Montag, 20. Mai 2013

KAPITEL 20

NICO

Ich hatte gesehen, dass Scarlett aufgewacht war, aber wo war sie hin? Zuerst schaute ich in der Höhle, wo sie aber wie erwartet nicht war. Nach kurzem Suchen fand ich sie schließlich unter einem Baum hinter der Höhle mit Lucien. Was verdammt macht sie bei dem?! Plötzlich sah ich wie Lucien auf sie zu kam und sie küsste. Mir blieb die Luft weg. Wieso tut er das? Wieso tut sie mir das an? Dann riss sie sich los und rief dass sie mich lieben würde. Das gab mir wieder etwas Sicherheit und ein beruhigendes Gefühl, wusste aber immer noch nicht was ich denken sollte. Ehe ich mich versah stand ich bereits vor Lucien und schlug ihn so fest ich konnte mit meiner rechten Faust ins Gesicht. Er stöhnte leise auf, hielt sich ans Auge und taumelte zurück, wehrte sich aber nicht. Ich drehte mich um und schaute Scarlett an. Eine ganze Weile blieben wir so stehen, bis sich ihre Augen mit Tränen füllten. Die erste Träne fiel. „Wieso stehst du hier tatenlos rum? Geh zu ihr du Idiot!“, rief mir meine Innere Stimme zu. Die zweite Träne fiel. Ich ging langsam los, wurde aber immer schneller, nahm ihr Gescht in meine Hände und küsste sie. Ihre Tränen wischte ich mit meinen Daumen weg und drückte sie näher an mich. „Lass uns gehen“, flüsterte sie mir zu und ich drückte ihr noch einen Kuss auf ihre Lippen. Ich nickte und nahm ihre Hand. Zusammen liefen wir durch das Dorf. Das wäre eigentlich nicht nötig gewesen, weil es einen viel kürzeren Weg hier hinaus gab, aber ich wollte wissen, ob Felicitas da sei. Aber das war sie nicht. Langsam fing ich an mir Sorgen zu machen. Ich schaue heute Abend nach ihr, sie braucht jetzt ihre Ruhe, beruhigte ich mich und zog Scarlett quer durch den Dschungel. Kurz vor der Grenze blieb ich stehen und schaute sie an. Scarlett nickte nur kurz und ich verwandelte mich. Vorsichtig setzte sie sich auf meinen Rücken und klammerte sich fest an mich. Ich nahm Anlauf und sprang vorsichtig ab. Da es zu Fuß länger gedauert hätte rannte ich einfach weiter. Ich konnte ihren imme schneller werdenden Herzschlag spüren. Wir überholten sogar ein Auto, welches auf der Landstraße fuhr. Nach sechs Minuten wurde ich langsamer, bis ich vor ihrer Haustür stand. Sie stieg runter und taumelte und lachte kurz. Während sie sich sammelte stand ich bereits wieder vor ihr und lächelte. Plötzlich packte ich sie an ihren Armen und drückte sie gegen die Tür, während ich ich küsste. Sie erschrack erst, ließ sich denn aber darauf ein. Wenn ich sie küsste, spürte ich etwas durch mich hindurch rasen. Was genau es war, wusste ich nicht, aber dieses Gefühl war überwältigend.
Langsam machte Scarlett sich von mir los und öffnete ihre Tür. Erst sie, dann betrat ich die Wohnung. „Ich gehe jetzt duschen, wartest du solange?“, fragte sie und wartete bis ich nickte. Nach zwei Sekunden verschwand sie im Badezimmer und ich schaute mich etwas in ihrer Wohnung um. Ich entschloss mich ihr was zu kochen, denn sie sah am verhungern aus. In ihrem Kühlschrank lagen Eier, Salat, Tomaten, Brot.. Da ich nicht wirklich gut im kochen war, entschied ich mich für etwas einfacheres. Ich machte zwei Spiegeleier und machte einen Salat. Nach fünfzehn Minuten war ich fertig und ich fing an den Tisch zu decken. Aus dem Schrank holte ich ein hohes Glas heraus und füllte diesen mit Wasser. Dann ging ich in den Vorgarten und pflückte vier Tulpen, welche ich in das Glas stellte. Dann setze ich mich an den Tisch und wartete.
Nach weiteren zehn Minuten kam Scarlett aus dem Bad, und sie war so schön wie noch nie. Ihr Haar hatte sie nach oben gesteckt und sich geschminkt. Sie trug ein weißes Top und eine kurze Shorts. „Ich habe für dich gekocht“, sagte ich ganz stolz und sie musste lachen. „Danke, ich bin am verhungern!“, erwiderte sie und setzte sich zu mir an den Tisch.
„Am liebsten würde ich für immer bei dir bleiben“, sagte sie und sie wurde plötzlich ganz traurig. „Das würde ich mir auch wünschen, mehr als alles andere sogar, aber es geht nicht..“
„Aber wieso denn nicht?“
„Weil wir zu verschieden sind, du gehörst in deine Welt und ich in meine..“
„Gibt es denn wirklich keine Möglichkeit? Ich kann ja zu dir kommen, bei dir leben.“
„Naja, es würde schon eine geben, aber ich möchte nicht, dass du das auf dich nimmst.. Das würde auf Zeit gehen, aber es ist wirklich zu gefährlich.“
„Das ist mir egal, wenn ich mit dir zusammen sein kann, nehme ich alles auf mich! Was ist es denn?“
„Das wird dir nicht gefallen, genauso wenig wie es mir gefällt..“
„Sag schon!“, sie schrie fast schon, blieb aber dennoch ganz ruhig.
„Du musst jemanden töten, um Tiger zu werden. Bitte Scarlett, du weißt, ich würde das niemals von dir verlangen..“
Auf einmal wurde es ganz still. Ich sah, wie Scarlett mit sich kämpfte.
„Du musst das wirklcih nicht machen..“, sagte ich zu ihr und drückte ihre Hand. Doch sie zuckte nur zurück und verließ die Küche.
Hatte ich eigentlich eine andere Reaktion erwartet?

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