Mittwoch, 24. April 2013

KAPITEL 9

SCARLETT

Ich versuchte normal zu fahren, das gelang mir jedoch nicht sehr gut, da meine Augen mit Tränen benetzt waren. Ich gab es auf und hielt am Straßenrand an. Ich konnte nicht mehr, das war einfach zu viel. Wieso immer ich? WIESO?! Wie konnte ich nur so naiv sein. Ich kenne ihn doch überhaupt nicht. Aber ich hab ihn gern.. Wie gern, weiß ich nicht aber er bedeutet mir sehr viel.. Wieso hab ich ihn nie gefragt ob er eine Freundin hat? Das hab ich nun davon. Schön gemacht Scar. Nun muss ich mir wenigstens keine Gedanken mehr machen ob ich ihn liebe oder nicht. Ist doch nun eh egal. Und dieses Mädchen.. Sie hat mich mit ihren Blicken wohl töten wollen. Sie war geschockt und schien.. eifersüchtig.
Ich wurde durch das Klingeln meines Handys aus meinen Gedanken gezerrt. Ich schaute aufs Handy. 'Nico' zeigte das Display an. Ich drückte ihn weg. Ich konnte gerade nicht reden. Und auf jeden Fall nicht mit ihm. Eine Minute später rief er mich erneut an und ich drückte ihn weg. Dies wiederholte sich fünf mal bis ich mein Handy endgültig ausschaltete.
Ich wischte mir die Tränen weg, versuchte wieder klar zukommen, doch meine Gedanken fuhren Achterbahnen. Ich schmiss das Handy auf den Sitz und lehnte mich an den Jeep. Ich betrachtete die Gegend. Es ist wunderschön hier.. Aber kaum bin ich hier, passiert mir so viel schreckliches. Leon taucht wieder auf, ich scheine mich in einen Typen zu verlieben der eine Freundin hat und ich habe noch kein einziges mal bei der Tierpension vorbeigeschaut um zu helfen. Das sollte ich vielleicht mal nachholen, dachte ich, stieg wieder in den Jeep und gab die Adresse von der Tierpension ins Navi ein.

Eine viertel Stunde später kam ich an der Tierpension an. Ich parkte den Jeep neben zwei weiteren Autos und ging hinein. Hinter einer Theke erblickte ich Laura, welche aufschaute und lächelte. „Scarlett! Schön dich zu sehen. Willst du ein bisschen helfen?“, fragte sie mich und kam hinter der Theke hervor. Ich nickte und folgte ihr einen kleinen Flur entlang. Hinter einer silbernen Tür ging es in den Garten in dem viele Zwinger standen. In ca. 5 von 10 Zwingern waren Hunde drin. „Hier gibt es viele Hunde die einfach ausgesetzt werden. Das sind wenige von ihnen, da dies eine kleinere Pension ist. Wir haben die ersten 3 schon seit sie Welpen waren, sie hören auf die Namen die an den Käfigen stehen und sie sind gut erzogen. Sie verstehen sich auch miteinander, die anderen beiden haben wir jedoch seit kurzem. Sie scheinen Geschwister zu sein und sie sind sehr scheu. Du kannst mit ihnen trainieren und sie pflegen. Wenn sie gut erzogen sind, ist es leichter sie zu vermitteln. Es gibt auch eine Menge Leute die uns unterstützen und auch manchmal Tiere adoptieren. Also beschäftige dich einfach irgendwie mit ihnen“, sagte Laura und ich nickte.
Nachdem sie mir gezeigt hat wo das Futter und die Spielsachen lagen, nahm ich eine Handvoll Leckerlies und ging zu einem von den beiden Käfigen wo Laura meinte, dass sie neu hier waren. In dem Käfig erblickte ich eine braun-weiß gefleckte Hündin, welche mit wedelndem Schwanz auf mich zu kam. Sie steckte die Nase vorsichtig durch die Gitterstäbe und ich hielt meine Hand hin. Nachdem sie mich beschnuppert hatte, öffnete ich den Käfig auf dem 'Luna' stand und sie tapste heraus um mich noch mal vorsichtig zu beschnuppern. Ich hielt ihr ein Leckerli hin welches sie gierig annahm und ich fragte mich ob sie genug zum Fressen bekamen. Luna ging ein Schritt zurück und starrte mich an. Ich streichelte sie langsam über den Kopf, um sie nicht zu erschrecken und spielte ein bisschen mit ihr, was mit einem scheuen Hund recht schwierig war.
Nach ca. einer Stunde war ich kaputt und dachte mir, dass es eine schöne Ablenkung war. Ich brachte Luna noch etwas Wasser und brachte sie zurück in ihren Käfig.
Später verabschiedete ich mich von Laura und fuhr nach Hause.

