurde meine Trauer umgewandelt - in Wut. Wie konnte er nur? Er muss mich nicht lieben, ich tue es ja auch nicht, aber treu bleiben? Das wäre doch mal was! Ich war noch nie so wütend gewesen. Ich wollte gerade aufstehen und die beiden auseinander bringen, da schlug plötzlich ein Blitz neben der Kuhle in einen Baum. Dieser knackste laut und fiel auf die Kuhle. Ich blieb regungslos liegen und hörte nur noch Aya schreien. Dann wurde alles still. Nichts regte sich und sogar ich hatte die Luft angehalten. Sind sie tot? Ein Rascheln unter den Blättern des umgefallenen Baumes ließen mich zusammenzucken. Sie sind nicht tot!, dachte ich, sprang auf und lief davon. Nicht zum Rudel. Irgendwohin. Hauptsache weit weg von hier. Ich weiß, ich hätte dort bleiben und ihnen helfen sollen, aber ich konnte nicht! Eigentlich dürfte ich das Rudel nicht einmal verlassen! Aber ich ertrug es einfach nicht. Es verletzte mich auch eine komische Art und Weise. War das berechtigt? Wenn jetzt doch jemand gestorben ist? Aber es war doch nicht meine Schuld, oder? Ich sprang über einen kleinen Bach und blieb in einer Erderhöhung liegen. Traurig und wütend zugleich verwandelte ich mich in einen Menschen, setzte mich hin, zog die Knie an mich und fing an zu weinen. Ich wusste ja nicht einmal wo ich war! Verzweifelt ließ ich meinen Kopf auf meine Knie sinken, sodass mir meine langen, welligen braunen Haare übers Gesicht fielen. Es war manchmal einfach befreiender ein Mensch zu sein, auf diese Weise kann man seine Gefühle besser zum Ausdruck bringen. Aber was war das gerade für ein Gefühl? War ich traurig weil Lian mich betrogen hat? Oder war ich traurig weil einer der Beiden vielleicht tot war? Wieso sollte ich deshalb traurig sein? Sie haben es verdient! Und tot sind die doch eh nicht! Dann könnten sie mich ja nicht mehr ärgern. Und sofort wurde mir klar wieso ich traurig war – ich war einsam. Ich hatte keine Freunde und mein Verlobter hat mich betrogen. Ich hab gerade Gefühle für Lian zugelassen und was tut er? Er tritt sie mit Füßen! Ich darf einfach keinen mehr an mein Herz ranlassen. Niemanden! Ich muss mich einfach selbst schützen, auch wenn es bedeutet, weiterhin einsam zu sein. Wenn dann soll ich doch einsam sein! Wen interessiert es schon? Ich bin niemandem wichtig. Lieber bin ich einsam anstatt von jemandem verletzt zu werden, der mir etwas bedeutet! Denn das macht es nur noch schlimmer...

Freitag, 21. Juni 2013

(2) KAPITEL 4

SHINO

Was war das denn eben? Entschuldige, aber deine Gedanken kann ich leider nicht lesen. Saphir. Wieso distanzierst du dich so sehr? Alles was ich will ist mit dir zu reden, dich kennen zu lernen. Ich sah sie zurück zur Party gehen. Lura, welche sich immernoch an mich kuschelte, schaute ihr ebenfalls hinterher. Was Lura wohl denkt? Sie ist eifersüchtig, das ist nicht zu übersehen, nur verstehe ich nicht warum? Wir haben nur geredet, noch nicht einmal, wir standen lediglich nebeneinander. Was ist also ihr Problem? „Gehen wir auch zurück?“, fragte sie leise, schaute mich aber nicht an. „Geh schonmal, ich komme gleich nach“, erwiderte ich ihr und sie nickte. Langsam tapste sie davon, drehte sich noch einmal zu mir um und ging dann weiter. Nun war ich allein. Oder zumindest fast allein. Es war zwar niemand hier, bei mir, aber ich konnte dennoch ihre Stimmen hören. Das war zu viel, ich musste unbedingt hier weg. Ich sprang über den Fluss und rannte so lange quer durch den Dschungel, bis ich nichts mehr hörte. Stille drang in meine Ohren. Verwirrung stieg in meinen Kopf. Müdigkeit fiel über mich. Was mache ich hier eigentlich? Die ganze Zeit habe ich versucht zu verstehen, wo das Problem der anderen liegt, aber das eigentliche Problem liegt doch bei mir. Das Problem bin ich! Wieso renne ich weg? Vor wem? Vorallem an meinem eigenem Verlobungstag. Lura ist ab heute meine Verlobte. Aber kann ich sie wirklich meine Geliebte nennen? Schließlich kenne ich sie erst seit Gestern, Lura ist mir eine Fremde. Kann ich eine Fremde lieben? Nein, das kann ich nicht, aber ich muss. Es ist meine Pflicht. Mir wird oft gesagt: „Zeit ist alles.“ Bis heute weiß ich ehrlich gesagt nicht, was das bedeuten soll, aber wenn ich das auf meine Situation beziehe, ergibt es einen Sinn. Ich werde Lura lieben lernen, mit der Zeit, und heute ist der Anfang! Mit diesem Gedanken stand ich endlich auf und versuchte den Weg zurück zu finden, was einfacher war, als anfangs gedacht. Den Rest des Abends hatte ich nur noch Augen für Lura. Alles andere blendete ich automatisch aus, sie war für heute die einzige für mich und das sollte sie sehen. Ich fand heraus, dass rot ihre Lieblingsfarbe war. Lura war eine echte Zicke und auch etwas dickköpfig. Na also, es fängt doch schon super an! Lura ist ein tolles Mädchen, die ist mein Mädchen., dachte ich glücklich.


Zurück zuhause legte ich mich auf meinen Lieblingsplatz. Es war mittlerweile Nacht geworden und die Sterne funkelten. Einsamkeit schlich sich in mich. Für diesen Moment hatte ich den ganzen Tag vergessen und fühlte die Leere in mir, die ich immer fühlte. Ganz gleich was ich versuchte, ich konnte diese Leere nie füllen. Es war als würdest du auf einer langen Suche ohne Ziel herumirren und keiner konnte dir helfen. Das Ziel sollte das Ende der Suche sein, aber wenn ich nicht wusste wonach ich suchen musste, wie konnte ich das dann finden? Schnell versuchte ich an Lura zu denken, an ihr schönes Fell, ihre Augen. Einen Moment spürte ich innere Ruhe, welche aber nicht lange anhielt. Ich suchte nach dem Grund und dachte an Saphir und an das, was sie gesagt hatte. Nein, gar nicht. Ich wollte nur etwas trinken und bin Shino über den Weg gelaufen“, hatte sie gesagt. Es war nicht das was sie sagte, eher wie sie es sagte. Die Art und Weise wie sie es betont hatte, verletzte mich. Saphir hatte das so beiläufig und verachtend gesagt, dass es mich innerlich aufwühlte. Es verpasste mir Wunden, welche brannten. Die Frage war nur, wieso? Verdammt wieso denk ich darüber nach? Alles was ich von Saphir will ist ihr Vertrauen und ihre Freundschaft, denn im Moment kommt es mir vor als wären wir Feinde.. Sollte ich vielleicht mal versuchen.. Nein! Daran darf ich nicht denken! Das wäre unfair Saphir gegenüber, aber ich würde endlich Antworten bekommen..
 

Mittwoch, 19. Juni 2013

(2) KAPITEL 3

SAPHIR

Lauf! Lauf!, schrie meine innere Stimme und das tat ich auch. Überall um mich herum schlugen Blitze ein, Bäume fielen um und der Wald war nicht mehr der selbe. „Hilfe! Helft mir doch!“, schrie ich verzweifelt. Was war nur los? Wo war ich? Plötzlich schlug ein Blitz unmittelbar in meiner Nähe auf. Der grelle Strahl lief den Boden entlang auf mich zu. Ich machte automatisch kehrt und lief wieder. Der Strahl erhob sich vom Boden und kam auf mich zu. Ich schrie erschrocken auf, als der Strahl sich wie ein Halsband um mein Hals legte. Ich dachte, dass ich nun gewürgt oder geschockt werden würde, jedoch fühlte es sich erleichternd und gut an. Was war das den? Ich blickte mich um und sah etwas schwarzes in einem Busch umher huschen. Seine hellblauen, fast weißen Augen sahen mich an. Zuerst dachte ich Freundlichkeit in ihnen zu sehen, jedoch wurde dieses Gefühl schnell von dem lauten Brüllen des Tigers vertrieben. Ich zuckte zusammen und hob den Kopf. Alles schien normal zu sein – nirgends waren Blitze oder Chaos. Es war nur ein Traum!, dachte ich erleichtert und sah Lian an. Ich bin neben ihm eingeschlafen und wir hatten noch lange geredet. Er war wirklich nett und ich glaubte auch, dass ich ihm vertrauen könnte. Er schlief noch tief und fest, also stupste ich ihn nur leicht mit der Nase an seine Nase an, und trat aus der Höhle. So ein Stups mit der Nase war wie bei den Menschen ein Kuss. Es war noch mitten in der Nacht, alle schliefen sich aus um für das große Fest der Verlobung von Lura und Shino ausgeschlafen zu sein. Wenn sie beide offiziell alt genug sind um wirklich zu heiraten, können sie sich ein Rudel aussuchen, bei dem sie leben wollen. Lura war hin und weg von Shino, hatte sie mir oft gesagt. Ich glaube sie wollte es mir unter die Nase reiben. Wozu? Ich hatte doch einen Freund. Natürlich freute ich mich für sie, nur hatte ich ein komisches Gefühl bei Shino. Ich hatte keine Vorurteile, gewiss nicht, jedoch hatte er etwas an sich was mich beunruhigte. Ob es positiv oder negativ war, wusste ich nicht. Er hat mich heute so fixiert... Kann aber auch daran liegen, dass ich einfach selten bin. Immerhin bin ich eine silberne Tigerin. Außer meiner Mutter und mir gab es solche Tiger nicht. Wahrscheinlich hab ich mir das nur eingebildet. Als er mich so fixiert hatte, bekam ich zuerst Angst. Deshalb bin ich zu Lian gelaufen und hab mich an ihn rangekuschelt. Shino sollte wissen, dass man mir nichts tun könnte mit so einem Freund wie Lian. Er schien dies auch zu verstehen, denn danach hatte er mich nicht mehr beachtet. Ist wohl auch gut so, dachte ich und ging wieder in die Höhle um weiter zu schlafen.

