SCARLETT
Ich wusste nicht, wie lange Leon mich
schon gefangen hielt. Das einzige was ich wusste war, dass ich Hunger
und Durst hatte. Meine Handgelenke und meine Beine taten höllisch
weh. Wieso lässt er mich nicht gehen? Zu was ist er fähig?,
fragte ich mich benommen. Ich blickte erschöpft auf meine Beine.
Meine Hose war zerrissen und meine Beine waren mit blauen Flecken
übersät. An meinen Armen waren Schrammen und sie waren von meinem
Blut verkrustet. Leon ist ein paar mal ausgerastet als ich ihn
provozierte. Ich bin auch dumm zu versuchen, ihn vorzuwerfen kein
richtiger Mann zu sein. Leon gab mir nichts zu essen und auch nichts
zu trinken. Mit der Zeit wurde ich auch immer dünner, verlor
manchmal aber auch das Bewusstsein. Dann begann ich zu träumen...
Von
Tagen an denen noch alles gut war, mit Vanessa und Leon. Manchmal
fragte ich mich auch was wohl mit Nico werden würde, falls ich
starb... Würde er mit Mila zusammen kommen? Es ist doch zu früh
sich deswegen Gedanken zu machen. Ich kannte ihn nur ein paar Tage.
Zu kurz um sagen zu können, dass ich ihm vertraute. Dennoch würde
ich ihm mein Leben anvertrauen. Innerlich schrie ich nach ihm, will
ihm sagen, dass ich ihn liebte und ihn für immer festhalten möchte.
Plötzlich
wurde die Tür aufgestoßen und Leon trat herein. Ich hob erschöpft
den Kopf, ließ ihn jedoch wieder fallen. Mir tat alles weh.
„Wenn
du mich liebst, lass mich gehen. Du bringst mich um“, krächzte
ich. „Nein. Du würdest wieder zu diesem Nico rennen“, er betonte
Nicos Namen mit purem Hass. Dann kam Leon auf mich zu und blieb ein
paar Zentimeter vor meinem Gesicht stehen. Reflexartig schoss mein
Kopf nach hinten. Wieder gegen die Wand. Ich stieß schmerzhaft eine
Art Schmerzensschrei aus.
Leon
ignorierte dies. Er presste, wie so oft schon seit meiner
Gefangenschaft, seine Lippen auf meine. Ich hielt meinen Mund
geschlossen. Er versuchte meinen Mund zu öffnen, ich ließ es jedoch
nicht zu. Aber ich wurde schwächer, war kurz davor wieder das
Bewusstsein zu verlieren. Dann tat ich etwas, was ich von mir nicht
erwartet hätte – ich biss ihm in die Lippe, so stark, dass sie
blutete.
Leon
schreckte zurück, hob die Hand und – Klatsch!
Meine Hand wollte sofort an meine Wange fassen, jedoch war das
einzige was ich damit erreichte weitere Schrammen an meiner Hand
durch die Ketten.
„Du
Miststück!“, schrie Leon, packte eine Eisenstange die an der Wand
lehnte und schlug damit auf meinen Bauch. Ich weinte, hielt jedoch
still und versuchte den Schmerz zu ignorieren. Unbewusst fiel ich
wieder in Ohnmacht, ohne zu wissen was Leon nun mit mir machen würde.
Ich träumte von Nico. Ich lag in
seinen Armen und er strich mir ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Ich
liebe dich. Weißt du das? Ich konnte es dir damals nicht sagen...
Aber du musst es wissen“, sagte ich leise. „Ich weiß es. Ich
wusste es schon immer, seit ich dich damals an deinem Jeep stehen
sah“, sagte er und schaute mir in die Augen. Ich wollte etwas
erwidern, kam jedoch nicht dazu. Man kann schlecht sprechen, wenn
man geküsst wird. Er war zärtlich und in seinem Kuss lag so viel Liebe. Er zeigte mir damit, dass er für
mich da sein würde. Für immer.
Langsam öffnete
ich meine Augen und schaute an mir herunter. Meine Hose hing mir auf
den Knien und mein Slip war am Rand zerrissen, hielt jedoch noch. Oh
mein Gott... Hat er...?, ich brach in Tränen aus. Ich hatte so
was wie einen Nervenzusammenbruch, soweit man einen haben kann wenn
man in Ketten gefangen hing. Das Leben ist einfach scheiße!
Wieso nimmt Gott mir nicht einfach das Leben? Wieso befreit er mich
nicht einfach? Wie lange bin ich überhaupt schon gefangen?
Nachdem ich mich
wieder einigermaßen zusammengerissen hatte, zeigte sich wieder meine
Schwäche und ich verlor wieder das Bewusstsein.
Irgendwann spürte
ich, dass um mich herum Holz zersprang, Geknurrt wurde und ich hörte
Schreie. Ich war einfach zu schwach um aufzuwachen. Auch wenn ich
mich anstrengte, wurde kurze Zeit später alles um mich herum wieder schwarz.
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