Ich kuschelte mich in eine warme Decke und setzte mich mit dem Laptop aufs Sofa. Der vertraute, durchdringende Ton von Skype drang in meinen Kopf. Meine Eltern waren online und ich stellte einen Videochat her.
„Schatz! Es ist schön das du dich meldest! Wie geht es dir? Wie ist das Wetter?“, fragte meine Mutter aufgeregt und rief meinen Vater zu sich.
„Mir geht es gut und das Wetter ist fantastisch“, antwortete ich und mir fiel ein, dass ich etwas klarstellen musste.
„Mum, ich bin nicht mehr mit Leon zusammen! Wenn er euch nach irgendeiner Information über mich fragt, bitte sagt ihm nichts“, sagte ich und erinnerte mich daran, wie er mich gegen das Auto gepresst hatte und sofort lief mir ein Schauer über den Rücken.
„Oh! Das wussten wir nicht, entschuldige“, sagte sie und schaute mich mitfühlend an. Ich überlegte ob ich ihr von Nico erzählen sollte, ließ es jedoch nachdem was passiert war.
Ich unterhielt mich noch ein bisschen mit meinem Vater der nun auch ins Bild kam und legte ca. eine Stunde später auf.
Nun saß ich da. Hatte alle informiert das es mir gut geht und doch geht es mir schlecht. Ich konnte einfach nicht aufhören über ihn nachzudenken. So schnappte ich mir mein Handy und schaltete es wieder ein. „3 verpasste Anrufe von Nico mit Mailboxnachrichten“, stand auf dem Display. Ich hielt den Atem an, wählte die Mailbox und als seine Stimme ertönte, atmete ich wieder aus. „Scar, bitte hör mich an! Ich kann dir wirklich alles erklären! Bitte, gib mir eine Chance es dir in Ruhe zu erklären.. Ruf mich zurück! Nico.“ Ich war den Tränen nahe, trotzdem hörte ich mir die zweite Nachricht an: „Scarlett, bitte. Lass und reden. Du bist mir sehr wichtig.. Ruf doch zurück, verzeih mir!“, sagte er. Ich bin ihm wichtig? Augenblicklich musste ich wieder daran denken, wie viel er mir bedeutete. Nun weinte ich. Ich weinte weil ich das Gefühl hatte, dass alles zerstört wäre und mein Leben ein Scherbenhaufen war.
Ich versuchte ruhig zu atmen, was mir jedoch schwer fiel, da die Tränen einfach nicht aufhören wollte zu fließen. „Dritte Nachricht“, sagte das Sprachband als ich die dritte Nachricht abhörte. „Scarlett? Es tut mir Leid, okay? Es tut mir Leid! Aber ich liebe Mila nicht, ich liebe dich! Hörst du? Ich liebe dich!“ Mir stockte der Atem. Ich wollte die Wörter festhalten, sie nie mehr loslassen. Kann ich ihm trauen? Wenn er sie nicht liebt.. Wieso hat sie ihn dann geküsst? Wieso ist er dann anscheinend mit ihr zusammen? Werde ich doch nur verarscht? Das Leben ist so kompliziert.. Er bedeutet mir sehr viel... Verdammt – ich liebe ihn, ok?!, Versuchte ich mir selbst klar zu machen. Dagegen kann ich nichts tun... und wenn er die Wahrheit spricht..? Wie schwer soll das Leben noch werden? Ich komme nach Asien und dann passiert das. In so kurzer Zeit hat er es geschafft, sich in mein Herz zu mogeln. Innerhalb 3 Tagen.
Ich wischte mir die Tränen weg, versuchte mich zusammen zu reißen und wählte seine Nummer. „Scarlett! Gott sei Dank..“
Ich gebe dir die Chance es mir zu erklären. Triff mich am Rand des Berges. An der Stelle wo er am Wald angrenzt“, schnitt ich ihn das Wort ab. Ich versuchte meine Stimme fest und kräftig klingen zulassen, jedoch zitterte sie bei jedem Wort. „Wann?“, fragte er und ich antwortete: „In zehn Minuten.“ Danach legte ich auf, machte mich fertig indem ich mir die Haare kämmte und mir alle Tränen wegwischte bis ich wieder normal aussah, ging danach zum Jeep und fuhr zur vereinbarten Stelle.