Dieses mal träumte ich nicht. Beruhigt wachte ich auf, streckte mich und schaute mich in der Höhle nach Lian um. Er war weg. Vielleicht ist er ja zum Bach gegangen. Mit diesen Gedanken trat ich aus der Höhle und lief zum Bach. Lian war auch nicht dort. Das war mir recht, den so konnte ich mich beruhigt waschen.
Als ich fertig war, trabte ich zurück zum Hauptplatz. Mich wunderte es nicht, als sich schon alle aus dem Rudel auf dem Platz versammelten. Chayenne würde gleich mit ihrem Rudel kommen. Diese Feier würde also in friedlicher Stimmung verlaufen, auf jeden Fall hoffte ich das. Ich setzte mich an den Eingang meiner Höhle und schaute mich um. Mila lief aufgeregt um Lura herum und versuchte sie sauber zu bekommen. Silas saß ruhig daneben und blickte stolz auf seine Tochter, während Aya aufgeregt auf Lura einredete. „Na meine Schönheit“, begrüßte mich Lian und setzte sich neben mich. Er stieß sanft mit seiner Nase an meine und fing an zu schnurren. „Wo warst du heute morgen“, fragte ich ihn mit liebevoll zusammengekniffenen Augen. „Wir waren alle jagen. Es wird ein großes Buffet geben und dafür mussten doch die Männer sorgen“, sagte er und zwinkerte mir zu. Ich wand den Blick von ihm ab und schaute zum Beutehaufen. Er hatte Recht – dort lag sehr viel Fleisch. Ich wand meinen Blick wieder ab und schaute zum Eingang des Platzes. Nero trat auf den Platz, zusammen mit seinem ganzen Rudel. Viele der Erwachsenen Tiger gesellten sich zu meinen Rudelmitgliedern und begrüßten ihre alten Freunde. Nero ging zu Lucien und fing ein Gespräch an, während Chayenne aufgeregt zu Mila lief und mit ihr Einzelheiten austauschte. Shino trat nun auch auf den Platz und gesellte sich zu Lura. Ihm folgte ein weiterer schwarzer Tiger und eine Tigerin. Lura lief Shino entgegen und stieß liebevoll mit ihrer Nase an seine Nase. Shino zuckte zusammen und schien sich abwenden zu wollen, hielt dann jedoch inne und lächelte sie einfach an. Ich verdrehte die Augen und lief mit Lian zu ihnen. Als Shino mich sah, fixierte er mich wieder. In seinem Blick lag Neugierde und Verwirrung. Ich wollte meinen Blick von ihm abwenden, konnte es jedoch nicht. Etwas hielt mich in seinen dunklen, fast schwarzen Augen fest. Er kam mir so bekannt vor... Langsam zeichnete sich ein Lächeln auf Shinos Gesicht und auch ich fing an zu lächeln. In meinem Augenwinkel erschien Lura und starrte mich hasserfüllt an. Sofort wand ich meinen Blick ab und schaute wieder Lian an. Damit Lura sich keine Sorgen machte, kuschelte ich mich an Lian und fing leise an zu schnurren. Das schien Lura zu beruhigen, sie fragte Shino ruhig: „Wer ist das?“ Shino deutete zuerst auf den Tiger und dann auf die Tigerin während er die Namen 'Kaito' und 'Malou' erwähnte. Sie waren seine Geschwister. Kaito starrte Aya an und fing an zu lächeln. Mir wurde das langsam zu viel, deshalb entschuldigte ich mich und lief zum Bach um etwas zu trinken. Es war einfach ungewohnt so viele Tiger hier zu sehen. „Ist alles in Ordnung?“, fragte mich jemand hinter mir. Ich schreckte zusammen und drehte mich um. „Shino! Erschreck mich doch nicht so!“, rief ich aufgebracht. Er ist von Lura weggegangen, wieso? „Wieso bist du nicht bei Lura?“, fragte ich neugierig. Kurz sah ich etwas trauriges in Shinos Blick aufblitzen, jedoch war es nur so kurz, sodass ich es dabei beließ es mir eingebildet zu haben. „Es ist komisch bei so vielen Tigern zu sein. Ich brauchte etwas Freiraum und du bist so schnell weggegangen, dass ich dachte du hättest etwas. Und außerdem wollte ich mit dir reden. Ich... ich hab so ein komisches Gefühl bei dir... Du scheinst mir vertrauenswürdig zu sein, jedoch auch verdammt distanziert, aber ich weiß nicht wieso“, sagte er und suchte meinen Blick. Ich fing seinen Blick und ließ ihn nicht mehr los. Es schien als würde er mir aus der Seele sprechen und in seinem Blick lag etwas, was ich nicht einordnen konnte. Unser Blickkontakt vertiefte sich und ich hatte das Gefühl zu versinken. Am liebsten hätte ich gerne „Hilfe! Ich versinke!“, geschrien, so hilflos und verwirrt fühlte ich mich bei ihm. „Stör ich euch?“, fragte Lura gereizt. Wir waren so sehr abgelenkt, dass ich sie nicht kommen gehört hatte. „Nein, gar nicht. Ich wollte nur etwas trinken und bin Shino über den Weg gelaufen“, sagte ich ruhig. Lura starrte mich böse an und dann etwas liebevoller Shino. Shino schaute mich verwirrt und auch etwas verletzt an, sagte dann jedoch: „Ich brauchte etwas Freiraum. Entschuldige das ich dir nicht Bescheid gesagt hab.“ Lura nickte und kuschelte sich an Shino, wobei sie ihren Schnurrmotor laufen ließ. Sie wollte offensichtlich beweisen das Shino ihr gehörte. Ich hatte damit kein Problem. Ich war sogar dankbar, dass sie kam. Es war komisch, ich fühlte mich einfach unbehaglich in Shinos Nähe. Er schien so ehrlich, vertrauenswürdig und doch fremd. Ich war es nicht gewohnt, dass jemand so war. Es kam mir so vor, als wäre ich in einer Umgebung aufgewachsen, in der man sich verschließt und seine Probleme für sich behält. Mir sollte das recht sein, es wäre aber auch mal schön jemanden zum Reden zu haben. Ich lief zum Rudel zurück, drehte mich jedoch noch einmal kurz um und fing Shinos Blick. Ich weiß auch nicht wieso. Es tut mir leid. Ich weiß nur das du zu Lura gehörst – nicht zu mir, sagte mein Blick und beantwortete ihm damit seine Frage. Er ist hier um Lura kennenzulernen, nicht mich, dachte ich etwas traurig, aber auch erleichtert. Damit drehte ich mich wieder um und lief zum Rudel zurück, zu der immer noch laufenden Feier.

