Freitag, 17. Mai 2013

KAPITEL 19


SCARLETT

Lauf mit mir“, flüsterte Nico und wir sprinteten über ein großes Feld. Wieso war ich auf einmal so schnell? Ich blieb stehen und blickte an mir herunter. Ich habe Tatzen! Ich bin ein Tiger! Mein Fell schien zu leuchten. Es war hell braun, nahezu weiß. Mit großen Sprüngen sprang ich zum Bach und blickte in meine schokoladenbraunen Augen die mich nun aus dem Wasser anblickten. „Du bist wunderschön“, sagte Nico hinter mir. Ich drehte mich um, machte einen Satz und landete auf ihm. Wir rollten durch die Gegend und blieben schnurrend nebeneinander im Gras liegen. „Wie kommt es, dass ich ein Tiger bin?“, „Alles ist möglich mein Liebling“, „Wir leben in getrennten Welten.. Haben wir zusammen eine Zukunft?“, fragte ich traurig. „Wir haben Alles!“, flüsterte Nico so leise, dass ich es kaum verstand. Dann stand er auf, sprang über mich hinweg und sprintete los.
Ich tat es ihm nach, verlor ihn jedoch aus den Augen. Plötzlich stand ich im Nichts. Verwirrt drehte ich mich, versuchte zu verstehen wo ich war. Nun stand Leon vor mir. Er blickte mich aus seinen hasserfüllten Augen an und schrie: „Ich werde immer ein Teil von dir sein! Du wirst mich nie los!“
Nein! Das ist nicht wahr! Nein, nein, nein!“, schrie ich und brach zusammen. Nun bemerkte ich, dass ich wieder Mensch war. Mit meinen Fäusten schlug ich um mich, schrie und weinte.

Zappelnd wachte ich auf und bemerkte, dass ich allein war. Wo ist Nico? Ich stand auf und trat aus der Höhle. Vor mir war der Hauptplatz wo Nico und auch alle anderen Tiger saßen. Sie lagen in einem Kreis, hatten den Kopf auf die Pfoten gelegt und hatten die Augen geschlossen. Ich fühlte mich nicht willkommen, hatte das Gefühl am falschen Ort zu sein. Hinter mir meinte plötzlich jemand flüsternd: „Psscht!“. Ich drehte mich um und sah denjenigen, mit dem Nico gekämpft hatte. „Ich bin Lucien. Komm mit, dann erkläre ich dir was hier los ist“, flüsterte er, drehte sich um und verschwand hinter der Höhle. Ich zögerte, wusste nicht ob ich ihm vertrauen konnte, beschloss jedoch ihm zu folgen. Hinter der Höhle erblickte ich wieder Lucien. Er hatte sich an einen Baum gelehnt und schaute mich erwartungsvoll an. Ich ging zu ihm und fragte ihn leise: „Was ist dort los?“, „Es gab einen Kampf. Es gibt fünf verschiedene Rudel hier in der Gegend. Wir sind einer davon. Mit zwei anderen sind wir befreundet, mit den anderen zwei verfeindet. Einer dieser hat uns angegriffen“, sagte Lucien. „Wieso?“, fragte ich geschockt. Luciens Blick verdunkelte sich und er schaute auf den Boden. „Ich hatte mal eine Frau. Sie lebte mit ihrem Kind in einem anderem Rudel, jedoch beschloss sie sich zu mir zu kommen. Ihr Kind musste sie aber dort lassen. Damit konnte sie nicht leben, also gingen wir einen Monat später zu dem Rudel und verlangten das Kind. Es endete mit einem Kampf, wir konnten jedoch ihr Kind zu uns holen. Ein paar Tage später griffen sie uns an wobei wobei meine Frau – Kira – schwer verwundet wurde. Drei Tage lang hielt sie diesen Zustand. Jedoch verstarb sie dann“, Luciens Stimme wurde immer leiser. „Kinder werden einander versprochen, wenn jedoch einer dieser Beiden stirbt, darf man sich jemand neuen aussuchen. Und nur in diesem Fall dürfen sie sich trennen. Sie sind einander versprochen bis zum Tod, Sonst verstößt es das Gesetz. Kira hatte eine Tochter. Es war Mila und ich zog sie seit Kiras Tod wie meine eigene Tochter auf.“ Als er ihren Namen erwähnte zog sich mein Herz zusammen.
„Wir werden seitdem oft angegriffen. Sie wollen Mila zurück, sie kann sich jedoch kaum daran erinnern. Heute starb ein sehr loyaler Krieger und ein guter Freund. Er hieß Trie und er war der Versprochene von Felicitas. Sie ist am zusammenbrechen, immerhin hat sie ihm vom ganzen Herz geliebt. Ich wollte das Nico mit Mila versprochen werden sollte. Nico ist ein guter Kerl und er kann sie beschützen. Und ich glaube auch das Mila ihn liebt, jedoch hat Nico sich in dich verliebt und hat sich von Mila getrennt“, erklärte er mir und sein Blick wanderte über mich. Oh mein Gott! Die arme Felicitas! Und was versucht mit Lucien hier zu vermitteln?
„Dies geht jedoch nicht. Es ist einfach gegen das Gesetz! Du musst das akzeptieren. Du kannst Nico nicht haben! Er ist vergeben! Wir werden ihn wieder aufnehmen und du hast die Wahl. Entweder du gehst nach Hause, oder du suchst dir jemand anderen aus dem Rudel aus welcher frei ist“, stellte er klar. Was?! Er will das ich verschwinde oder mir jemand anderes aussuche? Ich kann das mit Mila gut verstehen, jedoch liebt Nico sie nicht! Er liebt mich und ich ihn! Ich werde mich nicht vertreiben lassen!, dachte ich und bemerkte dabei nicht, dass mir Lucien immer näher gekommen war. Erst als er mich zärtlich küsste, reagierte ich. Ich stieß ihn weg und nachdem ich: „Was soll das?! Ich liebe Nico!“, geschrien hatte, drehte mich um und wollte aus Fluchtinstinkt weglaufen. Jedoch kam ich nicht weit, da ich über eine Wurzel stolperte und hinfiel. Auf dem Boden windete ich mich schnell in Luciens Richtung aus Angst was er tun würde. Er jedoch war still stehen geblieben und starrte an mir vorbei. Verwirrt und mit Tränen in den Augen blickte ich in dieselbe Richtung und sah ihn. Ich hatte ihn nicht bemerkt. Wie lange stand er schon dort?, fragte ich mich und flüsterte traurig: „Nico...“

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