NICO
Obwohl ich frei war, so frei wie noch
nie, fühlte ich mich doch gefangen. Ich konnte überall hin, und
doch konnte ich es nicht. Es ist als ob ich mich in einem großen
Käfig bewegen würde: Ich hatte genug Freiraum, aber ab einem
bestimmten Punkt konnte ich einfach nicht mehr weiter. Der Weg war
hier zuende und etwas versperrte mir den Weg.
Dann besaß ich noch die große
Freiheit mein Leben als Tiger zu führen. Wenn ich wollte, konnte ich
mich für eine Weile in die Welt eines Tigers verkriechen und alle
Probleme und Sorgen um mich herum vergessen. Doch das gelang mir
nicht immer. Auch wenn ein Tiger ein Einzelgänger war und niemanden
außer sich brauchte, so waren unser Rudel und auch viele andere, die
im verborgenem Lebten, so wie wir, anders. Da wir auch Menschen waren
brauchten wir auch andere, die so waren wie wir. Wir hatten unsere
eigene kleine Zivilisation die niemand betreten durfte. Und jetzt
wurde ich daraus verstoßen, weil ich anders sein wollte – weil ich
anders war. Ich musste irgendwo hin, wo mich die nächsten Tage
verstecken konnte, wo ich mich sicher fühlte. Und dieser Ort war bei
Scarlett. Ich lag in ihrem Vorgarten und wartete bis sie hinauskam.
Am liebsten würde ich sie in meine Arme schließen und bei ihr sein,
aber wie sollte ich ihr erklären, wer ich war? Vorallem konnte ich
doch nich bei ihr wohnen, was sollte ich ihr sagen? Tut mir leid,
aber ich bin zurzeit Obdachlos. Kann ich vielleicht bei dir bleiben?
Ha, das ich nicht lache. Das
klingt genauso beschissen wie meine derzeitige Situation war. Was
sollte sie von mir denken, wenn ich ihr das sagen würde? Nein, ich
konnte das einfach nicht, ich war einfach viel zu stolz dafür. Aber
das Schlimmste war ja, obwohl das eher untypisch für einen Tiger
war, dass ich mich mit meinen Sorgen und Problemen abquälte. Wenn
ich Mensch wäre, würden sie mich regelrecht auffressen.
Endlich
kam Scarlett wieder hinaus und brachte mir ein Steak mit. Dankbar
nahm ich dieses an und verschlang dieses. Auch wenn ich großen
Hunger hatte, so wollte ich doch nicht jagen gehen. Ich konnte es
einfach nicht, ich war viel zu schwach. Bin ich das
wirklich? Fragte ich mich und
war beschämt und wütend zugleich. Worüber denkt sie
grade nach? Fragte ich mich und
musterte sie von Kopf bis Fuß. Kurz lächelte sie verunsichert und
begab sich wieder in ihren Bungalow. Ich sah wie das Licht im Flur
aus ging. Traurig legte ich meinen Kopf auf meine Pfoten und starrte
hoffnungsvoll zur Eingangstür. Scar,
dachte ich nur und gab ein leises Winseln von mir. Doch alles blieb
wie es war. Also schloss ich langsam die Augen und versuchte zu
schlafen.
Eine
Weile später ging die Eingangstür erneut auf und ich spürte wie
Scarlett sich an mich lehnte. Erleichtert und auch etwas glücklich
atmete ich aus. Ich passe auf dich auf, Scar, versprach
ich ihr in Gedanken und schlief ein.
Die
Sonne kitzelte keine Nase und ich öffnete langsam meine Augen.
Scarlett lag immernoch dicht an mich gekuschelt – Ich war erstaunt
dass sie keine Angst vor mir hatte. Wahrscheinlich hatte sie sie
doch, aber sie vertraute mir. Eine Weile schaute ich sie an und war
von ihrer Schönheit fasziniert. Sie öffnete ihre schönen Augen und
wich im ersten Moment instinktiv zurück. Doch nachdem wir uns
einander länger in die Augen geschaut hatten lächelte sie mir zu
und streichelte sanft mein Fell. „Was machst du bloß hier?“,
fragte sie verwirrt und glücklich zu gleich. „Du kannst nicht Ewig
hier bleiben. Du musst zurück in die Wildnis“, sagte sie behutsam
und kraulte mein linkes Ohr. „Na los, geh schon“, sagte sie etwas
bedrückt und klopfte mir nun auf meine Schulter. Nur mühsam erhob
ich mich und machte ein paar Schritte aus dem Vorgarten hinaus. Dann
blieb ich stehen und drehte mich erneut zu ihr. Inzwischen war auch
die aufgestanden, hatte ihre Arme vor ihrer Brust verschränkt und
nickte mir aufmunternd zu.