Montag, 17. Juni 2013

(2) KAPITEL 2

SHINO

Ich hatte so viel Zeit und wusste nicht, was ich mit dieser anfangen sollte. Außer meinem Zwillingsbruder Kaito und meiner älteren Schwester Malou gab es in unserem Stamm einfach keine Jugendlichen. Wenn ich nicht grade mit Kaito tobte oder mit Malou stritt, verbrachte ich oft viel Zeit alleine. Unser Rudel war nicht sonderlich groß, 13 Tiger waren wir insgesamt. Nero war unser Rudelführer. Eigentlich verstand ich mich mit allen relativ gut, nur meine Tante Laria fand ich etwas komisch. Ich hasste sie nicht, keineswegs, ich mochte sie nur nicht sonderlich. Warum, weiß ich selbst nicht. Sie war immer nett zu mir und bemühte sich auch sehr um ein gutes Verhältnis zwischen uns, doch irgendwie klappte das nicht so richtig. Ihren Mann Chaisen, also meinen Onkel, mochte ich dafür umso mehr. Er war ganz korrekt, ein cooler Typ. Ich hatte viel Respekt vor ihm, doch wenn er denkt, er hätte mir irgendetwas zu sagen, was ich tun oder lassen soll, dann hat er sich gewaltig geirrt. Genauso wie meine Mutter, Chayenne, denn ich tat das was ich wollte, schließlich war es mein Leben und mein freier Wille, welchen ich mir niemals nehmen lassen würde. Wer mein Vater war wusste ich nicht, ich hatte ihn nie kennen gelernt. Ich trottete hin und her. Es ist so verdammt einsam und öde in diesem Dschungel. Gibt es hier nicht noch einen anderen Stamm in unserer Nähe? Meine Mutter hatte mir mal etwas von einem Mann erzählt, der Nico hieß. Sie hatte ihn auf einem Berg getroffen, wo sie auf meinen Vater gewartet hatte. Nico war total aufgelöst, weil seine Freundin gestorben war, was sie im Nachhinein aber doch nicht war und überlebt hatte. Jedenfalls gehörte er zu Luciens Rudel, welcher ein guter Freund von uns war. Wieso ist das eigentlich so kompliziert? Als meine Mutter das erklärt hatte, klang es viel simpler und verständlicher... In dem Rudel von Lucien müssen doch auch Jugendliche in meinem Alter sein.
Wo gehe ich eigentlich grade hin?, fragte ich mich und machte kehrt, zurück zu Kaito und Malou. Diese lagen auf dem Boden und genossen die warme Mittagssonne. Da ich sowieso nichts zu tun hatte, legte ich mich zu ihnen. Eine Weile lagen wir da so herum und ich hatte über vieles nachgedacht. Ich hatte viele Fragen, auf die ich aber keine Antworten bekommen würde, zumindest nicht von irgendjemandem aus dem Stamm hier. Fünfzehn Jahre lang lebte ich nun in diesem Dschungel und hatte ihn noch nicht ein einziges mal verlassen. Wieso auch, schließlich bekam ich hier genug zu fressen und einen kleinen Bach gab es hier auch in der Nähe. Trotz allem wollte ich unbedingt hinaus und schauen, wie das Leben außerhalb des Dschungels abspielte. Vor kurzem hatte ich auch entdeckt, dass ich einer der wenigen war, die etwas besonderes konnten, eine Gabe hatten, welche sehr selten war. Unser Rudel übte Hypnose aus, womit man andere beeinflussen konnte, indem man Blickkontakt hat. Selbstverständlich dürfen wir diese Fähigkeit nicht innerhalb des Rudels einsetzten, was aber auch wirklich nicht nötig war.
Es war still und ein leichter Wind wehte um uns umher und trug einige Blätter mit sich. Immernoch lag ich mit meinen Geschwistern in der Sonne und faulenzte. Wenn jetzt nicht noch irgendetwas passiert, dann raste ich noch aus. Und das war wohl das Stichwort, denn aufgeregt kam Chayenne, meine Mutter auf mich zu. In letzter Zeit wirkte sie etwas gestresst und und verplant, wofür ich kein Verständnis hatte, denn was gab es für einen so besonderen Grund für einen im Dschungel lebenden Tiger so viel Stress zu schieben? Eigentlich keinen. Trotzdem sagte ich nichts, sondern hörte ihr einfach nur zu. „Shino! Da bist du ja. Also hör zu, wir müssen uns beeilen, Lura wartet bereits!“, sagte sie aufgeregt und zwang mich aufzustehen. „Wer ist Lura?“, fragte ich und verstand nicht, was um Himmels Willen sie von mir wollte. „Deine wahrscheinlich bald- Verlobte! Mila und Silas wollen sich dich mal anschauen, Lura ist ihre Tochter und sie ist wirklich eine Schönheit“, erklärte sie mir. Moment, meine was?! Bald- Verlobte? Aber.., ich war sprachlos. Klar denken konnte ich auch nicht mehr. Diese Situation war einfach zu überfordernd für mich. Aber hey, immerhin komme ich aus diesem Dschungel hier raus. Wird auch langsam mal Zeit.. Ich bin gespannt auf diese Lura.. Wenn sie wirklich so schön ist, wie meine Mutter behauptet, ich meine, wieso nicht? Zusammen mit meiner Mutter lief ich zuerst aus unserem Dorf hinaus und lief dann mit ihr zu einem großen Felsen. Diesen kletterten wir hinauf und liefen dann auf diesem weiter. Weiter Vorne befand sich ein großer Wasserfall und ein langer Fluss. Hieraus entsprang unser Bach, was ich auch jetzt erst bemerkte. Wir liefen einen Pfad unter dem Wasserfall entlang und kamen schließlich auf der Spitze eines hohen Berges an. Die Aussicht von hier war überwältigend. Zum ersten Mal hatte ich den Dschungel verlassen und befand mich Draußen im Freien. Vor mir befand sich eine weite Savannenlandschaft. Einzeln standen hier Schirmkazien und auch hier floss ein kleiner Fluss entlang. Der Himmel war hellblau und wurde von ein paar weißen Tupfen beschmückt. Noch nie hatte ich den ganzen Himmel gesehen. Immer versperrten mir Baumkronen sie Sicht. „Du kannst die Natur später bestaunen, wir müssen uns beeilen!“, drängte meine Mutter und lief bereits einen kleinen Pfad bergab entlang. Sofort folgte ich ihr. Es war ein relativ weiter Weg, wir waren noch an die zwanzig Minuten unterwegs, bis wir an einem großen Graben angelangten. Hinter diesem befand sich ein Dschungel, welcher unserem ähnelte, aber trotzdem anders war. Dieser war fremd, kein Gebiet Neros Stammes. Erst als meine Mutter über diesen sprang und in diesem verschwand, sprang auch ich über den Graben und versuchte mit ihr Schritt zu halten, was alles andere als einfach war, denn sie bewegte sich geschmeidig und beinahe lautlos durch den Dschungel und schlängelte sich so zwischen den Bäumen hindurch, dass ich sie fast verlor. Wir kamen an einer Lichtung an, wo viele Tiger lagen und keine Notiz von uns nahmen. Wie das Gebiet in dem ich mich befand, so waren auch diese Tiger fremd, anders. Ihre Fellfarbe war nicht wie unsere, unsere war fast vollkommen schwarz, sondern sie hatten ein dunkles und sehr intensives orange. Es war faszinierend wie gleich und doch verschieden sie alle aussahen. Mein Blick fiel auf eine Gruppe von Jugendlichen. Um genau zu sein waren es vier. Doch ehe ich ihre Aufmerksamkeit erlangen konnte, zog mich meine Mutter in eine andere Richtung. „Shino! Ich hab dir doch gesagt du sollst mit mir kommen!“, zischte sie mir zu und blieb vor einer bildschönen hellen Tigerin stehen. Neben ihr saß ein dunklerer Tiger, so wie die anderen. „Hallo, und du bist Shino? Mein Name ist Mila und das ist Silas, mein Mann“, begann die helle Tigerin ein Gespräch aufzubauen. „Lura! Kommst du mal bitte?“, rief der andere. „Ja, ähm, nett ihre Bekanntschaft zu machen“, versuchte ich einen höflichen Satz, wie meine Mutter mir vorgewiesen hatte. Eine junge dunkle Tigerin kam auf mich zu und verbeugte sich kurz vor mir und meiner Mutter. „Ich bin Lura. Du musst dann wohl Shino sein“, sagte sie und ich war direkt fasziniert von ihr. Als sie sich setzte bemerkte ich, dass ihr Hals und ihre Brust heller waren, als der Rest ihres Felles. Es war ein schöner Farbüberlauf. „So, ich würde sagen ihr habt ein wenig Zeit euch kennen zu lernen. Wir müssen noch ein paar wichtige Dinge mit Chayenne abklären, wir rufen euch später, okay?“, fragte Mila mich und ich nickte. Wortlos führte mich Lura hinter eine Höhle unter einen Baum, wo sie sich erstmal im Schatten niederließ. Sie war schön, aber nicht wirklich überwältigend. „Du bist schön“, versuchte ich das Schweigen zwischen uns zu brechen. „Danke, Shino. Deine Mutter hat schon viel über dich erzählt. Du bist wirklich so charmant wie sie meinte“, erwiderte sie und ich fragte mich langsam, ob ich mir Sorgen um meine Mutter machen müsse. Wieso spricht meine Mutter hinter meinem Rücken über mich? Es ist nicht so, als wenn mir das nicht egal wäre oder so, aber sie spricht mit niemandem über mich. Immer war es Malou gewesen, ihr Lieblingskind. Sie wirkte sehr sympathisch und zuvorkommend, anders als ich, dem es egal war, der sich einen Dreck um andere scherte. Ich meine, wieso verdammt sollte ich mich um jemanden kümmern, wenn sich keiner um mich kümmerte? Ich kam alleine zurecht, genauso wie die anderen, also wozu das ganze? „Das ist meine Schwester, Aya“, fuhr Lura fort und deutete auf eine weitere Tigerin, die ihr verblüffend ähnlich sah. Mir war gar nicht aufgefallen, dass sie weiter geredet hatte. Gemeinsam gingen wir zu den anderen hinüber und ich lernte sie allmählich etwas kennen. Jedenfalls genug, um mit einander herum zu toben. Dabei war noch ein Junge, Lian hieß er, wenn ich richtig verstanden hatte, der eigentlich ganz nett war, aber trotzdem hatte er etwas, was ihn im negativen Licht darstehen ließ. Meinerseits, versteht sich. Warum, weiß ich selbst nicht, vielleicht aber auch nur weil Lura öfters seine Nähe suchte? Oder war das Aya? Wie auch immer, jedenfalls traute ich ihm nicht so ganz über den Weg. Neben den dreien stach aber ein Mädchen besonders heraus, Saphir. Dieser Stamm war anscheinend bunt zusammen gemixt worden, denn es waren Tiger verschiedener Farben vertreten, anders als bei uns, wo alle gleich aussahen. Saphir hatte ein silberschimmerndes Fell und so blaue und glänzende Augen, wie der Edelstein selbst. Sie faszinierte mich so sehr, dass ich meine Augen nicht von ihr lassen konnte. Wieso redet sie nicht mit mir? Möchte sie denn nicht wissen wer ich bin? Es schien so, als würde sie meine Blicke auf sich spüren und wendete sich direkt ab und lief zu Lian, an welchen sie sich drankuschelte. Verstehe, der Typ da ist also ihr Freund. Wieso konnte ich mir das schon denken? Bei ihrer Schönheit aber auch kein Wunder.., dachte ich erst verächtlich, doch dann fing ich an auch sie zu ignorieren. Stattdessen schenkte ich meine volle Aufmerksamkeit Lura, welche diese sichtlich genoss. Sie war, zu meinem Glück, genauso verspielt und verschmust wie ich. Es war wie in so einem schlechten Liebesfilm für Jugendliche, etwas zu viel des Guten, aber trotzdem absolut witzig. Vielleicht ähnelte es auch eher einer Komödie, ich wusste es nicht. Ein wenig von beidem ist dabei, dachte ich und lief Lura hinterher.
Nach einer Weile hörte ich meine Mutter nach mir rufen. Ich trabte, mit Lura an meiner Seite, zu ihr und wir verabschiedeten uns voneinander. Sie war wirklich ein tolles Mädchen. „Ihr scheint euch ja gut zu verstehen“, nickte mir meine Mutter zu und es war eher sowas wie eine Danksagung, als einer Feststellung. „Ja Mama, Lura ist wirklich bezaubernd“, entgegnete ich und betonte das so sehr ich konnte. Es sollte keineswegs ironisch oder so klingen, es war wirklich ernst gemeint, aber ich wollte auch mal ein wenig übertreiben. Doch sie schüttelte nur den Kopf und ging weiter. „Beruhig dich, ich meine das im übrigen ernst. Ich mag Lura wirklich“, bestätigte ich ihr noch einmal. Doch es kam keine Reaktion ihrerseits. „Darf ich sie morgen wieder sehen?“, fragte ich und versuchte ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, doch sie schwieg weiterhin, bis wir wieder an unserem Rudel angelangt waren. „Shino und Lura, die Tochter von Mila und Silas, sind nun offiziell einander versprochen!“, rief sie in die Runde, ignorierte mich aber weiterhin. Moment, was? Darf ich da denn gar nicht mitreden? Es ist schließlich mein Leben, was ihr ruinieren wollt!, wollte ich schon losbrüllen, verkniff es mir aber doch in letzter Sekunde noch. Kaito sprang auf mich zu und fragte mich alles mögliche, was ich teilweise selbst garnicht beantworten konnte. „Morgen dürft ihr dann auch alle Lura kennen lernen, wir sind bei ihnen eingeladen!“, rief meine Mutter noch anschließend in die Runde und ging zu Maya, Blaise und Elisa, ebenfalls Tigerinnen aus unserem Stamm.
Schön Mutter, danke dass ich das auch erfahre, was ich morgen vor habe. Also ist es jetzt offiziell: Lura ist ab heute meine Verlobte. Nur weiß ich nicht ob ich mich freuen soll oder nicht? 