Als ich zehn Minuten später ankam, saß Nico schon im Gras am Rand des Berges. Vor ihm lag der Wald. Ich stieg aus und ging zu ihm. Als ich mich neben ihn ins Gras fallen ließ, schaute er mir in die Augen. In ihnen lag soviel Verständnis, Trauer und... Liebe. Ich konnte es einfach in seinen Augen lesen. Er hat nicht gelogen. „Hey..“, sagte ich. „Hey... Du hast alle Nachrichten abgehört?“, fragte er vorsichtig. Ich nickte und er senkte seinen Blick.
Einen Moment später schaute er mich wieder an und ich fragte: „Du wolltest es mir erklären? Dann erklärs mir.“
Mila ist mir seit der Kindheit versprochen. Unsere Eltern haben dies bestimmt und ich kann nichts dagegen sagen. Sie liebt mich... ich sie aber nicht. Ich weiß nicht wie ich es ihr sagen soll, aber ich liebe... dich. Es hat keinen Sinn wenn ich weiterhin mit ihr zusammen sein würde, mein Herz gehört ihr nicht... Ich werde es ihr Heute noch sagen, ich wollte nur, dass du Bescheid weißt“, sagte er und schaute mir in die Augen. Ich wand meinen Blick ab und starrte auf den Wald. Vielleicht wäre das der passende Moment um ihm auch meine Gefühle zu sagen? „Ich ...“, begann ich, wurde jedoch unterbrochen, weil Nico plötzlich meinen Namen schrie und ich einen stechenden Schmerz an der Schulter spürte. Ich war so konzentriert auf Nico, dass ich die Umgebung vergessen hatte. So bemerkte ich nicht wie ein Tiger über mich hinweg sprang und mich im Flug kratzte. Ich schrie erschrocken auf und drückte mit einer Hand auf die Wunde. Der Tiger war ein Stück vor uns gelandet, drehte sich nun um und fauchte mich an.
Mit vor Angst geweiteten Augen starrte ich den Tiger an. Ich kannte ihn... Sie war die Tigerin die ich vor den Wilderern gerettet hatte. Nico sprang auf und stellte sich vor mich. Die Tigerin fauchte weiter und schlug ein paar mal mit den Krallen in die Luft. Hat Nico den gar keine Angst?, dachte ich verwirrt und starrte auf Nico der ungerührt vor mir stehen geblieben war. Plötzlich kam aus dem Wald eine andere Tigerin, sie war dunkler und ein bisschen größer als die, die uns anfauchte.
Ich nahm an das sie der anderen helfen wollte uns anzugreifen, diese griff jedoch die Hellere an. Sie waren wild am kämpfen, Nico schwankte ein bisschen, blieb jedoch vor mir stehen. Die Tigerinnen kämpften weiter. Anscheinend trieb die Dunkle die Helle von uns weg. Ich blieb einfach sitzen, hielt den Atem an und hatte Angst mich zu bewegen. Die Dunkle schlug der Hellen auf den Kopf, fauchte sie an und schlug weiter. Ich glaubte keine Krallen zu sehen, aber die Helle fauchte die Dunkle wütend an, warf uns noch einen funkelnden Blick zu, machte kehrt und rannte davon. Die Dunkle drehte sich zu uns um, setzte sich hin, leckte ich ein paar mal über die Tatze und schaute uns an. Ich war mir nicht sicher, aber ich glaubte Nico nicken gesehen zu haben, denn kurz darauf machte auch die Dunkle kehrt und lief in dieselbe Richtung wie die Helle. Ich stand vorsichtig auf, immer noch die Hand auf die Wunde gepresst die nun blutete, und ging zu Nico. Er schien in Gedanken versunken, als er mich jedoch bemerkte, drehte er sich um und schloss mich in seine Arme. Dabei drückte er auf meine Wunde, wobei ich schmerzhaft die Luft einzog. Schlagartig ließ er mich los und sagte: „Entschuldige. Bist du schwer verletzt?“, „Nein, es geht schon. Tut halt nur noch ein bisschen weh. Was war das gerade?“, ich deutete in die Richtung in die die Tiger verschwunden waren. „Ich... ich weiß es nicht. Du solltest nach Hause fahren. Am Besten sollten wir vergessen was hier gerade geschehen ist. Diese Natur werde ich nie verstehen. Du musst deine Wunde versorgen und ich werde mit Mila reden und mich bei dir melden“, sagte er und schob mich in die Richtung meines Jeeps. Ich wollte ihm nicht widersprechen und blieb also still. Ich setzte mich in meinen Wagen, schnallte mich an und schaute Nico in die Augen. „Ist wirklich alles ok?“, fragte er mich und ich nickte. Ich war im Moment unfähig etwas zusagen. War wie gelähmt von dem Schock. Dann fuhr ich mit dem Jeep auf die Straße nach Hause.
Wieso hab ich immer so viel Pech?! Ich wollte ihm gerade sagen was ich empfinde, aber vielleicht sollte er es doch vorher lieber mit Mila klären. Wie kommt es nur, dass mich plötzlich ein Tiger umbringen will? Wir sollen Tiger schützen, aber irgendwie glaube ich nicht, dass sie so viel Schutz nötig haben... Verdammt! Die Wunde brennt höllisch! Gut das ich gleich Zuhause bin. Aber ist den auch alles mit Nico in Ordnung? Er schien geschockt und verwirrt... Genauso wie ich...

2 Kommentare:

  1. tolle geschichte bis jetzt ich hoffe ihr schreibt bald weiter:*

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  2. ja. Heute oder Morgen um 21 Uhr geht es wieder weiter. (: & Danke. (:

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