Ich komme wieder, sagte
ich, was sie aber nicht verstand, sondern als einfaches Brüllen
deuten musste. Kurz zuckten ihre Mundwinkel nach oben, sie winkte und
ging zurück in ihr Haus.
Grade
war ich dabei mir eine junge Gazelle zu fangen als ich sah, wie ein
junger Tiger auf mich zugehüpft kam. Natührlich bemerkte die
Gazelle diesen und sprintete panisch davon. Der junge Tiger war
Ariane, mein geliebtes Schwesterherz. „Nico! Bitte komm
zurück. Ohne dich halte ich es da einfach nicht aus!“, sagte
sie und ich konnte deutlich ein Zittern ihrer Stimme entnehmen. „Ich
kann nicht, Lucien hat mich aus dem Rudel verbannt!“, sagte
ich und schüttelte meinen Kopf. „Dann lass mich mit dir
gehen!“, flehte sie mich an.
„Nein Ari, das kann ich nicht verantworten“, erwiederte
ich und schaute ihr tif in ihre Augen. „Ich kann auf mich
aufpassen! Bitte Nico, du bist alles was ich noch habe..“,
schluchste sie und mein Herz
wurde direkt schwerer. Ich konnte sie nicht so sehen, sie ist meine
kleine.. „Bitte Ariane.. Ich kann dich nicht mit nehmen.
Geh zurück zum Rudel, da passt Felicitas auf dich auf“, sagte
ich und versuchte unseren Blickkontakt aufrecht zu erhalten. „Vertrau
mir. Es wird alles gut. Sag das bitte auch Felicitas. Versprichst du
mir bei ihr zu bleiben?“. Fragte
ich und hoffte Ariane würde es verstehen. „Kommst du
wieder?“
„Ari, versprich es mir!“,
drängte ich und versuchte ihrer
Frage auszuweichen. Das selbe hatte mich auch Felicitas gefragt, aber
ich konnte ihr keine Antwort geben. „Ich.. ich verspreche
es“, sagte sie leise und ich
war erleichtert. „Alles wird gut meine Kleine“,
versicherte ich ihr und ging.
Nachdem
ich den ganzen Tag durch die gegend getrottet bin und versucht hatte
eine sichere Bleibe zu finden, kehrte ich am Abend erneut zu Scarlett
zurück. Ihr Jeep stand in der Einfahrt und ich legte mich erneut vor
ihre Türe. Es war still. Etwas stimmt hier nicht.. dachte
ich und lief einmal um den Bungalow. Doch nichts rührte sich.
Vielleicht schläft sie ja schon? Ich dachte mir nichts dabei und
legte mich erneut vor ihre Tür und versuchte zu schlafen.
Die
ganze Nacht war ich wach gelegen und hatte gewartet wenigstens ein
kleines Geräusch aus dem Inneren der Bungalows zu hören, doch es
blieb still.
Es war
bereits Mittag und ich brüllte einmal. Zweimal. Doch immer noch
rührte sich nichts.
Ich
verwandelte mich in einen Menschen und klingelte an ihrer Tür
einmal. Zweimal. Doch niemand war da. Besorgt holte ich mein Handy
und wählte ihre Nummer.
„Nico!“,
hörte ich sie unter Tränen schreien. „Scarlett? Wo bist du?“,
rief ich ins Handy hinein. Es raschelte kurz, dann war die Leitung
tot.
Scheiße! Scar, wo bist du? Ich
machte mir große Sorgen. Es hörte sich so an als würde sie
gefangen gehalten werden. Es war meine Schuld, ich hätte bei ihr
bleiben sollen!
Aber
es bringt jetzt nichts mir selbst Vorwürfe zu machen, ich muss
Scarlett finden! Doch wo sollte ich anfangen sie zu suchen? Ich
wusste weder wo noch bei wem sie ist.. Ich hätte Amok laufen können,
so wütend war ich.
Hammer :D warte gespannt aufs nächste ;)
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