Freitag, 3. Mai 2013

KAPITEL 13

SCARLETT

Ich ging in den Bungalow, schloss die Tür hinter mir und ließ mich auf den Boden sinken. Jetzt ist er weg... Werde ich ihn wieder sehen? Natürlich, er macht mir schon Angst... aber da ist etwas... etwas was ich nicht verstehe. Es ist so, als hätte er mich verstanden. 
Und was ist eigentlich mit Nico? Wollte er sich nicht melden nachdem er mit Mila gesprochen hat? Was soll dieser Mist?! Kann es sein... Hat er mich doch nur verarscht?! Ich wischte mir ein paar Tränen weg, stand auf und ging wieder raus. Vielleicht sollte ich mal ein bisschen durch die Gegend fahren? Ich wollte mich einfach ablenken lassen.
Auf dem Weg zum Auto hörte ich Schritte hinter mir. Ich drehte mich um, in der Hoffnung das es Nico wäre und starrte Leon an. Sofort fing ich an zu zittern, ließ meine Stimme jedoch stark und fest klingen als ich sprach: „Verschwinde! Sofort!“
Ein ekelhaftes Grinsen bildete sich in seinem Gesicht. „Wer will mich den wegscheuchen? Du? Das ich nicht lache“, sagte er und lachte sarkastisch. Dann blickte er mich wieder an, ich war schon am Jeep angelangt und stützte mich an der Wagentür. „Was willst du von mir?“, flüsterte ich. „Ist das nicht verständlich?“, sagte er und sein Blick ging über meinen Körper. „Dich.“
Nun ging alles ganz schnell. Verzweifelt versuchte ich die Wagentür aufzumachen, er kam jedoch zu schnell zu mir, packte mich am Hals und hob mich hoch.
Ich bekam keine Luft mehr, taumelte in der Luft und versuchte mit meinen Händen seinen Griff zu lockern. Dann wurde alles verschwommen, ich stieß noch einen erstickten Schrei aus als sich meine Augenlider schlossen und ich in Ohnmacht fiel. Ich spürte noch wie ich auf den Boden aufschlug und dann wieder gepackt wurde...

Hey, ich stehe vor deiner Tür. Vanni ist auch schon hier, kommst du raus?“, fragte mich Leon durchs Handy, ich 
antwortete mit 'Ja', legte auf und ging runter. Wir wollten Heute picknicken gehen. Ich war nun seit drei Wochen mit Leon zusammen und es war wunderbar.
Ich sprang die Treppen hinunter, verabschiedete mich von meinen Eltern und ging raus.
Vanni saß auf den Rücksitzen und Leon kam mit entgegen. „Na mein Schatz“, begrüßte er mich und küsste mich. Danach hielt er mir die Tür auf, und nachdem ich Platz genommen hatte, setzte er sich auf den Fahrersitz und fuhr los. Ich war der glücklichste Mensch der Welt. Auf dem Weg schaute Leon mich immer aus dem Augenwinkel an und ich lächelte. „Hört auf so viel zu turteln! Ich komme mir da ja gar nicht einsam vor!“, rief Vanni und wir mussten lachen.
Wir kamen an einer großen Wiese an, welche am Waldrand lag. Leon breitete die Picknickdecke aus und Vanni und ich schossen und den Ball hin und her. Wir waren nicht gerade die unsportlichsten und Leon war ein Gentleman. Außerdem liebte er es, uns zu zugucken. „Mädels, kommt ihr?“, rief Leon und wir kamen. Es gab einen Erdbeerkuchen und eine Wassermelone.
Nachdem wir uns satt gegessen hatten, lehnte ich mich an Leon und genoss die Sonne. Er strich mir die Haare auf dem Gesicht und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Ich lächelte ihn an und schreckte zusammen, als Vanni aufsprang und zur Kamera lief. „Lasst uns ein Foto machen, für tolle Erinnerungen!“, sagte sie und strahlte. Ich lächelte, sie stellte die Kamera auf und sprang zu uns um auch noch auf das Bild zu passen. Wir schnitten Grimassen und schauten uns danach das Bild an.

Zu dieser Zeit war noch alles perfekt...

Plötzlich versuchte ich nach Luft zu schnappen, spuckte Wasser und Blut und musste feststellen, das mir jemand Wasser über den Kopf geschüttelt hatte. Ich versuchte die Augen zu öffnen, was mir nur mit Schmerzen gelang, Um mich herum war es dunkel. Die Wände waren aus Holz, daraus schloss ich, dass ich mich in einem Holzschuppen befand. Leon war schlau, wahrscheinlich war ich mitten auf einem Feld wo man mich nicht findet...
Meine Arme und Beine lagen ausgestreckt in Ketten, welche an der Wand befestigt waren. Es war zwar dunkel, und doch konnte ich Leon wahrnehmen. Er saß in der gegenüberliegenden Ecke. „Wieso?“, krächzte ich. Nun stand er auf und kam auf mich zu. Ich wollte automatisch zurückweichen, stieß aber nur mit den Kopf gegen die Wand. Leon stand nun vor mir und mustert mich. Meine Kleider waren zerrissen und meine Haare waren in einen Zopf gebunden welchen ich mir vorhin gemacht hatte. „Weil ich dich nicht verlieren will“, sagte Leon. „Kennst du das Sprichwort 'wenn du sie liebst, lass sie gehen'?“, fragte ich ihn und funkelte ihn böse an. „Wir wissen beide das ich nichts von Sprichwörtern halte. Deine neue Bekanntschaft ist gefährlich. Er hatte etwas in seinem Blick... ich kann es nicht erklären. Hier bist du sicher“, sagte er. „Sicher?! Ist das dein Ernst?! Und außerdem ist er nicht der Gefährliche von euch!“, schrie ich ihn an und mir kamen die Tränen. Plötzlich klingelte mein Handy in meiner Hosentasche. Leon musterte mich, packte dann in meine Hosentasche und zog mein Handy raus. „Willst du noch ein paar letzte Worte an ihn sagen?“, sagte Leon sarkastisch und zeigte mein Handydisplay. Nico. Mein Vater war Erfinder. Ich hatte ein spezielles Handy von ihm bekommen. Leon wusste nicht, wie man mein Handy bediente und nahm versehentlich ab. Erst als ich „Nico!“, schrie, realisierte Leon was er getan hatte und war mein Handy gegen die gegenüberliegenden Wand worauf es in tausend Teilchen zersprang.
Ich spürte den Geschmack von Salz, als meine Tränen meinen Mund erreichten und ich bemerkte, dass ich Hunger und Durst hatte. „Ich werde gehen Liebes, aber ich komme nachher wieder. Du weißt, dass ich nur das Beste für dich will“, sagte Leon und ging zur Tür. „Du bist doch krank! Was ist nur mit dir passiert?!“, schrie ich und erinnerte mich an den Picknicktag. Verdammt! Wie konnte sich alles so entwickeln?, fragte ich mich. Leon blieb in der Tür stehen und ich erhaschte einen Blick nach draußen. Savannengras. Ich hatte Recht. Ich bin mitten im Nirgendwo. Leon dreht sich kurz zu mir um bevor er ging und murmelte noch: „Du weißt, dass ich dich liebe, Scar! Wir sind für einander bestimmt... Und das weißt du!“

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