Montag, 6. Mai 2013

KAPITEL 14

NICO

Ohne zu zögern sprintete ich instinktiv zum Rudel. Ich war allein und brauchte eindeutig Hilfe, aber wer war schon bereit mir diese zu geben? Scheiße, dachte ich und blieb augenblicklich stehen. Wenn ich jetzt zum Rudel gehen würde, bring mich Lucien um! Doch ich verdrängte diesen Gedanken wieder und bewegte mich Erst zögerlich, dann wurd ich immer schneller und schneller. Ich hatte einfach nicht die Zeit um darüber nachzudenken. Selbst wenn Lucien gegen mich war, so hatte ich mindestens Felicitas und Ariane auf meiner Seite, und bestimmt auch Trie. Trie war ein sehr anmutiger Tiger, auch sehr loyal. Das mochte ich an ihm besonders – seine Loyalität. Allerdings könnte dies auch zu einem Problem werden, denn es war ja schließlich Luciens Rudel, nicht meiner, und ich wurde rausgeschmissen. Ich wusste ich würde alles für Scarlett tun, ich würde um sie kämpfen, sie in Sicherheit bringen. Ich würde jeden Preis zahlen, um sie zu retten. Sogar mein Leben würde ich aufs Spiel setzten, um ihres zu wahren.
Nach wenigen Minuten kam ich endlich an die Grenze und sprang hinüber. Jetzt konnte mich eh nichts mehr halten. Bevor ich anhalten konnte sprang Lucien bereits vor mich. Ein lautes bedrohliches Brüllen hallte durch den ganzen Dschungel und direkt versammelten sich alle Tiger und Tigerinnen um uns herum. Lucien war drauf und dran mich anzugreifen, doch da stellte sich Ariane an meine Seite. „Was willst du hier?“, grollte es verächtlich aus Luciens Maul. „Ich brauche eure Hilfe. Bitte Lucien, ich bin nicht hier um zu kämpfen“, sagte ich ernst und schaute einmal in die Runde. „Damit kommst du jetzt alleine klar. Und jetzt verschwinde!“, fuhr er mich an und kam mir bedrohlich nah. Er hatte dieses Funkeln in den Augen. „Bei allem Respekt, Lucien, bitte. Du weißt ich würde dich nicht darum bitten, wenn das nicht wichtig wäre“, flehte ich ihn an. Doch Lucien ließ sich davon nicht beeindrucken und knurrte mich an. Ariane wich nicht von meiner Seite, auch Felicitas kam dazu. Ich blickte erwartungsvoll in die Runde. Mila stellte sich zu Lucien und auch Silas machte es ihr nach. Du bist mir ja ein guter Kumpel, dachte ich und warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. Die anderen standen außen vor und ich schaute erneut in die Runde. Wie nicht anders zu erwarten kam auch mein Großvater Salio zu mir, gefolgt von einem weitern älterem Tiger. Der Rest kam ebenfalls zögerlich auf mich zu, nur Trie nicht. Er blieb in der Mitte stehen. Ich sah wie Felicitas versuchte ihm etwas zu sagen, doch ich konnte nicht genau erkennen was sie sagte. Als Lucien anfing zu knurren, ging Trie zu ihm, zögerlich. „Bitte“, versuchte ich noch einmal ihn umzustimmen. Nach ein paar Schritten blieb er direkt vor Lucien stehen und schaute ihn an. Dann wandte er sich um und sprang mit einem Satz zu mir. Ich hatte eindeutig die Mehrheit der Tiger auf meiner Seite und ich konnte Luciens verhassten, aber auch verwunderten Blick. Nach einem lauten Brüllen, bei dem alle zusammenzuckten, verschwand er in seine Höhle und Mila folgte ihm. „Sorry“, sagte Silas und folgte ihnen.
Ich deutete allen mit mir zu kommen und alle folgten mir aus dem Dschungel heraus. Nach kurzem umschauen verwandelten wir uns alle in Menschen, einige sah ich zum ersten mal in ihrer menschlichen Gestalt. Auch Felicitas war selten als Mensch anzutreffen. Sie trug ihr dunkelrotes gelocktes Haar offen und hatte strahlend grüne Augen.
Nachdem ich mir sicher war, dass ich alle Aufmerksamkeit bei mir hatte, fing ich an zu reden: „Ich weiß zu schätzen dass ihr euch alle gegen Lucien aufgestellt habt, Danke“. Ich nickte allen zu und einige der Frauen lächelten sogar. „Folgendes: Ich bin auf der Suche nach einem Mädchen. Ihr Name ist Scarlett und sie wird irgendwo gefangen gehalten. Bitte, ich habe große Angst um Sie..“. „Am besten wir teilen uns auf und durchsuchen die ganze Gegend!“, schlug Felicitas vor. „Wir müssen uns beeilen, es geht im ihr Leben!“, sagte ich und mich durchfuhr ein stechender Schmerz. Nach ein paar kurzen Blicken verschwand einer nach dem anderen und am ende blieben nur noch ich und Felicitas. „Wir finden sie“, sagte sie aufmunternd und ich versuchte ein Lächeln aufzusetzen.
Stunden liefen wir durch die Gegend, suchten auf jedem Berg, waren in jeder Höhle und liefen über weite Felder. Dennoch konnten wir sie nirgens finden. Niedergeschlagen kehrten wir alle mitten in der Nacht zurück in den Dschungel. Ich wusste ich würde nicht eher aufgeben, bis ich sie fand. Und genau das würden auch die anderen mitmachen. Früh morgens lief ich mit Felicitas aus dem Dorf, während die anderen noch schliefen. Unterwegs fingen wir drei Erdmännchen, welches das einzigste war, was wir heute aßen. Ohne Pausen suchten wir weiter und liefen auch ab und zu den anderen über den Weg. Doch auch heute fanden wir nichts. Natürlich nicht. Aber wo verdammt steckte sie nur? Ich konnte die Nacht über nicht schlafen. Mila kam auf mich zu und sie wirkte unsicher. Ihr Blick war leer, aber ihr lag etwas auf dem Herzen.
Ich weiß, wo Sie ist“, sagte sie leise und ich sprang direkt auf.

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