Montag, 27. Mai 2013

KAPITEL 23

SCARLETT

Ich schlug die Augen auf und wachte in der, mir schon vertrauten, Höhle auf. Wahrscheinlich war ich in der Werkstatt eingeschlafen. Nico muss mich wohl zurückgebracht haben. Jedoch war er nicht hier, niemand war hier. Wieso wache ich eigentlich immer allein auf?
Langsam stand ich auf und krabbelte aus der Höhle. Auf dem Hauptplatz entdeckte ich Mila in Form ihrer Tigergestalt. Sie schaute zu mir rüber und funkelte mich böse an. Mir reichts langsam!, dachte ich und stampfte zu ihr. Alles an mir tat vom Training gestern weh. „Können wir bitte mal reden?“, fragte ich sie genervt. Sie funkelte mich weiterhin an, nickte jedoch langsam und tapste weg von den anderen Tigern. Ich folgte ihr bis sie stehen blieb und sich verwandelte. Es war ein komisches Gefühl wenn man die Verwandlung sah. Jedoch wurde sie mir langsam vertraut. „Was willst du?“, fragte sie und schaute mich missbilligend an. „Ich möchte keinen Stress mit dir! Sag mir doch, was ich getan haben soll, damit ich es verdiene, wie du mit mir umgehst!“, „Du hast mir meinen Verlobten weggenommen! Ist das nicht offensichtlich?“, gab sie zurück, senkte den Blick und setzte sich hin. Sie schlang die Arme um die Beine und legte ihren Kopf drauf. Natürlich ist das offensichtlich... Wieso frag ich überhaupt?
„Es tut mir schrecklich leid, Mila. Ich wollte dich nie verletzen, jedoch...“, ich brach ab. Es gab nichts, womit ich das hätte entschuldigen können. „Es ist ja O.K. Ich mache dir keine Vorwürfe, es ist nur... Ich habe ihn geliebt! Er hat mich aber nie geliebt. Und das wusste ich. Er verdient es, glücklich zu sein... Und ich verdiene das auch. Zusammen wären wir das einfach nicht und das verstehe ich jetzt. Es ist jedoch nicht so leicht, dich die ganze Zeit mit ihm zu sehen. Es ist hart zu sehen wir glücklich ihr seid. Wo ich es doch nicht bin“, sagte sie traurig. Ich habe noch nie so darüber nachgedacht. Besonders glücklich fühle ich mich in letzter Zeit nicht. Wenn ich mich jedoch mit Mila verglich, war ich schon ziemlich glücklich. Ich darf Nico nicht so von mir stoßen. Er hat das nicht verdient. „Gibt es denn niemanden anderes?“, fragte ich sie mitfühlend. „Keine Ahnung. Ich hab noch nie so darüber nachgedacht. Hatte nur das Gefühl, dass Nico der Richtige wäre", gestand sie. Nachdem sie eine kurze Zeit nachdachte, sagte sie plötzlich: „Oh Gott, wie konnte ich nur so dumm sein?! Natürlich gibt es jemanden! Scarlett. Vielen Dank. Ich hoffe wir können noch Freundinnen werden, aber ich muss jetzt los!“, sprang auf und umarmte mich hastig. Danach verwandelte sie sich und lief davon.
Ich muss auch mit jemandem sprechen, dachte ich und machte mich auf die Suche nach Nico.

Schließlich fand ich ihn am Bach. Er saß da und schaute ins Wasser. Ich setzte mich neben ihn und fragte ihn leise: „Was machst du?“
„Nachdenken“, flüsterte er und wand seinen Kopf zu mir. Langsam lächelte ich ihn an. Er lächelte zurück, beugte sich vor, hielt jedoch inne und setzte sich wieder normal hin. Das ist einfach zu viel, dachte ich traurig. Dann tat ich etwas, was ich als schüchternder Mensch eigentlich nie tun würde. Ich setzte mich rittlings auf Nicos Schoß, zog ihn zu mir und küsste ihn. Er zuckte kurz vor Schreck zusammen, ging dann jedoch auf den Kuss ein. Nach ein paar Minuten löste ich mich langsam und schaute ihn an. Ich sah so viel Liebe und Vertrauen in seinen Augen. Langsam lehnte sich Nico zurück und zog mich mit sich bis wir schließlich zusammen auf dem Waldboden lagen. „Es tut mir leid“, flüsterte ich leise und kuschelte mich mehr an ihn. „Ist schon O.K. Ich liebe dich“, antwortete er. „Ich dich auch.“


Nach einer gefühlten Ewigkeit stand Nico auf und hielt mir die Hand hin. Er zog mich hoch und lächelte. „Trainieren musst du trotzdem“, sagte er und lachte. Ich lachte ebenfalls und so wiederholte sich der gestrige Tag vom Training her. Außer das er vom Fels sprang. Was das überhaupt sollte - keine Ahnung. Ich denke mal er hat seine eigene Technik, um mit seinen Problemen umzugehen. Das hab ich schließlich auch.

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