Freitag, 14. Juni 2013

(2) KAPITEL 1 [Anfang des zweiten Buches]

SAPHIR

„Saphir!“, rief mich Lura. Sie war eine der Zwillingstöchter von Mila und Silas. Lura und ihre Schwester Aya hatten hell-dunkeles Fell und schöne braune Augen. Aya war im großen und ganzen ganz lieb, jedoch war sie auch oft zickig. Lura war nicht anders. Sie waren halt typische Zwillinge – leicht zu verwechseln. Man konnte sie eine Weile lang ertragen, aber mit der Zeit werden sie schon ziemlich nervig. Ich sprang zu ihr und wir liefen zum Rudel zurück. Während sie sich zu ihrer Schwester und ihren Eltern gesellte, ging ich zu unserer Höhle und ließ mich davor nieder. Ich ließ meinen Blick über das Rudel schweifen. Lucien lag wie gewöhnlich auf dem höchsten Platz und neben ihm lag seine Gefährtin, Felicitas. Unter einem großen schattigen Baum entdeckte ich ein paar Tigerinnen und am Rand des Platzes sah ich Lian, der Sohn von Lucien und Felicitas. Lian war eigentlich ganz nett, jedoch erschien er mir ein bisschen arrogant. Die Zwillinge, Ich und Lian waren die einzigen Jugendlichen im Rudel. Aya, Lura und Ich waren 14 und Lian war 15. Wenn eine Tigerin 14 Jahre alt wird, erfährt sie wem sie versprochen werden sollte. Ich wurde – zu meinem Leid – Lian versprochen. Er sah gut aus und war auch der totale Mädchenschwarm, jedoch fand ich ihn einfach zu eingebildet. Lura und Aya finden ihm im Gegensatz zu mir total toll. Aber ich musste mich damit zurechtfinden, dass Lian mir nunmal versprochen war. Tiger können ihre zukünftige 'Ehe' nur dann lösen, wenn der Partner stirbt. Nur mein Vater konnte sich von seiner eigentlichen Gefährtin – Mila – trennen. Mila liebte jemand anderes und Nico auch. Jedenfalls waren Aya und Lura noch niemandem versprochen, da es hier im Rudel keinen für sie gab. Mila und Silas überlegten sie zwei Tigern aus einem unserer befreundeten Stämme zu versprechen. Es gab insgesamt an die fünf Stämme. Zwei von diesen liegen in unserer Nähe, die anderen zwei liegen jedoch weit weg. Wir (Luciens Rudel) waren mit Neros Rudel befreundet. Aber mit Masons Rudel waren wir total verfeindet. Wieso wusste ich nicht. Jedes Rudel hat auch seine eigenen Fähigkeiten, zumindest Manche aus einem Rudel. In unserem Rudel hatten Nico, Lucien und Silas die Fähigkeit des Feuers. Wir jungen Tiger müssen selbst herausfinden, ob wir eine Fähigkeit besitzen. Dies erfährt man meistens durch Zufall. Wenn ja kann man diese ausprägen und anfangen zu beherrschen. Ich wusste nur, dass Masons Rudel die Fähigkeit hat, jemanden zu betäuben. Was die anderen können wusste ich nicht. Ich selber wünschte mir auch, dass ich die Fähigkeit des Feuers von meinem Vater geerbt hätte.
„Na meine Süße. Ist alles in Ordnung?“, fragte mich Scarlett, meine Mutter. Sie ließ sich neben mir nieder und sah mich fragend an. Wir Tiger durften im Rudel nur in unserer tierischen Gestalt herumlaufen. Menschen waren verboten. Die Tiger in unserem Rudel waren alle größtenteils dunkel, außer Mila. Sie war etwas heller, was ihre Töchter teils auch geerbt hatten. Auch meine Mutter war besonders. Sie hatte mir ihre Geschichte erzählt, in der sie sich von einem gewöhnlichen Menschen in einen Tiger verwandeln wollte, nur um mit Nico – meinem Vater – zusammen sein zu können. Dabei ist ein Teil in ihr gestorben, welcher sich nun durch einen Tiger ersetzt hatte. Deshalb war sie eine wunderschöne, seltene weiße Tigerin. Ich hatte einen Teil davon geerbt, da mein Vater jedoch ein dunkler Tiger war, war ich eine hell silberne, nahezu weiße Tigerin mit saphirblauen Augen. Daher kam auch mein Name.
„Ja alles ist in Ordnung, Mutter“, antwortete ich ihr endlich. Sie sah mich skeptisch an, sagte jedoch nichts. Ich stand auf und lief zu Lian. Wenn ich schon mein ganzes Leben mit ihm verbringen muss, sollte ich mich doch wenigstens mit ihm vertragen. Immerhin bin ich ja quasi mit ihm zusammen, dachte ich und stupste ihn zur Begrüßung mit der Nase an. „Na meine Schönheit. Wie geht es dir?“, fragte er mich liebevoll. So schlimm ist er doch gar nicht, dachte ich aufmunternd und antwortete: „Mir geht es gut. Eigentlich wie immer.“
Nun kamen auch Aya und Lura angetapst und fragten Lian mit klimpernden Augen: „Na Lian? Wie geht es dir?“ „Ganz gut, und euch?“, fragte Lian und lächelte die Beiden an. „Hey, wisst ihr schon davon, dass ich auch das Feuer beherrsche?“, fragte Aya aufgeregt. Zum Beweis lies sie eine kleine Flamme mit viel Mühe im Gras brennen. Sie ging schnell wieder aus und Aya lächelte uns triumphierend an. Und das wars? Wenn ich das Feuer beherrschen könnte, wäre ich bestimmt viel mächtiger als sie!, dachte ich verächtlich. Ich erschrak über mich selbst das ich so von ihr dachte. Was ist nur los mit mir? Wahrscheinlich lag es einfach daran, dass die Beiden immer dann auftauchten, wenn ich Zeit mit Lian verbringen wollte. Oder vielleicht lag es auch daran, dass Lian Aya mit großen Augen anschaute. In ihnen lag ein bewunderndes Glänzen und noch etwas, was ich nicht einschätzen konnte. „Wow! Aya, das ist ja fantastisch!“, sagte Lian und lächelte sie wieder an. Aya kicherte und sie und Lura verschwanden wieder. Als sie so selbstgefällig davon trabten, hatte ich nur einen Gedanken. Irgendetwas ist doch falsch an denen!

Donnerstag, 13. Juni 2013

wichtigste Personen (zweites Buch)

Luciens Rudel

-Scarlett
-Nico
-Saphir (14, Tochter von N + S)
-Lucien
-Felicitas
-Lian (15, Sohn von L + F)
-Mila
-Silas
-Aya & Lura (14, Zwillinge, Töchter von M + S)


Neros Stamm (Befreundet)

-Chayenne
-Shino & Kaito (15, Zwillinge, Söhne von C) & Malou (16, Tochter von C)
-Nero
-Chaisen
-Laria (Schwester von C)


Maisons Stamm (Verfeindet)

-Alice
-Mila (früher)
-Maison (echter Vater von Mila)
-Lurax
-Amelia
-Kronx
-Gekk

Mittwoch, 12. Juni 2013

zweites Buch?

