Montag, 13. Mai 2013

KAPITEL 17


SCARLETT

Ich schlug die Augen auf, immer noch ziemlich angeschlagen. Ich lag auf Moos und neben mir lag eine Wasserflasche mit Inhalt. Hoffentlich ist es kein Gift – und wenn ist es mir egal!, dachte ich und trank. Es war Wasser. Was ist nur passiert? Wie komm ich hierher?
Ich befand mich auf einem kleinen Felsen. Langsam und vorsichtig rutschte ich von diesem runter und knickte, unten angekommen, zusammen. Langsam stand ich auf und schaute mich um. Ich befand mich im Dschungel. Hinter mir war ein großer Baum mit starken Ästen. Auf einem vom diesen lag – zu meinem Leid – ein Tiger! Er schlief, als ich mich jedoch bewegte, schlug er die Augen auf und ich erkannte ihn. Es war der Tiger der vor meiner Tür lag. Er wird mir nichts tun, aber wie komme ich nach Hause? Was ist mit Leon passiert? Ich drehte mich um und lief. Ich lief aus Angst, Leon wäre hier. Aus Angst das mich jemand findet. Aus Angst das hier noch weitere Tiger waren. Während ich lief, weinte ich. Ich weinte um den Teil meiner Seele, den ich seit meiner Gefangenschaft verloren hatte. Ich weinte, weil ich Angst hatte, dass ich diesen vollkommen verloren haben könnte.
Plötzlich hielt ich inne, stolperte noch etwas nach vorne und fiel auf die Knie. Vor mir befand sich ein tiefer, meterbreiter Graben. Und ich wäre fast hinein gefallen. Ich hörte ein Knurren hinter mir. Schlagartig drehte ich mich um und sprang auf – was dazu führte, dass ich direkt wieder zusammenbrach. Es war nicht der Tiger, der mir so vertraut war. Es war ein anderer, kleinerer Tiger.
Verzweifelt blickte ich mich um. Eine Möglichkeit wegzulaufen gab es nicht. Ich bin verloren – mal wieder!
Plötzlich kam Nico aus dem Gebüsch gesprungen, was dazu führte, dass noch mehr Tränen flossen. Dieses mal waren es Freudentränen. „Nico!“, keuchte ich, völlig außer Atem. Er blickte von mir zum Tiger, welcher mich immer noch feindlich anstarrte. Sofort sprang er zwischen uns und sagte ruhig, jedoch eindringlich: „Verschwinde! Sofort!“
Der Tiger schien kaum zu reagieren, sah jedoch etwas in Nicos Blick, was ihn zum Gehen aufforderte.
Nachdem er verschwunden war, kam Nico zu mir und setzte sich neben mich. „I-I-Ich..“, stotterte ich und starrte ihn dabei an. Wie kam es, dass er den Tiger verscheuchen konnte? „Schh!“, sagte Nico und starrte mich mit seinen ruhigen, wunderschönen Augen an.
Ich fand meine Kräfte wieder und fragte mit nun festerer Stimme: „Was bist du?“
Es konnte nicht sein, dass er den Tiger verscheuchen konnte. Es kann auch nicht sein, dass er hier, genau zum richtigen Zeitpunkt, bei mir im Dschungel war. Es ergibt einfach keinen Sinn!
„Ich bin Halb-Mensch, Halb-Tiger.“

„Was?“, fragte ich ihn ungläubig. „Es ist wahr... Dieser Tiger, der dich verfolgt hat, der vor deiner Haustür lag – das war ich! Und was Mila angeht, sie ist mir seit wir klein sind versprochen. Das ist Tigergesetz. Jedoch hab ich mich von ihr getrennt, wegen dir!“
Das kann doch nicht sein! Er belügt mich nur! Oder... doch nicht?
„Dies gerade war Silas. Und früher, als du angegriffen wurdest, das war Mila. Felicitas – meine beste Freundin, hat dich beschützt. Ich lebe hier im Dschungel mit meinem Rudel und arbeite manchmal als Mechaniker. Wir müssen hier verwandelt sein, sonst dürfen wir uns nicht innerhalb der Grenze aufhalten um ins Dorf zu gelangen“, sagte er und deutete auf den Graben. „Deswegen wollte Silas dich gerade angreifen. Menschen die sich in der Grenze aufhalten, werden getötet.“
Ich wollte es einfach nicht glauben. Wackelig stand ich auf und wollte automatisch weglaufen, Nico stand jedoch auch auf und schloss mich in seine Arme. Instinktiv lies ich mich in seine Arme fallen und weinte. Er hatte mich also die ganze Zeit belogen! Und trotzdem war er für mich da wie kein Anderer. Und verdammt – ich liebe ihn!
Nico hielt mich ein Stück von sich weg, jedoch mit festen Griff, damit ich nicht wieder weglief. Er schaute mir in die Augen und sagte mit ruhiger Stimme: „Komm! Ich zeige dir meine Welt.“

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