NICO
Ohne zu zögern
sprintete ich instinktiv zum Rudel. Ich war allein und brauchte
eindeutig Hilfe, aber wer war schon bereit mir diese zu geben?
Scheiße, dachte ich und
blieb augenblicklich stehen. Wenn ich jetzt zum Rudel gehen
würde, bring mich Lucien um! Doch
ich verdrängte diesen Gedanken wieder und bewegte mich Erst
zögerlich, dann wurd ich immer schneller und schneller. Ich hatte
einfach nicht die Zeit um darüber nachzudenken. Selbst wenn Lucien
gegen mich war, so hatte ich mindestens Felicitas und Ariane auf
meiner Seite, und bestimmt auch Trie. Trie war ein sehr anmutiger
Tiger, auch sehr loyal. Das mochte ich an ihm besonders – seine
Loyalität. Allerdings könnte dies auch zu einem Problem werden,
denn es war ja schließlich Luciens Rudel, nicht meiner, und ich
wurde rausgeschmissen. Ich wusste ich würde alles für Scarlett tun,
ich würde um sie kämpfen, sie in Sicherheit bringen. Ich würde
jeden Preis zahlen, um sie zu retten. Sogar mein Leben würde ich
aufs Spiel setzten, um ihres zu wahren.
Nach
wenigen Minuten kam ich endlich an die Grenze und sprang hinüber.
Jetzt konnte mich eh nichts mehr halten. Bevor ich anhalten konnte
sprang Lucien bereits vor mich. Ein lautes bedrohliches Brüllen
hallte durch den ganzen Dschungel und direkt versammelten sich alle
Tiger und Tigerinnen um uns herum. Lucien war drauf und dran mich
anzugreifen, doch da stellte sich Ariane an meine Seite. „Was
willst du hier?“, grollte es
verächtlich aus Luciens Maul. „Ich brauche eure Hilfe.
Bitte Lucien, ich bin nicht hier um zu kämpfen“,
sagte ich ernst und schaute einmal in die Runde. „Damit
kommst du jetzt alleine klar. Und jetzt verschwinde!“,
fuhr er mich an und kam mir bedrohlich nah. Er hatte dieses Funkeln
in den Augen. „Bei allem Respekt, Lucien, bitte. Du weißt
ich würde dich nicht darum bitten, wenn das nicht wichtig wäre“,
flehte ich ihn an. Doch Lucien
ließ sich davon nicht beeindrucken und knurrte mich an. Ariane wich
nicht von meiner Seite, auch Felicitas kam dazu. Ich blickte
erwartungsvoll in die Runde. Mila stellte sich zu Lucien und auch
Silas machte es ihr nach. Du bist mir ja ein guter Kumpel,
dachte ich und warf ihm einen
vorwurfsvollen Blick zu. Die anderen standen außen vor und ich
schaute erneut in die Runde. Wie nicht anders zu erwarten kam auch
mein Großvater Salio zu mir, gefolgt von einem weitern älterem
Tiger. Der Rest kam ebenfalls zögerlich auf mich zu, nur Trie nicht.
Er blieb in der Mitte stehen. Ich sah wie Felicitas versuchte ihm
etwas zu sagen, doch ich konnte nicht genau erkennen was sie sagte.
Als Lucien anfing zu knurren, ging Trie zu ihm, zögerlich. „Bitte“,
versuchte ich noch einmal ihn
umzustimmen. Nach ein paar Schritten blieb er direkt vor Lucien
stehen und schaute ihn an. Dann wandte er sich um und sprang mit
einem Satz zu mir. Ich hatte eindeutig die Mehrheit der Tiger auf
meiner Seite und ich konnte Luciens verhassten, aber auch
verwunderten Blick. Nach einem lauten Brüllen, bei dem alle
zusammenzuckten, verschwand er in seine Höhle und Mila folgte ihm.
„Sorry“, sagte
Silas und folgte ihnen.
Ich
deutete allen mit mir zu kommen und alle folgten mir aus dem
Dschungel heraus. Nach kurzem umschauen verwandelten wir uns alle in
Menschen, einige sah ich zum ersten mal in ihrer menschlichen
Gestalt. Auch Felicitas war selten als Mensch anzutreffen. Sie trug
ihr dunkelrotes gelocktes Haar offen und hatte strahlend grüne
Augen.
Nachdem
ich mir sicher war, dass ich alle Aufmerksamkeit bei mir hatte, fing
ich an zu reden: „Ich weiß zu schätzen dass ihr euch alle gegen
Lucien aufgestellt habt, Danke“. Ich nickte allen zu und einige der
Frauen lächelten sogar. „Folgendes: Ich bin auf der Suche nach
einem Mädchen. Ihr Name ist Scarlett und sie wird irgendwo gefangen
gehalten. Bitte, ich habe große Angst um Sie..“. „Am besten wir
teilen uns auf und durchsuchen die ganze Gegend!“, schlug Felicitas
vor. „Wir müssen uns beeilen, es geht im ihr Leben!“, sagte ich
und mich durchfuhr ein stechender Schmerz. Nach ein paar kurzen
Blicken verschwand einer nach dem anderen und am ende blieben nur
noch ich und Felicitas. „Wir finden sie“, sagte sie aufmunternd
und ich versuchte ein Lächeln aufzusetzen.
Stunden
liefen wir durch die Gegend, suchten auf jedem Berg, waren in jeder
Höhle und liefen über weite Felder. Dennoch konnten wir sie nirgens
finden. Niedergeschlagen kehrten wir alle mitten in der Nacht zurück
in den Dschungel. Ich wusste ich würde nicht eher aufgeben, bis ich
sie fand. Und genau das würden auch die anderen mitmachen. Früh
morgens lief ich mit Felicitas aus dem Dorf, während die anderen
noch schliefen. Unterwegs fingen wir drei Erdmännchen, welches das
einzigste war, was wir heute aßen. Ohne Pausen suchten wir weiter
und liefen auch ab und zu den anderen über den Weg. Doch auch heute
fanden wir nichts. Natürlich nicht. Aber wo verdammt steckte sie
nur? Ich konnte die Nacht über nicht schlafen. Mila kam auf mich zu
und sie wirkte unsicher. Ihr Blick war leer, aber ihr lag etwas auf
dem Herzen.
„Ich
weiß, wo Sie ist“, sagte sie leise und ich sprang direkt auf.
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