Hey.
Wir überlegen ein zweites Buch zu schreiben, haben auch schon Ideen und werden die wahrscheinlich auch umsetzen, sodass am Freitag der erste Teil erscheint! (:
Auch wenn es vielleicht manche gibt, die unsere Geschichte nicht so gut finden, wir werden sie trotzdem schreiben weil es uns Spaß macht.
Was haltet ihr von der Idee?
Würdet ihr das zweite Buch lesen wollen?
Kommentiert doch eure Meinung, würden uns freuen! (:

-Liebe Grüße, Saskia und Ani.

Montag, 10. Juni 2013

KAPITEL 28 [Ende des ersten Buches]

NICO

„Scarlett! Nein!“, schrie ich mit Lucien wie aus einem Mund und sprang sofort zu ihr. Meine Befürchtungen waren wahr geworden. Vor mir lag Scarlett auf dem Boden. Behutsam legte ich ihren Kopf auf meinen Schoß und Lucien versuchte ihre Blutung zu stoppen. Vorsichtig tupfte er das Blut an ihrem Hals weg. Doch es half alles nichts, denn ihr Atem wurde immer flacher und ihr Herzschlag langsamer. „Bitte nicht! Halte durch Scar“, flüsterte ich und strich ihr über ihr Gesicht. Aber es war zu spät. Ihr Herz kam zum Stillstand und sie lag regungslos auf mir. „Nein, das.. Das kann nicht sein.. Scar“, krächzte ich und schüttelte meinen Kopf. Ich konnte einfach nicht glauben, dass das das Ende war. Meine Kehle schnürte sich zu und der Atem blieb mir weg. Nicht Scarlett.., dachte ich und senkte meinen Kopf. Jemand legte mir eine Hand auf die Schulter. Es war Felicitas, die sich neben mich setzte. „Nico, es tut mir Leid..“, sagte sie zu mir und ich schüttelte ihre Hand ab. Mitleid war das letzte, was ich jetzt brauchte. Ich versuchte aufzustehen, doch meine Beine gaben unter mir nach. Besorgt griff Felicitas nach mir und half mir hoch. „Geht schon“, war alles, was ich an Worten noch finden konnte. Nun nahm ich auch Scarlett auf die Arme und trug sie in meine Höhle, wo ich sie auf einem flachen Felsen nieder legte. Vorsichtig faltete ich ihre Hände und strich ihre Sachen zurecht. „Es tut mir Leid Scar. Ich hätte besser auf dich aufpassen müssen.. Bitte verzeih mir“, flüsterte ich, in der Hoffnung, sie könnte mich wirklich hören. „Ich liebe dich“, sagte ich noch zuletzt und küsste sie auf die Stirn. Dann zerrte mich Mila bereits aus der Höhle und versperrte den Eingang. „Es ist nicht gut für dich“, sagte sie nur und hielt mich davon ab, auch nur noch einen einzigen Blick in die Höhle zu werfen. Alle Augen waren auf mich gerichtet. In diesen lag Mitleid. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Es war als würde mir jemand ein Messer mitten in mein Herz rammen. Es war Schmerz. Doch Schmerz allein konnte mich nicht unter kriegen. Da war noch etwas. Unkontrollierbare Wut. Sie war so ziemlich das Schlimmste, was man fühlen konnte. Trauer schlich sich noch dazu. Keiner weiß, was Trauer gemischt mit unstillbarer Wut ist. Es ist schrecklich, denn es frisst mich auf. Innerlich war ich bereits am Boden. Es war nur eine Frage der Zeit bis ich auch äußerlich zusammen brach. Immernoch waren alle Augen auf mich gerichtet. Auch Silas hatte ich nun entdeckt. Er machte ein paar Schritte auf mich zu, doch ich knurrte nur laut und nahm mein Tigerwesen an. Ein lautes Brüllen stieß ich aus und Silas blieb stehen. Stille folgte. Ich konnte es hier nicht mehr aushalten, denn alles zerrte an mir und zwang mich zu Boden. Mit gesenktem Kopf verließ ich erst das Dorf, dann den Dschungel. Ziellos trabte ich durch die Gegend ohne zu wissen, wo ich eigentlich war. Gedanken schwirrten mir durch den Kopf und Fragen, welche ich selbst aber nicht beantworten konnte.
Das ist alles meine Schuld. Ich hätte besser auf Scarlett aufpassen müssen. Was hatte ich mir eigentlich dabei gedacht, sie könnte wirklich eine von uns werden? Wie konnte ich einer alten Legende mehr Glauben schenken, als meinem eigenem Verstand? War es nicht klar, dass sie nicht zu uns passte? Nicht in meine Welt? Schließlich sind Menschen nicht ohne Grund bei uns verboten.. Ich hatte Scarlett in Gefahr gebracht. Das alles wäre nicht passiert, hätte ich sie nicht zu mir mitgenommen, sie garnicht erst kennen gelernt. Scarlett, ich hoffe du kannst mir verzeihen. Wieso hatten wir beide geglaubt, du könntest es tatsächlich schaffen? Wieso hatten wir so sehr auf die Legende vertraut? Sie hat doch nicht funktioniert, es hat dein Leben gekostet.. Lucien hätte niemals zulassen dürfen, dass ich dich mitbringe. Silas hätte mir es ausreden sollen, mich mit dir zu verabreden und Felicitas genauso. Dabei, hatten sie dies alles getan, nur ich hatte nicht auf sie gehört.. Das werde ich mir selbst niemals vergeben.
Ich war am Fuße eines hohen Berges angekommen und beschloss, dort hinauf zu steigen. Der Himmel war mein Ziel, auch wenn ich dort selbst nicht hin gelangen konnte, so wollte ich ihm wenigstens näher sein. Kilometerweit war ich gelaufen, doch ich wollte weiter. Jeder Schritt fühlte sich so an, als würde ich über glühend heiße Kohlen laufen und jeder Atemzug, als würde ich Gift einatmen. Es war die Hölle. Trotzdem kämpfte ich mit mir selbst und gelangte nach ganz oben. Dort ließ ich mich nieder und brüllte mir die Seele aus dem Leib. Den Schmerz. Die Wut. Schließlich fielen mir meine Augen zu und ich schlief ein.

