Nachdem ich sie zurück nach Hause geführt hatte, fuhr ich wieder in
die Werkstatt, um dort mein Auto zu parken. Danach lief ich den Rest
noch zu Fuß. Als ich am Graben angelangt war, fiel ich zu Boden und
sprang - so elegant ein Tiger auch springen konnte - über den Graben
hinweg. Auf allen Vieren trabte ich dann Quer durch den Dschungel,
bis ich endlich am Rudel angelangte. Ohne den anderen Beachtung zu
schenken, trottete ich bis zur Höhle weiter, wo ich mich niederließ.
Ich legte meinen Kopf auf meine Pfoten und schloss meine Augen.
Was soll ich
nur tun? Scarlett ist so ein bezauberndes Mädchen, ich freue mich
schon auf den morgigen Tag.
Meine Einsamkeit wurde unterbrochen und ein weiterer Tiger nahm neben
mir platz. Natürlich war es niemand anderes als Mila, die sich an
mich schmiegte. Eigentlich war ich Ihr bereits versprochen, so hatten
es unsere Eltern angeordnet, aber ich Liebte sie nun mal nicht, dabei
war sie die schönste Tigerin des ganzen Rudels. Ich spürte, wie
Mila sich immer mehr an mich schmiegte, und ich gab ein leichtes
Knurren von mir, was sie aber nicht abschreckte. Also beschloss ich
einfach aufzustehen und verließ die Höhle. Mein Blick wanderte über
das Rudel. Lucien lag auf einem Felsen und schaute auf sein Rudel
herab. Ohne Frage, er war hier der Chef. Weiter hinten sah ich
Ariane, meine kleine Schwester, wie sie mit Karr und Lorro herum
tobte. Mein Großvater Salio lag mit Scuro, einem netten alten Tiger,
gemütlich in der Sonne. Meine beste Freundin Felicitas lag neben
ihrem Verlobten Trie und drei weiteren Tigerinnen. Aber wo war Silas?
Wahrscheinlich war er auf Jagd gegangen. Ich beschloss ihm
nachzulaufen und ihm zu helfen. Und Tatsächlich, ich fand ihn auf
einem weiten Feld, wo er gerade eine Gazelle beobachtete.
Vorsichtig schlich ich mich zu Silas, der mich nur fragwürdig
anschaute. Ich nickte nur und machte einen großen Bogen um die
Gazelle. Als ich sah, wie Silas langsam aus seinem Versteck hervor
kam, so tat ich dies auch. Wir wurden immer schneller und waren fast
bei der Gazelle, als diese – zu ihrem Pech – uns zu spät
bemerkte. So schnell die konnte hüpfte sie davon, aber es war zu
spät; Silas sprang sie gerade an und biss ihr mit ganzer Kraft ins
Genick. Sie schrie kurz auf, quengelte etwas herum und gab einen
letzten erstickenden Laut von sich. Sie war tot.
Ich schaffte das tote Tier mithilfe von Silas zum Rudel. Sofort
sprangen alle auf uns zu und beanspruchten einen Teil für sich. Karr
kam als Mensch, was ihn fast hätte das Leben kosten können, wäre
seine Mutter Zara nicht an seiner Seite gewesen.
Tiger Jungen fällt es noch schwer, ihre Verwandlung zu
kontrollieren.
Nachdem alle zu Mittag gegessen hatten, nahmen alle wieder ihre
Ursprüngliche Position ein.
Ich ging aber zum Fluss und Felicitas folgte mir.
Ihre Augen waren voller Sorgen und sie umkreiste mich. Aber statt ihr
eine Erklärung zu geben, schüttelte ich lediglich den Kopf, trank
einen Schluck Wasser und wandte mich ab. Mit hastigen, aber dennoch
eleganten Schritten lief ich hinaus aus dem Dschungel und sprang
erneut über den Graben, wo ich dann auch wieder meine menschliche
Gestalt annahm.
Ich muss hier
raus, einfach nur raus, dachte
ich und zuckte mein Handy, um Scarletts Nummer zu wählen.
„Hey, störe ich gerade?“
„Nein, nein, tust du schon nicht. Was gibt's denn?“
„Was machst du grade?“
„Nichts, wieso denn?“
„Hast du vielleicht Zeit für mich? Ich hole dich nämlich jetzt
ab.“
„Wie kann ich da noch nein sagen? Gut, dann bis gleich“, sagte
sich lachend und legte auf.
Als ich nach zehn Minuten fast da war, hörte ich plötzlich einen
lauten Schrei. Sofort erkannte ich dass es die Stimme von Scarlett
war und rannte so schnell ich konnte. Es folgte ein weiterer,
abgedämpfter Schrei und ich beschleunigte mein Tempo.
Einige
Augenblicke darauf erblickte ich einen Mann vor Scarletts Jeep –
und er drückte sie grade gewaltsam gegen ihr Auto und küsste sie
dabei. Wut stieg in mir auf und ich wollte schon los brüllen. „Hey,
lass sie sofort los!“, rief ich und man konnte deutlich ein Knurren
in meiner Stimme entnehmen. Doch dieses Schwein dachte noch nicht
einmal mehr daran. Ganz im Gegenteil, er presste sie noch mehr gegen
den Jeep und ignorierte mich.
Ich raste auf ihn zu und zerrte ihn von Scar weg, die weinend zu
Boden fiel.
Er versuchte gerade auszuholen um mich zu schlagen, doch ich wehrte
seine Faust mühelos ab.
„Verpiss
dich, du hast hier nichts verloren!“, fuhr er mich an und versuchte
es ein weiteres mal, doch ich war wieder schneller als er. Das
war genug. Jetzt schlug ich
zurück und er taumelte etwas, kurz darauf lag er am Boden. Er
versuchte sich wieder aufzurappeln und meine Faust traf mitten in
sein Gesicht. Er schrie kurz auf und ging wieder auf mich los. Erneut
schubste ich ihn weg und half Scar auf, welche sich an meinen Oberarm
klammerte und weinte.
„Lass meine Freundin in Ruhe!“, schrie ich ihn an. „Was willst
du überhaupt von ihr?!“
Sie blickte mich verirrt an und mein Arm umfasste schützend ihre
Taille. „Deine Freundin? Scarlett ist meine Freundin und du lässt
deine Finger von ihr!“, schrie er und funkelte mich böse an. Ohne
nachzudenken was ich da überhaupt tat, küsste ich Scarlett einfach.
„Na warte“, knurrte der Mann mich an und ging erneut auf mich
los. Ich funkelte ihn böse an und plötzlich blieb er stehen. Er sah
mir in die Augen und ich konnte seine Angst spüren. Er machte einen
Schritt nach vorne und ich fing an zu knurren. Und das gab ihm den
Rest, denn er drehte sich um und lief, nein er rannte weg.
Behutsam nahm ich Scarlett in die Arme und fragte, ob alles in
Ordnung war. Sie nickte nur kurz und wisch sich tapfer ihre Tränen
weg.
„Wer war das?“, fragte ich sie.
„Mein Exfreund. Leon.“
„Hat er dir wehgetan?“
„Es geht schon. Danke dass du mich gerettet hast.“
„Komm, wir gehen jetzt rein. Beruhige dich erst einmal.“
Ihr seit tolle schreiberinnen!!! Könnt wirklich stolz auf eich sein! :)
AntwortenLöschenVielen Dank. (:
AntwortenLöschen