SCARLETT
Ich schlug die Augen auf und wachte in
der, mir schon vertrauten, Höhle auf. Wahrscheinlich war ich in der Werkstatt eingeschlafen. Nico muss mich wohl
zurückgebracht haben. Jedoch
war er nicht hier, niemand war hier. Wieso wache ich eigentlich
immer allein auf?
Langsam
stand ich auf und krabbelte aus der Höhle. Auf dem Hauptplatz
entdeckte ich Mila in Form ihrer Tigergestalt. Sie schaute zu mir
rüber und funkelte mich böse an. Mir reichts langsam!,
dachte ich und stampfte zu ihr. Alles an mir tat vom Training gestern weh. „Können wir bitte mal reden?“, fragte ich sie
genervt. Sie funkelte mich weiterhin an, nickte jedoch langsam und
tapste weg von den anderen Tigern. Ich folgte ihr bis sie stehen
blieb und sich verwandelte. Es war ein komisches Gefühl wenn man die
Verwandlung sah. Jedoch wurde sie mir langsam vertraut. „Was willst
du?“, fragte sie und schaute mich missbilligend an. „Ich möchte
keinen Stress mit dir! Sag mir doch, was ich getan haben soll, damit
ich es verdiene, wie du mit mir umgehst!“, „Du hast mir meinen Verlobten weggenommen!
Ist das nicht offensichtlich?“, gab sie zurück, senkte den Blick
und setzte sich hin. Sie schlang die Arme um die Beine und legte
ihren Kopf drauf. Natürlich ist das offensichtlich...
Wieso frag ich überhaupt?
„Es
tut mir schrecklich leid, Mila. Ich wollte dich nie verletzen,
jedoch...“, ich brach ab. Es gab nichts, womit ich das hätte
entschuldigen können. „Es ist ja O.K. Ich mache dir keine
Vorwürfe, es ist nur... Ich habe ihn geliebt! Er hat mich aber nie
geliebt. Und das wusste ich. Er verdient es, glücklich zu sein... Und
ich verdiene das auch. Zusammen wären wir das einfach nicht und das
verstehe ich jetzt. Es ist jedoch nicht so leicht, dich die ganze
Zeit mit ihm zu sehen. Es ist hart zu sehen wir glücklich ihr seid.
Wo ich es doch nicht bin“, sagte sie traurig. Ich habe
noch nie so darüber nachgedacht. Besonders glücklich fühle ich
mich in letzter Zeit nicht. Wenn ich mich jedoch mit Mila verglich, war ich schon ziemlich glücklich. Ich darf Nico nicht so von mir
stoßen. Er hat das nicht verdient. „Gibt
es denn niemanden anderes?“, fragte ich sie mitfühlend. „Keine Ahnung. Ich
hab noch nie so darüber nachgedacht. Hatte nur das Gefühl, dass Nico
der Richtige wäre", gestand sie. Nachdem sie eine kurze Zeit nachdachte, sagte sie plötzlich: „Oh Gott, wie konnte ich nur so dumm sein?!
Natürlich gibt es jemanden! Scarlett. Vielen Dank. Ich hoffe wir
können noch Freundinnen werden, aber ich muss jetzt los!“, sprang auf und umarmte mich hastig. Danach verwandelte sie sich
und lief davon.
Ich muss auch mit jemandem sprechen,
dachte ich und machte mich auf
die Suche nach Nico.
Schließlich
fand ich ihn am Bach. Er saß da und schaute ins Wasser. Ich setzte
mich neben ihn und fragte ihn leise: „Was machst du?“
„Nachdenken“,
flüsterte er und wand seinen Kopf zu mir. Langsam lächelte ich ihn
an. Er lächelte zurück, beugte sich vor, hielt jedoch inne und
setzte sich wieder normal hin. Das ist einfach zu viel,
dachte ich traurig. Dann tat ich etwas, was ich als schüchternder
Mensch eigentlich nie tun würde. Ich setzte mich rittlings auf Nicos
Schoß, zog ihn zu mir und küsste ihn. Er zuckte kurz vor Schreck
zusammen, ging dann jedoch auf den Kuss ein. Nach ein paar Minuten
löste ich mich langsam und schaute ihn an. Ich sah so viel Liebe und
Vertrauen in seinen Augen. Langsam lehnte sich Nico zurück und zog
mich mit sich bis wir schließlich zusammen auf dem Waldboden lagen.
„Es tut mir leid“, flüsterte ich leise und kuschelte mich mehr
an ihn. „Ist schon O.K. Ich liebe dich“, antwortete er. „Ich
dich auch.“
Nach
einer gefühlten Ewigkeit stand Nico auf und hielt mir die Hand hin.
Er zog mich hoch und lächelte. „Trainieren musst du trotzdem“,
sagte er und lachte. Ich lachte ebenfalls und so wiederholte sich der
gestrige Tag vom Training her. Außer das er vom Fels sprang. Was das
überhaupt sollte - keine Ahnung. Ich denke mal er hat seine eigene
Technik, um mit seinen Problemen umzugehen. Das hab ich schließlich
auch.
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