Kurze Zeit später wurde ich von Schritten geweckt. Neben mir breitete sich ein Schatten aus und ich öffnete langsam die Augen. Eine anmutige Frau stand nun vor mir. Sie trug ein weißes, langes Kleid, welches im Wind flatterte. Ihre Haare waren Braun und hatten einen zarten Rotstich. Sommersprossen umspielten ihre Nase und Wangen. Ich rieb mir meine Augen und setzte mich aufrichtig auf. Sie ließ sich neben mir nieder und lächelte mir zu. „Es ist schön hier, oder?“, sagte sie mit einer lieblichen Stimme. Ich zuckte nur mit den Schultern und musterte sie. „Wie heißt du?“, fragte sie mich und ich nannte ihr meinen Namen. „Nico also. Du bist doch einer von Luciens Jungs, oder?“
„Ja, aber woher weißt du das?“
„Er hatte mich damals mit Trie gerettet. Apropos, wie geht es ihm denn?“
„Trie ist vor wenigen Tagen gestorben. Er ist in einem Kampf gefallen“, antwortete ich und sie schaute mich erstaunt an. „Nein.. Das kann nicht sein.. Reden wir grade vom selben Tiger?“
„Leider ja“, sagte ich und ihr Gesichtsausdruck verzerrte sich.
„Oh. Ich wollte ihn noch so gerne sehen.. Im übrigen heiße ich Chayenne. Eigentlich wollte ich mich hier mit meinem Freund treffen, doch er scheint noch nicht hier zu sein. Und wieso bist du hier? Wartest du auf deine Freundin?“, fragte sie und versuchte wieder zu lächeln.
„Schön wärs. Sie lebt nicht mehr, und das ist alles meine Schuld..“, wieder bekam ich kaum noch Luft. Chayenne wirkte sehr sympathisch, sie strahlte Freude aus. Lebenslust. Alles, was mir zurzeit fehlt, dachte ich und sie runzelte die Stirn.
„Das tut mir Leid. Wie hieß sie denn?“
„Scarlett.“ Ihr Name flog über meine Lippen und meine Haut fing an zu kribbeln.
„Sie war aber keine Tigern, oder? Sonst würde ich sie kennen.“
 „Nein, sie war ein Mensch. Das ist ja das Problem. Ich wünschte dieser Legende niemals Glauben geschenkt zu haben..“, sagte ich immer leiser werdent und sie schüttelte den Kopf.
„Willst du damit sagen, dass sie eine Tigerin werden wollte? Aber dann ist doch noch nichts verloren!“, sagte sie aufmunternd.
„Was heißt hier noch nichts verloren? Sie ist tot!“
„Ich glaube als du die Legende gehört hast, hast du nur halb zu gehört“, lachte Chayenne und diesmal war ich derjenige, der die Stirn runzelte. „Also, ich möchte es dir ganz erklären. Wenn ein normaler Mensch zu einem Tiger werden möchte, muss dieser sich erstmal einen Stamm suchen, dem er beitreten möchte. Wenn dieser dann die Zusage gibt, den Menschen bei sich auf zu nehmen, muss dieser seine Stärke und Geschicklichkeit in einem Kampf beweisen. Er muss einen ausgewachsenen Tiger, ganz gleich welchen Stammes und unabhängig welches Geschlechtes, töten und den Körper dem Rudelführer vor die Füße legen. Doch ein wichtiges Detail wird meistens vergessen: Um die Verwandlung komplett zu machen, muss auch der Mensch sterben. Dabei stirbt ein Teil der menschlichen Seele und schafft so Platz um der des nun verstorbenden Tigers sich ein zu nisten. Verstehst du das? Die eigene Seele wird in zwei geteilt, um einen neuen Teil zuzulassen. Äußerlich mag deine Freundin vielleicht tot wirken, aber Innerlich steckt sie noch voller Leben!“
Chayennes Augen leuchteten auf und auch meine Mundwinkel zuckten nach Oben. Also gibt es noch Hoffnung? Scarlett ist gar nicht tot? Ich war kurz davor Freudensprünge zu machen, als wieder die altbekannten Zweifel aufkamen.
„Aber woher weißt du das?“, fragte ich und wollte eigentlich keine Antwort. Was sie sagte genügte mir um mich wieder gut zu fühlen.
„In unserem Stamm wird diese Legende mündlich immer weiter überliefert. Meine Urgroßmutter war ein normaler Mensch gewesen, bis sie sich in meinen Urgroßvater verliebte. Die ganze Legende gerät oft in Vergessenheit, deshalb hütet mein Stamm sie gut, damit genau das nicht in Vergessenheit gerät. Und nun lauf zu Scarlett! Vielleicht wartet sie schon auf dich“, befiel sie mir und lachte dabei. „Ich danke dir vielmals. Bitte lass alles was du gesagt hast Stimmen. Ich hoffe wir sehen uns wieder“, sagte ich mit solch einem leuchten in den Augen, welches ich noch nie hatte.
„War nett dich kennen zu lernen, Nico. Richte Lucien schöne Grüße von mir aus!“, rief sie mir nach und schon war ich verschwunden. Zwar wusste ich nicht wo ich war, aber ich hatte ein sehr gutes Gedächtnis. Ich nahm den selben Weg wieder zurück und raste nahezu dabei. Ich hoffe Scarlett ist noch nicht aufgewacht.. Zu gerne würde ich sie als Erster sehen! Glücksgefühle flossen durch meinen Körper und gaben mir das nötige Adrenalin um so schnell wie möglich wieder zu Hause zu sein. Erst im Dorf verlangsamte ich mein Tempo und hielt wenige Meter vor der Höhle an. Erstaunt schauten mich Felicitas und Mila an, die neben der Höhle lagen, die Köpfe auf ihren Pfoten. Ich strahlte Freude aus, der Rest des Dorfes versank in Trauer. „Ist sie schon aufgewacht?“, fragte ich die beiden, doch Mila schenkte mir nur einen „Alles in Ordnung?“- Blick. Bei Felicitas sah es genauso aus. Irritiert starrte sie mich an. „Was meinst du?“, fragte sie. Auch Lucien kam nun zu uns getrottet und musterte mich genau. Doch ich hatte keine Zeit für Erklärungen, denn ich sah etwas unglaubliches. Vor mir trat ein wunderschöner weißer Tiger aus der Höhle. Ihre Augen waren tiefblau. Ich verwandelte mich nun in einen Menschen, um sie in meine Arme schließen zu können. Auch sie tat es mir nach und trat einen Schritt vor. Sie war zwar noch Scarlett, so wie ich sie zuletzt gesehen hatte, doch etwas hatte sich an ihr verändert. Was genau konnte ich nicht sagen, vielleicht war sie einfach noch schöner geworden. Behutsam nahm ich sie in meine Arme. „Oh Gott, Scarlett. Ich dachte.. ich dachte du wärst..“, mehr brachte ich nicht über die Lippen. Ich wollte mich nicht mehr daran erinnern, wie ich mich vorhin noch gefühlt hatte. „Ich habe es geschafft, Nico. Ich habe es tatsächlich geschafft!“, sagte sie kaum hörbar und eine Freudenträne kullerte über ihre Wange. Scarlett strahlte wie die Sonne und ich vermutlich genauso. „Das sehe ich. Und ich lasse dich nie wieder los. Egal was passiert!“
„Versprichst du mir das?“, fragte sie lächelnd.
Ihr Lächeln nach all dem ganzen ist unglaublich. Es ist das schönste was ich seit langem sah. Ich glaube daran, dass alles für etwas bestimmtes geschaffen ist. War es Schicksal oder nur reiner Zufall, dass Scarlett damals angerufen hatte? War es Schicksal oder bloß Zufall, dass ich mich in sie verliebte? Ist es Ihr Schicksal, dass sie nun das ist, was sie ist; eine Tigerin? Also ich glaube schon. Ich glaube an das Schicksal, denn alles hat doch einen bestimmten Grund, warum Dinge geschehen, wie sie geschehen. Früher dachte ich, als ich klein war, Mila wäre mein Schicksal. Doch so ganz stimmt das nicht. Sie ist eher ein Teil davon. Genauso wie alle anderen, die ich bisher getroffen habe. Das Schicksal spielt mit mir. Es hat mich vieles glauben lassen und oft in die Irre geführt, doch nun habe ich den richtigen Weg gefunden. Jetzt spiele ich mit dem Schicksal. Denn egal was es mir noch für Überraschungen über meinen Weg wirft, Scarlett werde ich nicht mehr loslassen. Egal was kommt. Selbst wenn sie mich mal verlassen sollte, werde ich mit ihr gehen. Sie gehört mir, wirklich nur mir. Und das, ein Leben lang.
„Ich verspreche es dir! Denn das Schicksal hat mir dich gebracht, genau wie all die anderen Dinge, die noch kommen werden. In der Zukunft!“

Doch nicht alles war immer so einfach, wie es schien. Denn der Schein trügt oft.. Trotzdem haben wir gemeinsam alles überstanden. Gute Freunde sind gekommen und gegangen, genauso wie Probleme. Nun erwarten wir eine Tochter. Wir tauften sie Saphir, weil ihre Augen genauso funkelten. Immer dachten wir, die Vergangenheit wäre schlimm gewesen, doch da hatten wir noch keine Ahnung von der Zukunft...

Freitag, 7. Juni 2013

KAPITEL 27

SCARLETT

Nachdem Nico weggegangen war, ging ich zu Lucien. „Ich hab gehört, dass du denkst bereit zu sein“, begrüßte mich Lucien in seiner menschlichen Gestalt. „Du hast richtig gehört. Ich will es hinter mich bringen und endlich ein Teil von euch sein“, antwortete ich ihm. „Glaube mir... Du bist schon ein Teil von uns“, sagte er kaum hörbar. Er musterte mich und ich starrte zu Boden. Wo bleibt Nico nur? Plötzlich hörte ich irgendwo ein Schreien. Ich wusste nicht woher es kam oder vom wem es kam, jedoch jagte es mir einen Schauer über den Rücken. Wieder hörten wir Tigergebrüll und ich drehte mich schlagartig um. Ich sah fünf große Tiger, welche ins Dorf traten. Alle Mütter brachten ihr Kinder in Sicherheit und Lucien stellte sich beschützend vor mich. Auch alle Krieger kamen und stellten sich in Position. Der Größte von ihnen brüllte lauthals und stürzte auf mich. Lucien verwandelte sich rasch und sprang gegen ihn. Sie rollten zur Seite und kämpften um Leben und Tod. Nun bemerkte ich auch, dass alle anderen angefangen hatten zu kämpfen. Ein großer brauner Tiger kam auf mich zu und knurrte kampflustig. Bin ich wirklich bereit? Verdammt – ja!, dachte ich und begab mich in eine Angriffsposition. Aus dem Blickwinkel endeckte ich Nico am Rand welcher auf mich zu stürzte. Ich war abgelenkt, so konnte der große Tiger auf mich springen und mir seine Krallen in die Schultern graben. Ich schrie auf, trat ihm hart in den Magen und rollte weg. Hastig stellte ich mich wieder auf und blickte ihn an. Er war wütender als zuvor. Er sprang – ich duckte mich. Als er über mir war, schlug ich ihn erneut in den Magen und er landete unsanft auf den Boden. Sofort machte ich mir das zum Nutzen und sprang auf ihn. Nico war nun bei uns angelangt und wollte mir helfen, jedoch schrie ich schnell: „Das ist Meiner!“
Blitzschnell schoss meine Hand zu der Kehle des Tigers und drückte. Man hörte nur noch ein Knacken und der Tiger begann Blut zu spucken. Nach ein paar Minuten erstickte er an seinem eigenen Blut und blieb regungslos liegen. Als die anderen Tiger sahen, was ich mit ihm gemacht hatte, machten sie sich aus dem Staub. Lucien nahm seinen Platz ein und schaute in die Runde. Ich zog den schlaffen Körper zu ihm und legte ihn ab. Lucien sah mich erstaunt an und nickte. „Darf ich bitte in deinem Rudel als vollwertiger Tiger eintreten?“, fragte ich ohne zu Zögern. Ich hatte die Worte oft geübt, sodass ich sie nun auswendig konnte. Lucien schaute mir tief in die Augen und sagte mit fester Stimme: „Ja, das darfst du, Scarlett.“
Ich hatte erwartet, dass sich plötzlich irgendwas in mir regen würde oder so, jedoch geschah nichts. Alle sahen mich erstaunt an und schwiegen. Erwarten die jetzt das ich Feuer spucke oder was?, dachte ich gereizt. Wieso funktionierte das nicht? War es doch nur eine Legende?, dachte ich traurig. Dann fiel mein Blick auf den regungslosen Körper vor mir. Er ist doch tot!

