Mittwoch, 8. Mai 2013

KAPITEL 15


SCARLETT

Ich wusste nicht, wie lange Leon mich schon gefangen hielt. Das einzige was ich wusste war, dass ich Hunger und Durst hatte. Meine Handgelenke und meine Beine taten höllisch weh. Wieso lässt er mich nicht gehen? Zu was ist er fähig?, fragte ich mich benommen. Ich blickte erschöpft auf meine Beine. Meine Hose war zerrissen und meine Beine waren mit blauen Flecken übersät. An meinen Armen waren Schrammen und sie waren von meinem Blut verkrustet. Leon ist ein paar mal ausgerastet als ich ihn provozierte. Ich bin auch dumm zu versuchen, ihn vorzuwerfen kein richtiger Mann zu sein. Leon gab mir nichts zu essen und auch nichts zu trinken. Mit der Zeit wurde ich auch immer dünner, verlor manchmal aber auch das Bewusstsein. Dann begann ich zu träumen...
Von Tagen an denen noch alles gut war, mit Vanessa und Leon. Manchmal fragte ich mich auch was wohl mit Nico werden würde, falls ich starb... Würde er mit Mila zusammen kommen? Es ist doch zu früh sich deswegen Gedanken zu machen. Ich kannte ihn nur ein paar Tage. Zu kurz um sagen zu können, dass ich ihm vertraute. Dennoch würde ich ihm mein Leben anvertrauen. Innerlich schrie ich nach ihm, will ihm sagen, dass ich ihn liebte und ihn für immer festhalten möchte.
Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen und Leon trat herein. Ich hob erschöpft den Kopf, ließ ihn jedoch wieder fallen. Mir tat alles weh.
„Wenn du mich liebst, lass mich gehen. Du bringst mich um“, krächzte ich. „Nein. Du würdest wieder zu diesem Nico rennen“, er betonte Nicos Namen mit purem Hass. Dann kam Leon auf mich zu und blieb ein paar Zentimeter vor meinem Gesicht stehen. Reflexartig schoss mein Kopf nach hinten. Wieder gegen die Wand. Ich stieß schmerzhaft eine Art Schmerzensschrei aus.
Leon ignorierte dies. Er presste, wie so oft schon seit meiner Gefangenschaft, seine Lippen auf meine. Ich hielt meinen Mund geschlossen. Er versuchte meinen Mund zu öffnen, ich ließ es jedoch nicht zu. Aber ich wurde schwächer, war kurz davor wieder das Bewusstsein zu verlieren. Dann tat ich etwas, was ich von mir nicht erwartet hätte – ich biss ihm in die Lippe, so stark, dass sie blutete.
Leon schreckte zurück, hob die Hand und – Klatsch! Meine Hand wollte sofort an meine Wange fassen, jedoch war das einzige was ich damit erreichte weitere Schrammen an meiner Hand durch die Ketten.
„Du Miststück!“, schrie Leon, packte eine Eisenstange die an der Wand lehnte und schlug damit auf meinen Bauch. Ich weinte, hielt jedoch still und versuchte den Schmerz zu ignorieren. Unbewusst fiel ich wieder in Ohnmacht, ohne zu wissen was Leon nun mit mir machen würde.

Ich träumte von Nico. Ich lag in seinen Armen und er strich mir ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Ich liebe dich. Weißt du das? Ich konnte es dir damals nicht sagen... Aber du musst es wissen“, sagte ich leise. „Ich weiß es. Ich wusste es schon immer, seit ich dich damals an deinem Jeep stehen sah“, sagte er und schaute mir in die Augen. Ich wollte etwas erwidern, kam jedoch nicht dazu. Man kann schlecht sprechen, wenn man geküsst wird. Er war zärtlich und in seinem Kuss lag so viel Liebe. Er zeigte mir damit, dass er für mich da sein würde. Für immer.

Langsam öffnete ich meine Augen und schaute an mir herunter. Meine Hose hing mir auf den Knien und mein Slip war am Rand zerrissen, hielt jedoch noch. Oh mein Gott... Hat er...?, ich brach in Tränen aus. Ich hatte so was wie einen Nervenzusammenbruch, soweit man einen haben kann wenn man in Ketten gefangen hing. Das Leben ist einfach scheiße! Wieso nimmt Gott mir nicht einfach das Leben? Wieso befreit er mich nicht einfach? Wie lange bin ich überhaupt schon gefangen?
Nachdem ich mich wieder einigermaßen zusammengerissen hatte, zeigte sich wieder meine Schwäche und ich verlor wieder das Bewusstsein.

Irgendwann spürte ich, dass um mich herum Holz zersprang, Geknurrt wurde und ich hörte Schreie. Ich war einfach zu schwach um aufzuwachen. Auch wenn ich mich anstrengte, wurde kurze Zeit später alles um mich herum wieder schwarz.

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