Ich beugte mich vor und schaute mir seine Kehle an. Es sah ekelhaft aus. Ein Gemisch aus Fleisch, Blut und Knochen. Plötzlich zuckte der Tiger zusammen und mit letzter Kraft schoss seine Pfote nach vorn und schlitzte meine Kehle auf. Sofort zuckte meine Hand zu meiner nun blutenden Kehle und alles begann Schwarz zu werden. Ich taumelte rückwärts, fiel hin und hörte nur noch Lucien und Nico gleichzeitig: „Scarlett! Nein!“, schreien, ehe ich an meinem eigenen Blut erstickte...

Mittwoch, 5. Juni 2013

KAPITEL 26

NICO

Da hatte sie mich was gefragt. Wie sollte ich ihr das sagen? Darf ich das überhaupt? Natürlich darfst du das, das ist sogar deine Pflicht! Schließlich möchte sie eine von euch werden.. Es ist ihr gutes Recht es zu erfahren!, rief mir meine innere Stimme zu. Wieso verdammt ist das alles so kompliziert? Ich suchte nach den richtigen Worten, naja, genaugenommen brauchte ich selbst eine richtige Erklärung für das alles. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich weitaus nicht alles über meinen Stamm, über mich selbst wusste, als ich eigentlich zugab. Das Geheimnis wurde bei uns nie angesprochen, ich hatte es nur zufällig entdeckt. Nie hat mir jemand Fragen beantwortet, wie sollte ich nun also die von Scarlett beantworten? Eine unangenehme Stille umgab uns und sie saß ganz ruhig da, wagte es kaum zu atmen. „Das Geheimnis.. Darüber kann ich dir auch nicht viel erzählen. Alles was ich selbst weiß ist, dass jeder Stamm eines hütet. Es ist quasi eine bestimmte Fähigkeit, bei manchen ist es stärker ausgeprägt als bei anderem im Stamm, bei einigen sogar garnicht. Kein anderer Stamm weiß, welches Geheimnis wir genau haben, sie können es lediglich erahnen. Deshalb ist es auch immer ein Risiko, wenn man einen Stamm angreift, denn man weiß nie über welche besondere Gabe sie verfügen“, versuchte ich zu erklären. Immernoch saß sie da, still und hörte einfach nur zu. „Unser Geheimnis ist, dass wir das Feuer bändigen können. Es erfordert viel Kraft um dieses anzuwenden. Lucien beherrscht das Feuer einwandfrei, Silas und ich beherrschen es ebenfalls, aber es ist nicht so ausgeprägt wie bei Lucien. Aber auch mein Großvater Salio kann es anwenden. Allerdings wendet er es nie an, er möchte es nicht, warum, keine Ahnung. Von den anderen weiß ich das nicht. Woher diese Gaben kommen, oder wieso wir sie haben weiß ich selbst nicht. Es heißt auch, dass man diese trainieren kann, aber keiner weiß wie.“ Mein Blick wanderte zum Himmel. „Man muss einen nicht direkt in Flammen aufgehen lassen, man kann auch lediglich eine Illusion hervorrufen. Zwar ist diese genauso schmerzvoll, nur verbrennt man sich nicht daran, verstehst du?“, fragte ich sie und Scarlett nickte stumm. „Das ist unglaublich. Kannst du mir vielleicht etwas zeigen?“, fragte sie leise und schaute mich an. Ich versuchte all meine Kraft zu binden. Kraft durchströmte meinen Körper und mir wurde wärmer. Meine Hände fingen an zu kribbeln und meine Augen flackerten. Innerlich loderte das Feuer schon in mir, ich konnte es spüren. Es fühlte sich so an, als würde ich innerlich verbrennen. Meine Hand wanderte nach oben und direkt vor mir ließ ich Flammen entzünden. Erst war diese ganz klein, nur ein winziges Glühen, doch wenige Augenblicke später breitete es sich großflächig aus. Mit voller Konzentration formte ich das Feuer zu einem Herz. Dies war garnicht so leicht wie es sich anhört. Meine Finger formten das eigentliche Herz. Man kann sich das in etwa so verstellen, als wenn ich das Feuer berühren würde, mit meiner Hand alle Kanten umfahren würde, nur dass sich zwischen mir und dem Feuer Luft befand. Eine kleine Weile konnte ich es so in der Luft halten, konnte beobachten wie die Flammen züngelten und flackerten, bis meine Finger sich unangenehm verkrampften. Ich formte meine Hand zu einer Faust und das Feuer, so unlogisch es sich auch anhörte, verbrannte in sich selbst. Ich schüttelte meine Hand aus, es fühlte sich so an als würden Messer in diese einstecken. Schmerz überflutete mich, doch so schnell er gekommen war, verschwand er auch wieder und mein Zustand verbesserte sich. Scarlett schaute immernoch fasziniert auf die Stelle, wo ich eben das Feuer entfacht hatte. „Wow. Das.. das ist ja unglaublich!“, sagte sie mit leuchtenden Augen. Ich freute mich das es ihr gefallen hatte und dich nahm sie in meinen Arm. Es gab kein schöneres Gefühl als den Menschen den man über alles liebt bei sich zu haben, in den Armen zu fühlen. Auch wenn dieser Moment schön war, so plagten mich dennoch Sorgen. Sie fraßen mich innerlich auf. Immernoch konnte ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass Scarlett gegen einen Tiger kämpfen wollte. Als hätte sie meine Gedanken gelesen drehte sie ihren Kopf zu mir und flüsterte: „Mach dir keine Sorgen, ich werde das schon schaffen!“
Ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn und nahm ihre Hand. Zusammen gingen wir dann ins Dorf.
Felicitas schien es etwas besser zu gehen, denn sie kam auf uns zugehüpft und begrüßte uns freundlich. Silas und Mila lagen aneinander gekuschelt und Lucien lag wie üblich auf dem Felsen und schaute auf alle herab. Sein Blick ruhte auf Scarlett, was ihr sichtlich unangenehm war.
„Scarlett, was ich dir noch sagen wollte: dein Einsatz heute war sehr mutig von dir! Ohne dich wäre es wahrscheinlich nicht so gut ausgegangen!“, rief er von oben Scarlett zu und ich nickte. „Er hat Recht, Scar. Du warst unglaublich. So viel Stärke hätte ich dir nicht zugetraut“, sagte ich mit einem lächeln und sie schaute verlegen auf den Boden.
„Nico?“, fragte sie nach einer Weile. „Ich wäre glaub ich bereit. Kannst du mir das nochmal erklären was ich tun muss?“
Bereit? Nein, du bist noch nicht bereit! Du wirst es niemals sein. ICH werde es niemals sein, dachte ich, doch konnte es ihr nicht sagen. „Wir müssen einen potenziellen Gegner für dich finden, dann erkläre ich dir den Rest. Oder eher Du musst ihn finden..“, entgegnete ich und meine Gedanken wanderten sofort zurück zum Angriff. Da war diese Tigerin gewesen, sie hatte mich lähmen können, aber wie war das möglich? Woher stammte sie? Ich selbst fände es besser, wenn Scarlett gegen einen weiblichen Tiger kämpfen würde, diese sind zwar stark, aber nicht so stark wie männliche.
In Gedanken versunken schaute ich in eine Richtung. Etwas war hier falsch..
Scarlett, ich möchte dass du jetzt zu Lucien gehst. Ich bin sofort wieder da“, sagte ich leise und sie nickte. Anscheinend fühlte sie selbst, dass hier etwas nicht stimmte. Sofort ging sie auf die Empore und ich wurde Tiger. Meine Augen fixierten einen Baum, ganz weit hinten. Etwas bewegte sich dort. Langsam schlich ich mich aus dem Dorf heraus. Im Verborgenem beobachtete ich wie sich eine Tigerin erhob und hinuntersprang. Sie lief schnurstracks aus dem Dschungel hinaus und ich folgte ihr im Sprint. Auf einem großen Feld blieb sie schließlich stehen und drehte sich zu mir um. Es war die selbe Tigerin die mich heute blockiert hatte. Sie verwandelte sich in einen Menschen und stand als Alice vor mir. Auch ich tat es ihr nach und wir standen uns gegenüber. Sicherheitshalber hielt ich Abstand von ihr, bevor sie mich wieder manipulieren konnte. „Was willst du?“, fragte ich und schaute sie feindselig an. „Ich hatte dir doch gesagt, wir werden uns demnächst noch öfters sehen“, entgegnete sie fröhlich, doch als ich ein bedrohliches Knurren von mir gab, hörte sie auf zu lachen und fuhr fort: „Nico, Nico. Du bist so naiv. Eigentlich hatte ich mein Rudel auf euer gehetzt, weil Mila wieder zu uns kommen sollte, doch dann sah ich das Mädchen. Wie war ihr Name noch gleich? Scarlett? Wie dem auch sei, du glaubst doch nicht ernsthaft, du könntest mit einem Menschen zusammen leben“, sagte sie spöttisch und ging langsam auf mich zu. „Ich mache dir ein Angebot. Ihr gebt und Mila und dafür lasse ich Scarlett am leben.“ „Und wenn wir das nicht tuen?“, fragte ich sarkastisch. „Wenn nicht, dann wird deine Kleine nicht mehr lange durchhalten.. Überlege es dir gut“, sie stand bereits vor mir als sie das sagte. Eine fremde Kraft durchströmte meinen Körper und drang in mich ein. Sie versuchte mich erneut zu manipulieren. Innerlich versuchte ich eine Blockade aufzubauen und kämpfte gegen Alice an. Sie lächelte siegesicher, doch plötzlich schrack sie zurück. Was sie sah, waren Flammen in meinen Augen. „Du bist also einer der das Feuer beherrscht, ein sehr starkes Element“, sagte sie gespielt beeindruckt. „Doch du bist niemals stärker als ich!“, sagte sie und fing erneut an zu lachen. Wieder durchströmte ihre Kraft meinen Körper und riss die Blockaden nieder. Ich fiel auf dem Boden, wo ich hilflos da lag. Sie fesselte mich von innen. Langsam machte sie wieder Schritte auf mich zu und schüttelte ihren Kopf. „Du bist nicht annähernd so stark wie du tust.. Ich bin entteuscht“, rief sie beleidigt und ich ergriff diesen Moment und versuchte sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Meine Konzentration wanderte zu ihr und ich ließ sie in Flammen aufgehen. Natürlich nicht wirklich, nur von Innen. Abrupt blieb sie stehen und fiel auf ihre Knie. Schreie hallten. Tränen fielen. Immernoch hing ich am Boden und versuchte mich zusammen zu reißen, denn immernoch hatte ich noch nicht die völlige Kontrolle über mich selbst. Nun lag auch Alice vor mir auf dem Boden, erlitt Schmerzen. Ihr Gesicht war von Leid gezeichnet. Meine Kraft gab nach und ich hörte auf. Trotzdem blieb sie schreiend am Boden. „Wenn du es wagst, Scarlett auch nur ein Haar zu krümmen, erfährst du was richtige Qualen sind“, sagte ich drohend und rappelte mich auf. Ihre Schreie verstummten und ich hörte von weitem Schritte näher kommen. Und zwar rasant. Sofort machte ich mich aus dem Staub und legte den schnellsten Sprint meines Lebens hin. Ich musste mich vergewissern, dass es Scarlett noch gut geht..

Montag, 3. Juni 2013

KAPITEL 25

SCARLETT

Ich stolperte Nico hinterher. Meine eigene Hand konnte ich in dieser Finsternis nicht mehr sehen, jedoch konnte ich ihm ohne Probleme folgen. Plötzlich knickte ich um und lag auf dem Boden. Nico rannte sofort zu mir und fragte aufgeregt: „Scarlett! Alles in Ordnung?“
„Jaja. Wird schon gehen“, sagte ich und lächelte schmerzhaft. Ich stand auf und versuchte normal ein Stück zu gehen, jedoch schmerzte jeder Schritt. Nico schaute mich stirnrunzelnd an, sagte jedoch nichts. „Laufen wir weiter? Bitte, ich muss trainieren. Sonst werde ich nie bereit sein“, er schaut mich nochmal nachdenklich an, nickte jedoch schließlich und sprintete los. Ich ihm hinterher, trotz der Schmerzen.

Ein paar Stunden später lagen wir aneinander gekuschelt in der Höhle. Ich strich besorgt über meinen Bauch – ich hatte verdammt viel abgenommen. Vielleicht zuviel? Aber ich habe auch viele Muskeln bekommen, dachte ich und rutschte in einen unruhigen Schlaf.
Wenige Momente später hörten wir Tigergebrüll. Sofort sprangen Nico und ich auf. „Du bleibst hier! Egal was passiert! Du bleibst hier! Hast du mich verstanden?“, schrie Nico aufgeregt. Er wartete meine Antwort nicht ab und rannte hinaus – im Rennen verwandelte er sich in seine tigerische Hälfte. Ich begab mich in die Ecke und bewegte mich nicht weg wie mir befohlen worden war. Er hat mir eigentlich nichts zu sagen!, dachte ich empört und krabbelte ihm hinaus.
Vor mir ergab sich ein Blutbad. Nico kämpfte mit einer wunderschönen, rötlichen Tigerin. Sie war kleiner als er und daher auch flinker. Sie sprang auf ihn und Nico zuckte zusammen, unfähig sich zu bewegen. Er schrie, bewegte sich jedoch nicht. Was soll das? Nico, tu doch etwas!, dachte ich panisch. Irgendwas fesselte ihn, hielt ihn im Bann. Die Tigerin riss ihr Maul auf und wollte in sein Genick den tödlichsten Biss ausführen, den es gab. Nein!, schrie ich innerlich. Nico bewegte sich immer noch nicht. Ich bewegte mich auf ihn zu und es kam mir in diesem Moment alles wie in Zeitlupe vor. Gerade als das Maul der Tigerin Nicos Genick erreichte, sprang ich auf sie, packte sie im Genick wie ein Katzenbaby, sprang runter und rollte mich ab. Nun lag ich auf ihr und hielt sie fest. Ich warf einen Blick zurück und starrte zu Nico. Er lag auf dem Boden mit vor Schreck aufgerissenen Augen. Als er meinen Blick fing, richtete er sich auf und kam zu uns. Um uns herum waren viele weitere, kämpfende Tiger. Nico verwandelte sich und blieb ein Stück vor uns stehen und schaute sich um. Ich hielt die Tigerin immer noch fest. Locker könnte ihr das Genick brechen. Sie fing an zu winseln und versuchte sich zu wenden, was meinen Griff nur noch verstärkte. „Sie... Sie konnte mich betäuben! Ich konnte mich nicht mehr bewegen und so konnte sie mir Schmerzen hinzufügen! Scarlett, ich kann nichts gegen sie tun! Ich weiß nicht, ob alle diese Fähigkeit haben! Es ist zu riskant“, schrie Nico und schaute mich panisch an. Er ließ seinen Blick zu den anderen Tigern wandern und schaute besorgt zu Mila und Silas, welche sich Seite an Seite durchkämpften. Sie schienen nicht die Probleme zu haben, die Nico zu haben schien. Als er sie so besorgt ansah, war es wie ein Messerstich in mein Herz. Er macht sich nur Sorgen um sie, werd doch nicht direkt eifersüchtig!, mahnte ich mich selbst. Ich wusste was ich zu tun hatte, konnte es jedoch nicht über mich bringen. Ich blickte auf die winselnde Tigerin unter mir, verstärkte meinen Griff sodass sie aufschrie. Mit meiner freien Hand packte ich ihre Vorderpfote und bog sie soweit nach hinten, bis ich ein Knacken hörte. Die Tigerin schrie wieder auf und winselte weiter. Dann ließ ich sie los und sprang schnell von ihr ab. Mit einer gebrochenen Pfote wird sie nicht weiter kämpfen, dachte ich hoffnungsvoll und meine Vermutung bestätigte sich, als sie kehrt machte und verschwand.
Mein Blick wanderte zu den anderen kämpfenden Tigern und mein Blick umfasste Lucien. Er war in die Ecke gedrängt und drei andere Tiger standen um ihn herum. Er fing meinen Blick und ich sah in seinen Augen Verzweiflung und auch Angst. Ohne nachzudenken nahm wieder Anlauf, sprang auf den ersten Tiger und rollte mit ihm auf den Zweiten. Schließlich versuchten sich diese zu winden. Bei einer guten Gelegenheit, packte ich beide an den Ohren und zog dran, sodass sie bluteten. Sie blickten mich verärgert an, brüllten und machten Anstalten auf mich zu springen. Ich duckte mich geschickt und rollte unter ihnen hindurch, sodass sie gegeneinander prallten. Ich trat ihnen beiden in den Bauch und sie machten sich winselnd davon. Der dritte stand nun auch vor mir. Ich lächelte ihn an und bekam Kampflust. Ich bewegte mich um ihn herum und wollte ihn angreifen, jedoch knickte mein Fuß wieder um und ich brach zu Boden. Voller Panik schaute ich in die Richtung von meinem Gegner, jedoch wurde meine Sicht versperrt. Lucien hatte sich vor mich gestellt und brüllte ihn bedrohlich an. Dann sprang Lucien leichtfüßig auf den anderen Tiger. Dieser wollte sich winden, fing dann jedoch an zu jaulen und legte sich langgezogen auf den Boden. Plötzlich roch ich verbranntes Fell und schaute auf Luciens Tatzen. Unter ihnen erhob sich Qualm und Lucien brüllte erfolgreich. Nach weiteren, schmerzvollen Schreien des feindlichen Tigers, ließ Lucien von ihm ab und dieser verschwand. Auch alle anderen folgten ihm, nachdem er traurig, jedoch kräftig brüllte. Lucien blieb vor mir stehen, als Tiger. Er starrte mich unverwand an und verwandelte sich darauf in einen Menschen. Ich schaute ihm während der Verwandlung weiterhin in die Augen. Es war fast unheimlich, wie sich die Pupillen verkleinerten und die Augen an sich kleiner wurden. „Was war das?“, fragte ich geschockt. „Jedes Rudel hat seine eigenen Geheimnisse“, sagte er und wand sich ab. Nico stürzte zu mir und meinte aufgeregt: „Du blutest! Aber du warst fantastisch, Scar! Ich bin so stolz auf dich, und auch ziemlich dankbar.“
Ich lächelte ihn an und bemerkte erst jetzt die Schmerzen an meinem Hals und an meinen Armen. Dort haben sich lange und tiefe Kratzer gefunden. Es war mir jedoch egal und ich zog Nico zu mir runter und küsste ihn. Während ich ihn küsste, hob mich Nico hoch und trug mich zur Höhle. Davor blieb er kurz stehen, löste sich von mir, schaute sich um und vergewisserte sich das niemand schwer verletzt oder gar getötet wurde, und trug mich dann in die Höhle.
Er setzte mich ab und kuschelte sich neben mich. „Geht es allen gut?“, fragte ich besorgt und er nickte. „Nico? Kann ich dich was fragen?“, flüsterte ich. „Natürlich. Alles, mein Liebling“, hauchte er und fing meinen Blick. Ich sah Schmerzen in ihnen und auch Erleichterung.
„Was meint Lucien damit, dass jedes Rudel seine eigenen Geheimnisse hat?“